Positive Psychologie

Das Vergleichen ist das Ende des Glücks
und der Anfang der Unzufriedenheit.
Søren Kierkegaard

Kurzdefinition: Die Positive Psychologie ist ein Zweig der akademischen Psychologie, deren Theorien und die Wirkung der Übungen durch Forschung belegt sind, und Menschen dabei hilft, neue und wirksame Gewohnheiten aufzubauen, um so langfristig mehr Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit zu erlangen.

An den Anfängen der Psychologie stand oft abweichendes Verhalten und dessen Reparatur und das beschäftigte die Mehrheit der Psychologen manchmal noch in der Gegenwart, etwa im Rahmen der klinischen Psychologie. Aber warum handeln Menschen gut, entwickeln Vertrauen, sind hilfsbereit und können verzeihen? Kennzeichnend für die vor allem in den letzten Jahren entstandene Positive Psychologie ist, dass sie gerade jene menschlichen Stärken entdeckt und hervorhebt und eine Psychologie „der Korrektur von Schäden“ vernachlässigt. Menschliche Stärken können Tugenden sein, sie können als Ressourcen aufgefasst werden, auf die man sich stützen kann, wenn man eine Aufgabe bewältigt oder positive Lebensqualität herstellt, oder sie können in sozialen Einstellungen zum Ausdruck kommen, die Kooperation und Solidarität fördern. Siehe auch das katastrophische Gehirn.

Die Positive Psychologie arbeitet auch daran, die Forschung und Anwendung in diese Richtung zu „komplettieren“, und widmen sich in Anschluss an Martin Seligman dem positiven Erleben (z.B. Zufriedenheit; vergangenheits-, gegenwarts- und zukunftsorientierte positive Emotionen), den positiven Traits (z.B. Tugenden, Charakterstärken, Talente) und den Institutionen, die ein Wachstum erlauben (z.B. Familien, Wohngegenden, Schulen, Medien, Betriebe). Dabie hat man fünf Merkmale von Menschen identifiziert, die mit einem positiven Erleben korreliert sind:

  • Bindungsfähigkeit (love)
  • Dankbarkeit (gratitude)
  • Enthusiasmus (zest)
  • Hoffnung/Optimismus (hope)
  • Neugier (curiosity)

Die positive Psychologie ist davon überzeugt, dass sich über Stärken Interventionen durchführen lassen, die sich positiv auf die Lebenszufriedenheit des Menschen auswirken. Seligman und die Vertreter der Positiven Psychologie konnten zeigen, dass die Identifikation der eigenen Stärken un deren bewusstes Einsetzen auf eine neue Art und Weise im Alltag zu einem signifikanten Anstieg der Lebenszufriedenheit und einer Reduktion der von depressiven Stimmungen führen. Nach Seligman muss jede Komponente des Wohlbefindens drei Kriterien erfüllen: sie muss zum Wohlbefinden beitragen, man muss sie um ihrer selbst willen verfolgen können und nicht bloß, um ein anderes Ziel zu erreichen, und das Element muss unabhängig von den anderen Elementen definierbar und messbar sein.

Die positive Psychologie unterscheidet zwei Arten psychischen Wohlbefindens: Die hedonische Komponente ist mit Gefühlen wie Spaß und Genuss assoziiert, und wird meist durch externe Reize ausgelöst, ist seiner Natur nach spontan und kurzlebig. Das eudaimonische Wohlbefinden spielt sich auf einer tiefergehenden Ebene ab, wenn etwa eine Tätigkeit ein Gefühl von Sinnhaftigkeit vermittelt (siehe auch Flow). Beide Aspekte können zwar gleichzeitig auftreten, müssen es aber nicht, denn so macht etwa keine Berufstätigkeit immer Spaß, doch auch eine anstrengende Arbeit kann Menschen auf Dauer eine tiefe Befriedigung verschaffen.

Seligman bezeichnet nun in seinem letzten Werk „Flourish“ seine Theorie als eine des Wohlbefindens, in der es fünf Elemente gibt: positive Emotionen, Selbstverwirklichung, gute Beziehungen, Bedeutung und Leistungsorientierung. Diese werden unabhängig voneinander in Fragebögen erhoben und in fünf Messwerten ausgedrückt, wobei alle zusammen das Wohlbefinden einer Person beschreiben. Manche Menschen haben wenig positive Emotionen oder geringes Interesse an Beziehungen, dafür liegt ihnen viel an Selbstverwirklichung.

