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Morbus Alzheimer


Die häufigste Form der Demenzerkrankungen ist die Alzheimer-Demenz. Bei Morbus Alzheimer sterben Hirnzellen ab, das Gedächtnis geht verloren, die Persönlichkeit der Betroffenen verändert sich. Nach der Weltgesundheitsorganisation leben weltweit 47 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung.


Welt-Alzheimertag  ist am 21. September


Die ersten Symptome sind meist Vergesslichkeit und zeitliche Orientierungsschwierigkeiten. Der Verlauf einer Demenzerkrankung ist durch drei Stadien gekennzeichnet: Während des ersten Stadiums verlieren die Betroffenen die Fähigkeit, neue Informationen zu erfassen und komplizierte Alltagsaufgaben zu bewältigen, finden sich jedoch mit diesen Einschränkungen in ihrer vertrauten Umgebung noch alleine zurecht. Im zweiten Stadium kommt es zu massiven Problemen bei täglichen Verrichtungen, wie zum Beispiel beim Waschen und Anziehen, bekannte Personen werden nicht mehr erkannt, Wahnvorstellungen treten auf. Im letzten Stadium einer Demenz verlieren die Betroffenen ihre Sprachfähigkeit und werden inkontinent sowie bettlägerig. Im fortgeschrittenen Stadium weiß ein Betroffener nicht mehr, wo er sich befindet und wer er ist, und viele erkennen auch ihre Angehörigen nicht mehr, manche der Betroffenen werden aggressiv, sodass eine Beaufsichtigung rund um die Uhr nötig wird.

Frauen erkranken übrigens häufiger an Alzheimer als Männer, wobei dafür auch die höhere Lebenserwartung ausschlaggebens sein kann, da das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung mit zunehmendem Alter steigt. Eine andere Ursache vermutet man im Östrogenschwund nach der Menopause, wobei zwar auch Männer in geringen Mengen Östrogen produzieren, doch bleibt die Menge im Alter gleich, während bei Frauen die Menge im Alter oft stark abnimmt. Bekanntlich bringen Östrogene Nervenzellen zum Wachsen und festigen die Verbindungen zwischen Neuronen. Fehlen Östrogene, gehen Verbindungen zwischen Nervenzellen im Gehirn verloren. Möglicherweise steht auch die Häufigkeit an Depressionen damit in Verbindung, denn Frauen leiden doppelt so häufig an Depressionen wie Männer, wobei auch Depressionen das Risiko für Alzheimer erhöhen.

Morbus Alzheimer ist zumindest bei einem geringen Prozentsatz der Fälle erblich, d. h., es wird autosomal-dominant vererbt, was bedeutet, wenn ein Elternteil betroffen ist, besteht eine fünfzigprozentige Wahrscheinlichkeit, dass auch die Kinder erkranken. Man kennt mittlerweile drei Gene, die  im Falle von Mutationen die Krankheit ausbrechen lassen. Gibt es Alzheimer-Fälle in der Familie, ist es daher ratsam, ab dreißig einen Neurologen aufzusuchen, um eine mögliche Erkrankung abzuklären bzw. diese frühzeitig zu erkennen. Eine frühe Diagnosestellung ist deshalb wichtig, da bei frühzeitigem Behandlungsbeginn die Leistungsfähigkeit länger erhalten werden kann. Zwar gibt es keine wirksame Therapie, um das Fortschreiten der Erkrankung vollkommen zu stoppen, dennoch können Medikamente und begleitende psychotherapeutische Maßnahmen den Verlauf der Erkrankung verlangsamen und die Symptome mildern. Studien belegen, dass man Morbus Alzheimer durch regelmäßige Bewegung, geistige Fitness, gesunde Ernährung (Obst, Gemüse, Fisch, Olivenöl und Vollkornbrot) und ein geselliges Leben vorbeugen kann.

Entdeckt wurde diese Form der Demenz von Alois Alzheimer, der die Ursachen dafür unter dem Mikroskop fand, als er am Gehirn einer Erkrankten nach ihrem Tod flächenweise zugrunde gegangene Nervenzellen feststellte und in der gesamten Hirnrinde Eiweißablagerungen (Plaques) fand. Vergesslichkeit bei älteren Menschen galt zu dieser Zeit als Alterserscheinung. Die Erkenntnisse stellte Alzheimer bei einer Tagung in Tübingen vor und berichtete erstmals über das Krankheitsbild als einer eigenartigen schweren Erkrankung der Hirnrinde. Alzheimer bezeichnete die Erkrankung als „Krankheit des Vergessens“, doch als in den folgenden Jahren weitere ähnliche Fälle in der medizinischen Literatur beschrieben wurden, benannte der Psychiater Emil Kraepelin diese Form der Demenzerkrankung in der achten Ausgabe seines Lehrbuchs der Psychiatrie nach Alzheimer.

