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Als Miktion – auch Urinieren, Harnlassen, Wasserlassen oder Blasenentleerung – bezeichnet man den physiologischen Vorgang, der zur Entleerung der Harnblase führt. Die Miktion ist normalerweise willkürlich und schmerzlos, andernfalls spricht man von einer Miktionsstörung.

Die Harnblase dient dabei als Zwischenspeicher für den von den Nieren kontinuierlich gebildeten Urin, der als Sekundärharn über die Harnleiter zu ihr geleitet wird, wobei diese bei normaler Flüssigkeitsaufnahme in der Regel zwei bis sechs Mal pro Tag über die Harnröhre entleert wird. Damit der Harn dabei nicht sogleich herausfließt, gibt es zwei Schließmuskel, den den Übergang zwischen Blase und Harnröhre verschließen. Bevor man urinieren kann, müssen diese beiden Muskel sich entspannen, sodass der Harn danach abfließen kann. Die Blase selbst ist ein ballon-artiger Hohlmuskel, der sich langsam durch die Flüssigkeit aufdehnt, wobei wenn eine bestimmte Spannung überschritten wird, im Gehirn das Signal ausgelöst wird, dass man nun auf Toilette muss. In der Toilette sendet das Gehirn das Signal zum Wasserlassen an die Blase und an diese Schließmuskel.

Auch die Muskeln, die für das Wasserlassen verantwortlich sind, werden durch Nervenzellen gesteuert. Bei der Blase spielen dabei sowohl die willkürliche, als auch die unwillkürliche Steuerung eine Rolle, wobei die Harnblase und einer von zwei Schließmuskeln autonom sind, also nicht willentlich gesteuert werden. Die autonome Steuerung ist darauf ausgelegt, dass man in Stresssituationen Urin in der Blase sammelt und während Ruhezeiten auf die Toilette gehen kann. Der zweite Schließmuskel hingegen ist willkürlich gesteuert, d. h., man kann ihn bewusst steuern, wann genau man sich erleichtern will. Doch das Entspannen dieses willentlich kontrollierten Schließmuskels reicht nicht aus, um das Wasserlassen zu starten. Dafür muss sich zusätzlich die Blasenmuskulatur anspannen, also den Urin rausdrücken, und der andere Schließmuskel muss sich ebenfalls entspannen. Da diese beiden aber unter autonomer Kontrolle sind, kann man dies nur bedingt willentlich beeinflussen.

Die zentrale Steuerung der Miktion erfolgt in der Formatio reticularis, wobei für das Einleiten des Entleerungsvorgangs der Parasympathikus zuständig es. Er reizt die Blasenmuskulatur zur Anspannung und hilft beim Entleeren der Blase. Der Sympathikus hingegen sorgt dafür, dass die Blase erschlafft, um sich füllen zu können, und zur Anspannung der Schließmuskeln, wobei er somit eine ständige Entleerung verhindert. Da das Wechselspiel zwischen sensorischen Feedback aus der Harnblase über den aktuellen Füllstand und einer adäquaten Antwort recht komplex ist, kann man gut daran erkennen, wie lange Kleinkinder brauchen, um die völlige Kontrolle über ihre Harnblase zu erlernen. Interessanterweise, werden die Nervenzellen, die für die Steuerung der Blasenmuskulatur und der Schließmuskel zuständig sind, mit als allererstes myelinisiert. Später im Leben können verschiedenste Schädigungen in diesem Netzwerk dazu führen, dass man diese Kontrolle wieder verliert, was je nach Lokalisationzu Inkontinenz oder der Unfähigkeit Wasser zu lassen, führen kann.

Miktionssynkope bezeichnet übrigens eine durch das Urinieren bedingte Bewusstlosigkeit, ausgelöst durch eine Abflussstörung der Harnröhre oder eine lang ersehnte Entspannung beim Anfang des Urinierens, kann es zu einer kurzzeitigen Sauerstoffunterversorgung des Gehirns und dadurch zu Bewusstlosigkeit kommen. Eine Miktionssynkope kann einige Sekunden bis maximal eine Minute dauern. Zahlreiche Todesfälle auf See lassen sich nach verschiedenen durchaus seriösen Quellen auf Miktionssynkopen zurückführen.

Der Begriff Miktion stammt übrigens vom lateinischen Verbum mingere (harnen, pinklen).

Literatur

Schwarz, F. (2022). Vom Müssen und Können.
WWW: https://scilogs.spektrum.de/hirn-und-weg/pullern-vom-mussen-und-konnen/ (22-07-03)
https://de.wikipedia.org/wiki/Miktion (21-11-11)



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