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Morbus Alzheimer


Die häufigste Form der Demenzerkrankungen ist die Alzheimer-Demenz. Bei Morbus Alzheimer sterben Hirnzellen ab, das Gedächtnis geht verloren, die Persönlichkeit der Betroffenen verändert sich. Nach der Weltgesundheitsorganisation leben weltweit 47 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung.

Die ersten Symptome sind meist Vergesslichkeit und zeitliche Orientierungsschwierigkeiten. Der Verlauf einer Demenzerkrankung ist durch drei Stadien gekennzeichnet: Während des ersten Stadiums verlieren die Betroffenen die Fähigkeit, neue Informationen zu erfassen und komplizierte Alltagsaufgaben zu bewältigen, finden sich jedoch mit diesen Einschränkungen in ihrer vertrauten Umgebung noch alleine zurecht. Im zweiten Stadium kommt es zu massiven Problemen bei täglichen Verrichtungen, wie zum Beispiel beim Waschen und Anziehen, bekannte Personen werden nicht mehr erkannt, Wahnvorstellungen treten auf. Im letzten Stadium einer Demenz verlieren die Betroffenen ihre Sprachfähigkeit und werden inkontinent sowie bettlägerig. Im fortgeschrittenen Stadium weiß ein Betroffener nicht mehr, wo er sich befindet und wer er ist, und viele erkennen auch ihre Angehörigen nicht mehr, manche der Betroffenen werden aggressiv, sodass eine Beaufsichtigung rund um die Uhr nötig wird.

Frauen erkranken übrigens häufiger an Alzheimer als Männer, wobei dafür auch die höhere Lebenserwartung ausschlaggebens sein kann, da das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung mit zunehmendem Alter steigt. Eine andere Ursache vermutet man im Östrogenschwund nach der Menopause, wobei zwar auch Männer in geringen Mengen Östrogen produzieren, doch bleibt die Menge im Alter gleich, während bei Frauen die Menge im Alter oft stark abnimmt. Bekanntlich bringen Östrogene Nervenzellen zum Wachsen und festigen die Verbindungen zwischen Neuronen. Fehlen Östrogene, gehen Verbindungen zwischen Nervenzellen im Gehirn verloren. Möglicherweise steht auch die Häufigkeit an Depressionen damit in Verbindung, denn Frauen leiden doppelt so häufig an Depressionen wie Männer, wobei auch Depressionen das Risiko für Alzheimer erhöhen.

Entdeckt wurde diese Form der Demenz von Alois Alzheimer, der die Ursachen dafür unter dem Mikroskop fand, als er am Gehirn einer Erkrankten nach ihrem Tod flächenweise zugrunde gegangene Nervenzellen feststellte und in der gesamten Hirnrinde Eiweißablagerungen (Plaques) fand. Vergesslichkeit bei älteren Menschen galt zu dieser Zeit als Alterserscheinung. Die Erkenntnisse stellte Alzheimer bei einer Tagung in Tübingen vor und berichtete erstmals über das Krankheitsbild als einer eigenartigen schweren Erkrankung der Hirnrinde. Alzheimer bezeichnete die Erkrankung als „Krankheit des Vergessens“, doch als in den folgenden Jahren weitere ähnliche Fälle in der medizinischen Literatur beschrieben wurden, benannte der Psychiater Emil Kraepelin diese Form der Demenzerkrankung in der achten Ausgabe seines Lehrbuchs der Psychiatrie nach Alzheimer.


Bei Mäusen kann man eine beginnende Alzheimer-Erkrankung dadurch abschwächen, dass man sie einige Zeit mit Lichtimpulsen oder einer Ton-Stimulation behandelt. Es zeigten sich bei einer entsprechenden Behandlung deutliche Verbesserungen sowohl im Gedächtnis als auch im Gehirn der Mäuse. Nach einer Woche mit Tonstimulation hatte sich die Menge der Plaques und des Beta-Amyloids im Hörzentrum und in dem für das Gedächtnis wichtigen Hippocampus um bis zu fünfzig Prozent verringert. Das demonstriert, dass eine akustische Stimulation die Amyloidlast auch außerhalb des primären sensorischen Cortex reduzieren kann. Die Mikroglia nahmen durch die Tonstimulation um 60 Prozent zu, von denen man weiß, dass sie Amyloid-Plaques abbauen können. Außerdem beobachten die Forscher um 50 bis 100 Prozent erweiterte Adern und damit eine bessere Durchblutung im Hippocampus und Hörzentrum der behandelten Mäuse (Martorell et al., 2019). Nun soll an erkrankten Menschen diese Methode getestet werden.


Forschungsarbeiten haben laut einer APA-Presseaussendung vom 8. März 2019 gezeigt, dass die Amazonaspflanze Katzenkralle als Hemmer und Reduktionsmittel gegen amyloide Plaques und neurofibrilläre Bündel eingesetzt werden könnte. Man hat entdeckt, wie deren speziellen Polyphenole zu einer verbesserten Gesundheit des Gehirns beitragen könnten. Die Bestandteile des Polyphenols gelangen über das Blut innerhalb von Minuten in das Gehirn, wo kleine molekulare Polyphenolkomponenten sich an das beta-amyloide Protein in den Plaques und an das Tau-Protein in den neurofibrillären Bündeln binden. Diese Komponenten bilden eine Art Keil, sodass die Plaques in beinahe amorphes, non-fibrilläres Material zerfallen. Die Mikroglia des Gehirns beseitigen dann das nicht giftige Material und transportieren es aus dem Gehirn. Die Senkung der Plaque-Belastung im Gehirn um 50-60 % über einen Zeitraum von 3 Monaten führte bei plaque-bildenden transgenen Mäusen zu einer deutlichen (50-60 %) Verbesserung des Kurzzeitgedächtnisses und auch zu einer deutlichen Senkung von Entzündungen im Gehirn.

Literatur

Martorell, Anthony J., Paulson, Abigail L., Suk, Ho-Jun, Abdurrob, Fatema, Drummond, Gabrielle T., Guan, Webster, Young, Jennie Z., Kim, David Nam-Woo, Kritskiy, Oleg, Barker, Scarlett J., Mangena, Vamsi, Prince, Stephanie M., Brown, Emery N., Chung, Kwanghun, Boyden, Edward S., Singer, Annabelle C. & Tsai, Li-Huei (2019). Multi-sensory Gamma Stimulation Ameliorates Alzheimer’s-Associated Pathology and Improves Cognition. Cell, doi:10.1016/j.cell.2019.02.014.
https://lexikon.stangl.eu/1082/demenz/ (12-11-21)


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