Erlebte subjektive kognitive Beeinträchtigungen als Indikator

Wenn bei Menschen das Gedächtnis nach eigenem Empfinden nachlässt, aber die geistige Leistungsfähigkeit nach objektiven Kriterien noch im Normbereich liegt, spricht man von von „subjektiven kognitiven Beeinträchtigungen“ oder „subjective cognitive decline“, wobei Menschen mit diesem Empfinden ein erhöhtes Risiko haben, langfristig eine Demenz zu entwickeln. Unklar sind dabei die Mechanismen, die diesen subjektiven Gedächtnisstörungen zugrunde liegen, denn die Effekte sind sehr schwach und bisherige Studien haben nur relativ kleine Personengruppen umfasst, was statistisch belastbare Aussagen schwierig macht. Wolfsgruber et al. (2020) haben nun belegt, dass die persönliche Wahrnehmung ein wichtiges Indiz sein kann, um eine Alzheimer-Erkrankung frühzeitig zu entdecken. In einer Studie mit 449 älteren Erwachsenen konnte man nun nachweisen, dass jene Menschen, die sich aufgrund von subjektiven kognitiven Beeinträchtigungen an eine Gedächtnisambulanz wenden oder eine solche verwiesen werden, messbare, wenngleich nur mäßig ausgeprägte kognitive Defizite zeigen. Diese Befunde beruhen dabei auf einer umfangreichen Testung, einer verfeinerten Datenauswertung und einer im Vergleich zu früheren Studien verhältnismäßig großen Anzahl untersuchter Menschen, wodurch die Messempfindlichkeit entscheidend verbessert wurde. So fand man heraus, dass StudienteilnehmerInnen, die als gesund galten, im Allgemeinen bessere Ergebnisse bei der geistigen Leistungsfähigkeit erzielten als ProbandInnen der Gedächtnisambulanzen. Die Frauen und Männer, die an der Studie teilnahmen, unterzogen sich diversen Tests der geistigen Fähigkeiten, wobei es neben der Gedächtnisleistung auch um Aufmerksamkeits- und Konzentrationsleistungen in verschiedenen Situationen ging, etwa unter Zeitdruck zu entscheiden. Geprüft wurden unter anderem auch das Sprachvermögen und die Fähigkeit, Objekte zu erkennen und korrekt zu benennen. Außerdem wurde bei einem Teil der ProbandInnen die Konzentration bestimmter Eiweißstoffe (Amyloid-Beta-Peptide und Tau-Proteine) im Nervenwasser analysiert, also jener Flüssigkeit, die im Gehirn und Rückenmark vorkommt. Diese Biomarker-Messwerte ermöglichen Rückschlüsse auf etwaige Nervenschädigungen und Vorgänge, die mit einer Alzheimer-Erkrankung einhergehen. Man hat dabei festgestellt, dass bei ProbandInnen mit subjektiven kognitiven Beeinträchtigungen im Mittel leichte kognitive Defizite vorliegen, und dass diese mit jenen Eiweißstoffen zusammenhängen, die auf eine frühe Alzheimer-Erkrankung hindeuten, sodass man vermutet, dass sowohl die subjektiven Beschwerden, als auch die minimalen objektiven kognitiven Defizite auf Alzheimer-Prozesse zurückzuführen sind. Diese Befunde lassen sich jedoch nicht verallgemeinern, denn viele ältere Menschen haben zeitweilig subjektive Gedächtnisstörungen, ohne dass eine frühe Alzheimer-Erkrankung vorliegt.


Bei Mäusen kann man eine beginnende Alzheimer-Erkrankung dadurch abschwächen, dass man sie einige Zeit mit Lichtimpulsen oder einer Ton-Stimulation behandelt. Es zeigten sich bei einer entsprechenden Behandlung deutliche Verbesserungen sowohl im Gedächtnis als auch im Gehirn der Mäuse. Nach einer Woche mit Tonstimulation hatte sich die Menge der Plaques und des Beta-Amyloids im Hörzentrum und in dem für das Gedächtnis wichtigen Hippocampus um bis zu fünfzig Prozent verringert. Das demonstriert, dass eine akustische Stimulation die Amyloidlast auch außerhalb des primären sensorischen Cortex reduzieren kann. Die Mikroglia nahmen durch die Tonstimulation um 60 Prozent zu, von denen man weiß, dass sie Amyloid-Plaques abbauen können. Außerdem beobachten die Forscher um 50 bis 100 Prozent erweiterte Adern und damit eine bessere Durchblutung im Hippocampus und Hörzentrum der behandelten Mäuse (Martorell et al., 2019). Nun soll an erkrankten Menschen diese Methode getestet werden.

