Conspirituality – Verschwörungsspiritualität – ist ein Kofferwort aus conspiracy und spirituality, und wurde 2011 von David Voas und Charlotte Ward geprägt, und beschreibt die Synthese von verschwörungstheoretischem Denken und New-Age-Spiritualität: Das weiblich dominierte New Age mit seinem positiven Fokus auf das Selbst und der männlich dominierte Bereich der Verschwörungstheorie mit seinem negativen Fokus auf eine globale Politik erscheinen zwar auf den ersten Blick gegensätzlich, doch bilden beide eine Synthese in einer geradezu semireligiösen Form.

Dieses hybride Glaubenssystem ist zwar schon früher aufgetreten, allerdings ohne dass es in der Wissenschaft viel Beachtung fand. Aktuell – insbesondere im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie  – ist Konspiritualität eine schnell wachsende Internetbewegung, die eine Ideologie zum Ausdruck bringt, die durch politische Desillusionierung und die Popularität alternativer Weltanschauungen genährt wird. Sie bietet eine breit angelegte politisch-spirituelle Philosophie, die auf zwei Kernüberzeugungen beruht, von denen die erste eben in der Tradition der Verschwörungstheorien steht und die zweite im New Age verwurzelt ist: eine geheime Gruppe kontrolliert im Verborgenen die politische und soziale Ordnung oder versucht, sie zu kontrollieren, und die Menschheit durchläuft einen Paradigmenwechsel im Bewusstsein. Die Befürworter glauben, dass die beste Strategie für den Umgang mit der Bedrohung durch eine totalitäre neue Weltordnung darin besteht, im Einklang mit einer erwachten neuen paradigmatischen Weltsicht zu handeln.

Esoteriker und Verschwörungsgläubige sehen sich daher oft als Wissende, als Aufgewachte und glauben, dass sie im Gegensatz zu den meisten anderen die Wahrheit hinter den Fassaden erkannt haben. Das Selbstbild, Trägerin oder Träger geheimen Wissens über Verschwörungen und geheime Machtsysteme zu sein, gestattet es ihnen, sich selbst gewissermaßen als Teil einer Elite zu verstehen, die im Gegensatz zu den schlafenden› Massen erwacht ist. Durch eine narzisstische Überhöhung der eigenen Gruppe können Kränkungen gesellschaftlicher und persönlicher Art abgefedert werden. Beide stehen dabei oft auch in Opposition zu Wissenschaft und Qualitätsmedien bzw. der Mainstream-Öffentlichkeit, und bekämpfen den Gegner, indem sie dessen Formsprache aufgreifen und  sich eines pseudowissenschaftlichen Stils mit vielen Zitaten oder Rekursen auf physikalische Beweise spiritueller Phänomene bedienen.

Literatur

Ward, Charlotte & Voas, David (2011). The Emergence of Conspirituality. Journal of Contemporary Religion, 26, 103-121.
https://orf.at/stories/3233190/ (21-11-06)
https://www.verschwörungstheorien.info/enzyklopaedie/conspirituality-verschwoerungsmentalitaet-esoterik/ (21-09-09)



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.