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Emotionsfokussierte Paartherapie

Die Emotionsfokussierte Paartherapie ist eine strukturierte Kurzzeit-Behandlungsmethode für Paare, die systemische, bindungsorientierte und humanistische Ansätze integriert. Sie wurde von Johnson & Greenberg entwickelt und seitdem kontinuierlich weiterentwickelt und gehört heute zu den am meisten angewandten Formen der Paartherapie. obwohl sie hierzulande noch wenig verbreitet. Die Emotionsfokussierte Paartherapie wird für eine große Bandbreite an partnerschaftlichen Problemen in verschiedenen Kontexten genutzt, etwa für Paare mit Depression, Posttraumatischer Belastungsstörung oder chronischen Erkrankungen.

Das Konzept der emotionsfokussierten Paartherapie basiert auf der gut erforschten Bindungstheorie, die unter anderem unterschiedliche Formen der Bindung von Kindern zu ihren Bezugspersonen beschreibt und davon ausgeht, dass eine frühe sichere Bindung wichtig für die emotionale Entwicklung aller Menschen ist. Auch in erwachsenen Liebesbeziehungen geht es nach diesem Ansatz immer um Bindung, denn Menschen brauchen Nähe und Geborgenheit und suchen auch als Erwachsene einen sicheren Ort, in den sie sich zurückziehen können, wenn die Welt bedrohlich, abweisend oder gefährlich erscheint. Dennoch bleibt es auch dann wichtig, eigenständig zu sein und sich selbst zu genügen, was aber in einer individualistischen Gesellschaft manchen Menschen schwerfällt, sich einzugestehen, wie emotional abhängig man von anderen ist. Kinder beginnen die Welt zu erkunden und können sich dann am leichtesten auf Unbekanntes einlassen, wenn sie wissen, dass sie jederzeit in die schützenden Raum ihrer Familie zurückkehren können. Nur in einer sicheren Liebesbeziehung gelingt es Menschen, Eigenständigkeit zu bewahren und anderen Freiheit zuzugestehen, denn wer unsicher ist, klammert oder fordert ständig Unabhängigkeit ein.

Ein zentraler Schritt in der emotionsfokussierten Paartherapie ist, dass das Paar diesen Teufelskreis unsicherer Bindungen als solchen erkennt, wobei es auch in vielen paartherapeutischen Ausbildungen ebenfalls darum geht, doch eine rationale Analyse und bessere Kommunikationsregeln lösen nicht das zugrundeliegende Problem, denn helfen kann letztlich nur ein Partner, der emotionale Sicherheit und Nähe vermittelt. In Videoaufzeichnungen von Sitzungen, nach denen die Paare von einer tatsächlichen Verbesserung berichteten entdeckte man Schlüsselmomente, in denen es den Partnern gelang, sich gegenseitig ihre Verletzlichkeit und Sehnsucht nach Verbundenheit zu offenbaren. Basierend auf dieser Erkenntnis entwickelte man einen Leitfaden Therapeuten, deren zentrale Aufgabe es ist, dieses Bedürfnis nach Bindung in den Sitzungen spürbar und sichtbar zu machen.

Literatur

S. Johnson, J. Hunsley, L. Greenberg, D. Schindler (1999). Emotionally Focused Couples Therapy: Status & challenges (A meta-analysis). Journal of Clinical Psychology: Science and Practice. 6, 67–79.
https://de.wikipedia.org/wiki/Emotionsfokussierte_Paartherapie (19-11-21)



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