Tierversuche mit Mäusen haben auch gezeigt, dass ein zu hoher Salzkonsum Ablagerungen im Gehirn verursachen könnte, wobei dies dieselben Ablagerungen betraf, die auch bei Menschen mit Alzheimer gefunden werden, sodass es wahrscheinlich ist, dass diese kognitive Erkrankung durch zu viel Salz begünstigt wird. Allerdings waren die in den Tierversuchen verwendeten Salzdosen so groß, dass eine Übertragung auf den Menschen nur bedingt möglich sein dürfte. Im Vergleich zur Kontrollgruppe, die weiterhin das normale Futter erhielt, nahmen die Mäuse in den Versuchen das zwischen acht- und 16-Fache an Salz auf. Anschließende Gedächtnistests, bei denen sich die Tiere einen Weg durch ein Labyrinth merken sollten oder Objekte erkennen mussten, wurden von den Tieren mit der salzhaltigen Ernährung schlechter abgeschlossen. Doch ist unklar, ob auch beim Menschen ein zu hoher Salzkonsum, der bei einem Großteil der Bevölkerung vorliegt, zu diesen Ablagerungen im Gehirn führt.


Forschungsarbeiten haben laut einer APA-Presseaussendung vom 8. März 2019 gezeigt, dass die Amazonaspflanze Katzenkralle als Hemmer und Reduktionsmittel gegen amyloide Plaques und neurofibrilläre Bündel eingesetzt werden könnte. Man hat entdeckt, wie deren speziellen Polyphenole zu einer verbesserten Gesundheit des Gehirns beitragen könnten. Die Bestandteile des Polyphenols gelangen über das Blut innerhalb von Minuten in das Gehirn, wo kleine molekulare Polyphenolkomponenten sich an das beta-amyloide Protein in den Plaques und an das Tau-Protein in den neurofibrillären Bündeln binden. Diese Komponenten bilden eine Art Keil, sodass die Plaques in beinahe amorphes, non-fibrilläres Material zerfallen. Die Mikroglia des Gehirns beseitigen dann das nicht giftige Material und transportieren es aus dem Gehirn. Die Senkung der Plaque-Belastung im Gehirn um 50-60 % über einen Zeitraum von 3 Monaten führte bei plaque-bildenden transgenen Mäusen zu einer deutlichen (50-60 %) Verbesserung des Kurzzeitgedächtnisses und auch zu einer deutlichen Senkung von Entzündungen im Gehirn.

Literatur

Martorell, Anthony J., Paulson, Abigail L., Suk, Ho-Jun, Abdurrob, Fatema, Drummond, Gabrielle T., Guan, Webster, Young, Jennie Z., Kim, David Nam-Woo, Kritskiy, Oleg, Barker, Scarlett J., Mangena, Vamsi, Prince, Stephanie M., Brown, Emery N., Chung, Kwanghun, Boyden, Edward S., Singer, Annabelle C. & Tsai, Li-Huei (2019). Multi-sensory Gamma Stimulation Ameliorates Alzheimer’s-Associated Pathology and Improves Cognition. Cell, doi:10.1016/j.cell.2019.02.014.
Wolfsgruber, Steffen, Kleineidam, Luca, Guski, Jannis, Polcher, Alexandra, Frommann, Ingo, Roeske, Sandra, Spruth, Eike Jakob, Franke, Christiana, Priller, Josef, Kilimann, Ingo, Teipel, Stefan, Buerger, Katharina, Janowitz, Daniel, Laske, Christoph, Buchmann, Martina, Peters, Oliver, Menne, Felix, Casan, Manuel Fuentes, Wiltfang, Jens, Bartels, Claudia, Düzel, Emrah, Metzger, Coraline, Glanz, Wenzel, Thelen, Manuela, Spottke, Annika, Ramirez, Alfredo, Kofler, Barbara, Fließbach, Klaus, Schneider, Anja, Heneka, Michael, Brosseron, Frederic, Meiberth, Dix, Jessen, Frank & Wagner, Michael (2020). Minor neuropsychological deficits in patients with subjective cognitive decline. Neurology, doi:10.1212/WNL.0000000000010142.
https://lexikon.stangl.eu/1082/demenz/ (12-11-21)


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