Untersuchungen im Rahmen der positiven Psychologie haben ergeben, dass fünf Faktoren für das allgemeine Wohlbefinden im Leben der Menschen zentral sind:

  • positive Emotionen (positive emotions), also das bewusste Glücksempfinden und die allgemeine Lebenszufriedenheit;
  • Anteilnahme bzw. Einsatz (engagement), ob man etwa in einer Aufgabe völlig aufgeht und die Zeit dabei vergisst;
  • Sinn (meaning), also die Bedeutung, die man den alltäglichen Dingen oder Ereignissen in seinem Leben gibt;
  • Errungenschaften (achievements, accomplishments) meinen jene Dinge, die unabhängig von den anderen Faktoren verfolgt werden, und den Menschen das Gefühl geben, es zu etwas gebracht zu haben oder nützlich gewesen zu sein;
  • positive Beziehungen (positive relationships) bedeuten eine größere Vielfalt von Lebensperspektiven, den Einfluss von Gedanken oder neuen Ideen anderer Menschen. Diese Beziehungen sind vor allem in schweren Zeiten wichtig und und führen in positiven Phasen zu besseren Beziehungen.

Nach Aussage eines kürzlich im „Journal of Positive Psychology“ erschienenen Artikels, soll es die Positive Psychologie inzwischen geschafft haben, sich auf eine breite empirisch fundierte Basis zu stellen. Zwischen 1999 und 2013 sind demnach über 1300 peer-review-geprüfte Artikel in wissenschaftlichen Journals erschienen, wobei mindestens 50% der Untersuchungen mit TeilnehmerInnen durchgeführt wurden, die nicht Teil einer studentischen Stichprobe waren (Studierende in Studien über alle psychologischen Disziplinen machen zwischen 70% bis 90% der Stichproben aus).
Quelle: http://seligmaneurope.com/bericht/die-empirische-fundierung (14-10-25)


Renn nur nach dem Glück,
doch renne nicht zu sehr,
denn alle rennen nach dem Glück,
doch das Glück rennt hinterher.
Bertolt Brecht

Zwar gibt es zahlreiche stützende empirische Befunde zur positiven Psychologie, allerdings kann man sich bei deren Betrachtung häufig nicht des Eindrucks einer gewissen Oberflächlichkeit und Naivität erwehren, was wohl an der oft vereinfachenden Analogiesetzung mit Alltagsdeutungen liegen könnte, etwa wenn das Konzept der Selbstwirksamkeitserwartung mit Autosuggestion gleichgesetzt wird. Zahlreiche Aussagen der positiven Psychologie finden sich schon im Rahmen der humanistischen Psychologie und insbesondere innerhalb des personzentrierten Ansatzes und der Gesprächspsychotherapie thematisiert, etwa wenn häufig die Bedeutung von Beziehungen in der Psychotherapie hervorgehoben oder auf wichtige Faktoren wie die Bindung in der Entwicklung von Kindern hingewiesen wird. Dennoch ist es positiv zu werten, dass sich innerhalb der akademischen Psychologie und der kognitiven Psychologie allmählich eine Richtung herausbildet, die an die Tradition der humanistischen Psychologie anknüpft oder dieser in einigen Punkten sehr nahe kommt.


Das Neueste: Glückscoaching

Wenn man diversen Internetseiten und diversen esoterisch angehauchten Ratgebern trauen darf, bietet gezieltes Glückscoaching angeblich die Möglichkeit, einen Schritt in Richtung eines glücklichen und erfüllten Lebens zu gehen. Glückscoaching bedeutet dabei, sich unter Anleitung einer Trainerin oder eines Trainers in einen Zustand von guten Gefühlen zu bringen, wobei in der Regel lösungsorientiert gearbeitet wird. Glückscoaching basiert nach Aussagen von diversen Coaches auf einem Konzept, mit dem das Empfinden und Ausrichten seines Lebens auf Glück gezielt trainiert werden kann, wobei allerdings emotionale Probleme zu lösen allein nicht immer glücklicher macht. Beim Glückscoaching versucht man eine Sichtweise einzunehmen, in der auch die kleinen Glücksmomente des Lebens bewusst werden. Die Überlegung beim Glückscoaching ist die, dass Menschen zwar ihre äußere Lebensumstände nicht immer ändern können, jedoch die damit verbundenen Gedanken und Gefühle sehr wohl. Beim Glückscoaching lernt man, seine eigenen Gedanken zu hinterfragen und durch neue Erkenntnisse darüber Gefühle zum Positiven zu verändern. Dadruch entwickelt man nach Aussagen von Glückscoaches einen positiv gestimmten und kreativen Zustand, wobei dadurch unter Umständen ein neues attraktives Ziel angestrebt wird, das motiviert. Die beim Glückscoaching gewonnenen Erkenntnisse werden mit der Zeit verinnerlicht und danach immer mehr auch unbewusst genutzt.

