emotionale Erpressung

    Unter emotionaler Erpressung versteht man im Allgemeinen, dass ein Mensch in einer Beziehung versucht, den anderen über Gefühle zu manipulieren, d. h., wenn die oder der andere nicht tut, was die Erpresserin bzw. der Erpresser möchte, dann wird sie bzw. er mit negativen Gefühlen bestraft. Emotionale ErpresserInnen setzen dabei auf Schuldgefühle oder Drohungen (etwa die Androhung von Trennung oder sogar Selbstmord), auf Vorwürfe, dass der andere an seinem Leid schuld sei, oft auch auf Aggressionen und Verbalinjurien. Dadurch fühlt sich das Opfer unter Druck, bedroht und ist in seinen Entscheidungen unfrei. Allerdings benötigen TäterInnen einen MitspielerIn, denn nur wenn das Opfer sich auf die Manipulation einlässt, stellt sich ein Erfolg der Erpressung ein.

    In einer funktionierenden Beziehung oder Partnerschaft kann sich die oder der derart “Angeklagte” wehren und in einem offenen Gespräch darauf hinweisen, nicht jedoch bei einer emotionalen Erpressung, denn diese funktioniert ja gerade deshalb, weil die oder der Angeklagte die Schuld bei sich selbst suchen und finden muss. Beim Opfer entsteht dann die Angst, dass die Auseinandersetzung für die Beziehung Folgen haben könnte, wenn es nicht nachgibt. Damit ist das Opfer gezwungen, etwas gegen seinen Willen zu tun, nur um den oder die ErpresserIn zu besänftigen. In der Regel haben die Betroffenen große Angst vor einer Beendigung der Beziehung, d. h., verlassen zu werden.

    Manchmal ist den emotionalen ErpresserInnen ihr schädigendes Verhalten oft gar nicht bewusst, denn hinter diesem verbirgt sich in der Regel eine zu kompensierende Schwäche, die oft aus frühen Phasen der Sozialisation stammt, und sich etwa durch Formen einer erpresserischen Erziehung, in der emotionale Zuwendungen an angepasstes Verhalten oder Wohlverhalten geknüpft wurde, als geeignetes und funktionierendes Interaktionsmuster manifestiert hat.

    Emotionale Erpressung findet sich aber nicht nur im privaten Bereich sondern auch im beruflichen Umfeld, was natürlich eine bestehende intensive Beziehung zwischen den Beteiligten erfordert, die in diesem Feld etwa in Form von Abhängigkeiten von Berufstätigen von ihren Vorgesetzten vorhanden sind. Auch dabei arbeitet die emotionale Erpressung mit Schuldgefühlen, mit Vorwürfen, mit Druck, Entzug von Aufmerksamkeit sowie subtilen Manipulationsversuchen. Dabei werden soziale Werte wie Rücksichtnahme, Vertrauen oder Respekt bemüht, um die Opfer beim Akzeptieren mit positiven Zuwendungen zu belohnen. Wird dann den Anforderungen nicht gefolgt, dann wird nicht selten unterstellt, dass es keine Identifikation den verknüpften Werten gibt, dass dann bestimmte betriebliche Ziele nicht erreicht werden können, die alle MitarbeiterInnen betreffen. Mittels emotionaler Erpressung lässt sich oft aus einem beliebigen Aspekt eine Loyalitätsfrage ableiten, wobei durch die Konstruktion eines angeblichen Dilemmas erzwungen werden soll, sich für einen bestimmten Standpunkt zu entscheiden. Generell wird auch im beruflichen Umfeld sehr häufig auf die Macht von Schuldgefühlen gesetzt, d. h., die Erpresserin oder Erpresser verlangt einen Ausgleich für eine konstruierte Ungerechtigkeit, die sie oder er erlitten hat, wobei solche emotionalen Manipulation am besten bei den Menschen funktionieren, die ein geringes Selbstwertgefühl besitzen.

    Emotionale Erpressung ist eigentlich kein spezifischer Fachterminus in der Psychologie und wird meist unter dem Aspekt der psychischen oder emotionalen Misshandlung betrachtet. Am ehesten spiegelt sich eine emotionale Erpressung in Form der Doppelbindung (double bind) wider, die besagt, dass man in einer für die oder den Betroffenen wichtigen Beziehung nichts richtig machen kann, wobei es darum geht, beim anderen Schuldgefühle auszulösen. Im Double-bind sind zwei oder auch mehrere Menschen in einer existentiellen Beziehung wie etwa in einer Ehe aneinander gebunden, wobei die Beziehung durch widersprüchliche Beziehungsbotschaften geprägt wird, die einander prinzipiell ausschliessen. Das Fatale an solchen meist durch die lange Dauer chronifizierten Mustern ist, dass gleichzeitig sowohl Metakommunikation als auch Rückzug wie etwa eine Trennung verboten sind. Die emotionaler Erpressung gehört auch zu den Formen der toxischen Kommunikation, wobei diese vor allem in vordefinierten Abhängigkeitsverhältnissen zu finden ist, etwa in der Eltern-Kind-Beziehung. Die emotionale Erpressung ist ganz allgemein auch eine mehr oder weniger subtile Form der Manipulation, die von den TäterInnen mehr oder minder bewusst eingesetzt wird, um bestimmte Ziele zu erreichen, meist eine verstärkte Abhängigkeit des Opfers.

     


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