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selbstfokussierte Aufmerksamkeit

Erhöhte selbstfokussierte Aufmerksamkeit ist verschiedenen ­Theorien und empirischen Studien zufolge ein Risikofaktor für Depressionen, wobei auch Rumination Ausdruck einer gesteigerten Beschäftigung mit dem Selbst sein kann.
Fragebogenstudien zeigten auch, dass sowohl Probanden mit einer sozialen Angststörung als auch nicht klinische, hoch sozial ängstliche Gruppen eine erhöhte selbstfokussierte Aufmerksamkeit in sozialen Situationen berichteten als Kontrollgruppen. Selbstfokussierte Aufmerksamkeit ist demnach das Bewusstsein von selbstbezogenen, intern erzeugten Informationen, die in Kontrast zum Bewusstsein von extern erzeugten Informationen stehen, abgeleitet durch Sinnesrezeptoren (Ingram, 1990, S. 156). Experimentelle Studien legen etwa nahe, dass der Grad der Aufmerksamkeit für das Ich mit dem Gebrauch der ersten Person in der gesprochenen und geschriebenen Sprache korreliert.

Die selbstfokussierte Aufmerksamkeit kann ich im Zusammenhang mit visuellen Eindrücken auftreten, denn auch in der „Zoom Exhaustion and Fatigue Scale“ trägt die selbstfokussierte Aufmerksamkeit am meisten zum Erschöpfungsgefühl bei, eben ausgelöst durch die Selbstansicht bei Videokonferenzen. Diese selbstfokussierte Aufmerksamkeit bezieht sich auf ein erhöhtes Bewusstsein dafür, wie man bei anderen ankommt oder wie man in einem Gespräch erscheint. Die betreffenden Fragen lauteten etwa: „Wie besorgt sind Sie während einer Videokonferenz darüber, sich selbst zu sehen?“ und „Wie ablenkend ist es während einer Videokonferenz, sich selbst zu sehen?“ Schon frühere Forschungsergebnissen hatten gezeigt, dass Frauen eine größere Neigung zur Selbstfokussierung haben als Männer, wenn sie sich vor einem Spiegel befinden. Diese anhaltende Selbstfokussierung kann negative Emotionen hervorrufen (Spiegelangst).

Literatur

Ingram, R. E. (1990). Self-focused Attention in Clinical Disorders: Review and a Conceptual Model. Psychological Bulletin, 107, 156-176.
Ögütcü, Yasemin Meral (2016). Selbstfokussierte Aufmerksamkeit in der sozialen Angststörung – Zusammenhänge zwischen negativem Selbstbild, kulturellem Kontext und Aufmerksamkeitsvariabilität. Doctoral Thesis. University of Basel, Faculty of Psychology.
https://www.psychologie-aktuell.info/reha/2017/02/selbstfokussierte-aufmerksamkeit/ (21-04-12)