„Werbung“ für die Positive Psychologie

Die Basis des von Dr. Superpsychologe entwickelten Ansatzes Complete Happiness® bildet das in Deutschland weitestgehend unbekannte Forschungsgebiet der Positiven Psychologie. Diese Wissenschaft wird bereits seit über 10 Jahren an amerikanischen Eliteuniversitäten wie der Harvard oder Pennsylvania University erforscht und gelehrt. Die Positive Psychologie geht den Ursachen von glücklichen, erfolgreichen und gesunden Menschen und Organisationen auf den Grund. Diese wertvollen Erkenntnisse nutzen wir, um die Potenziale der Mitarbeiter eines Unternehmens zu entfalten. Wertschöpfung durch Wertschätzung: Denn eine glücksbasierte Unternehmenskultur schafft zusätzliche Renditen!

Irgendwie kommt einem das bekannt vor …


Kurioses & Linktipp: Positive Lexicography Project

Der Psychologe Tim Lomas (University of East London) ist dabei, in seinem Positive Lexicography Project ein Lexikon für die Gefühle dieser Welt aufzubauen, in dem sich aktuell 645 Wörter in mehr als 80 Sprachen finden. Der Der Psychologe ist Experte für positive Psychologie und erforscht die guten Aspekte des menschlichen Miteinanders, wie etwa Glück, Optimismus, Solidarität und Vertrauen. In Lomas Glücks-Glossar finden sich sowohl einfache als auch komplexe Begriffe, wobei einige schwer in andere Sprachen zu übersetzen sind. Lomas hofft, dass es durch sein Online-Lexikon mehr Austausch zwischen den Kulturen geben wird und man sich auch Begriffe aus anderen Kulturen aneignet. So steht etwa das dänische Wort „Hygge“ für Gemütlichkeit, Zufriedenheit und findet sich auf der Shortlist der Wörter des Jahres 2016 der „Oxford Dictionaries“.
Einige Beispiele:
Tarab (arabisch): durch Musik ausgelöste Ekstase/Entzücken.
Utepils (norwegisch): Bier, das draußen getrunken wird.
Vybafnout (tschechisch): jemanden überraschen.
Jayus (indonesisch): ein Witz, der so unlustig oder so lahm erzählt ist, dass man nicht anders kann, als zu lachen.
Forelsket (norwegisch): das euphorische Gefühl, sich zu verlieben.
Mbuki-mvuki (Bantu): die Kleider ausziehen, um zu tanzen.
Sobremesa (spanisch): wenn das Essen vorbei, die Unterhaltung am Tisch aber noch im vollen Gang ist.
Harikoa (Maori): freudig, verzückt, überglücklich.
Kilig (philippinisch): Schmetterlinge im Bauch haben, verliebt sein, jemanden attraktiv finden.

Link: https://www.drtimlomas.com/positive-lexicography (17-02-18)


Literatur
Rohmann, Elke, Herner, Michael Jürgen & Fetchenhauer, Detlef (Hrsg.) (2008). Sozialpsychologische Beiträge zur Positiven Psychologie. Eine Festschrift für Hans-Werner Bierhoff. Lengerich: Pabst Science Publishers.
http://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/WISSENSCHAFTPSYCHOLOGIE/PsychologieSchulen.shtml (09-11-02)
http://www.stangl-taller.at/ARBEITSBLAETTER/MOTIVATION/Positives-Denken.shtml (11-03-02)
Der Kurier vom 12. Februar 2017




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