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Brain Freeze, Hirnfrost bzw. Eiscreme- oder Kältekopfschmerz (ice cream headache, freezie, frozen brain syndrome) – medizinisch sphenopalatine Ganglioneuralgia – ist ein den stechenden Schmerz, der manche Menschen beim Eisessen oder auch beim Konsum von kalten Getränken ereilt, wobei diese Reaktion durch den damit verbundenen Kältereiz am Gaumen oder der hinteren Rachenwand ausgelöst wird. Dieser Schmerz – meist von mittlerer Stärke – hält nur wenige Minuten an, wobei er nicht nur bei Menschen sondern auch bei Tiere auftreten soll, wobei Brain Freeze für Menschen und Tiere harmlos ist und vermutlich eine Schutzfunktion des Gehirns vor Abkühlung darstellt. Man geht übrigens davon aus, dass rund ein Drittel der Menschen den Kältekopfschmerz aus eigener Erfahrung kennen dürften. Die Umgebungstemperatur hat übrigens keinen Einfluss auf dieses Phänomen, d. h., es kann auch an kühlen Tagen auftreten.

In einer sehr schmalen Studie mit Eiswasser hat man eine mögliche Ursache ausgemacht, dass nämlich die plötzlichen Kopfschmerzen von einem abrupten Ansteigen des Blutflusses in der vorderen Hirnschlagader ausgelöst werden könnte. Als sich nämlich die Arterie wieder zusammengezogen hatte, ließ der Schmerz bei den Probanden und Probandinnen nach. Man vermutet darin eine Art Selbstverteidigungsreflex hinter der Schmerzreaktion, denn das Gehirn als eines der wichtigsten Organe im Körper ist sehr temperaturempfindlich. Durch die Erweiterung der Blutgefäße fließt warmes Blut in das Gewebe, denn nur so stellt der Körper sicher, dass das Gehirn nicht zu kalt wird. Der plötzliche Bluteinstrom könnte also den Druck erhöhen und so die Schmerzen auslösen.

Interessanterweise gibt es dazu aber zwei entgegengesetzte Hypothesen, denn eine besagt, dass es durch die Kälte im Mund zu einer Nervenreizung kommt und in der Folge zu einer schmerzhaften Verengung der Gehirngefäße, während die andere Hypothese davon ausgeht, dass sich die Gefäße erweitern und so die Schmerzen entstehen, da in Reaktion auf Kälte mehr Blut ins Gehirn gepumpt wird, um ein Auskühlen des Gehirns zu verhindern.

Da davon Menschen mit Migräne häufiger betroffen sind, könnte Brain Freeze mit dem Trigeminus-Nerv in Verbindung stehen, der bei diesem Leiden oft eine zentrale Rolle spielt. Nach dem Zusammenziehen öffnen sich demnach die Blutgefäße dann sehr schnell, wobei diese Rebound-Dilatation ein Schmerzsignal an das Gehirn durch den Trigeminusnerv sendet, dessen oberer Ast sich bis ins Mittelgesicht und in die Stirn erstreckt.

Hirnfrost kann man in der Regel dadurch vorbeugen, indem man kalte Getränke oder Eis nicht zu schnell zu sich nimmt. Tritt Brain Freeze doch auf, kann man die Zunge zur örtlichen Erwärmung an den Gaumen pressen oder langsam etwas Warmes zu sich nehmen.

Kurioses: Dieses Phänomen wurde auch bei der Orang-Utan-Dame Suma im Zoo von Dortmund bemerkt, denn dort bekommen die Primaten im Sommer gelegentlich ein Fruchteis zur Abkühlung. Als Suma dieses zu schnell herunterschlang, wurde offenbar auch sie vom Schmerz getroffen, was aber nach Angaben des Zoos schon nach wenigen Sekunden wieder vorbei gewesen sein soll.


Mit einem einfachen Trick kann man Eis ohne Schmerzen genießen: Wenn man Eis mit einem Löffel isst, dann sollte man darauf achten, dass das Eis nicht direkt den Gaumen berührt. Man sollte das Eis auch nicht direkt schlucken, sondern ein bisschen von der Zunge anwärmen lassen. Bei kalten Getränken kann man etwa auf Eiswürfel verzichten.


Literatur

Kaczorowski, Maya & Kaczorowski, Janusz (2002). Ice cream evoked headaches (ICE-H) study: randomised trial of accelerated versus cautious ice cream eating regimen. PubMed, 325, 1445-1446. Doi:10.1136/bmj.325.7378.1445. https://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%A4ltekopfschmerz (18-11-21)
https://www.healthline.com/health/sphenopalatine-ganglioneuralgia-brain-freeze (18-11-21)
https://www.derwesten.de/staedte/dortmund/zoo-dortmund-tier-schmerz-kopf-tierpark-entwarnung-facebook-id235226175.html (22-05-02)