nudge

Der Begriff Nudge (engl. leichter Stoß, Schubs) wurde von Thaler &  Sunstein in ihrem 2008 erschienenen Buch „Nudge. Improving Decisions About Health, Wealth, and Happiness“ geprägt und in den Bereich der Verhaltensökonomik eingeführt, in dem sie für einen libertären Paternalismus plädieren. Ein Nudge ist für Thaler und Sunstein das Gegenteil eines Verbots oder eines Befehls und hat gerade darum die Kraft, das Verhalten von Menschen tatsächlich zu beeinflussen. Die beiden Autoren geben etwa folgende Beispiele:
fliege

  • Wird in Urinalen ein Abbild einer Fliege angebracht, landet 80% weniger Urin auf dem Boden, da die Männer auf die Fliege zielen.
  • Wird an einem Kantinenbuffet Obst erhöht in Griffnähe präsentiert, Donuts und Plundergebäck dagegen weiter entfernt, greifen die Mitarbeiter öfter zum Obst.
  • In Ländern, in denen die Menschen per Standard Organspender sind und widersprechen müssen, gibt es fast nur Organspender. In Ländern, in denen sich die Menschen dagegen aktiv zur Organspende entscheiden müssen, gibt es viel weniger.

Der Nudge-Begriff wird auch in anderen Bereichen verwendet, so etwa in der Marketing-Kommunikation. Lotz & Ebeling haben diesen Effekt bei einem Stromversorger im Verkauf geprüft, ohne dass die 42000 Interessenten auf der Webseite es wussten. Tatsächlich wählten die Kunden sehr viel häufiger den Ökostrom, wenn er Standard war. Mussten die Interessenten den Ökostrom aktiv wählen, taten das nur 7 Prozent der Neukunden. Wenn der Ökostrom voreingestellt war, stieg die Quote auf 69 Prozent. Dafür sank die tatsächliche Abschlussquote leicht von 8,7 Prozent der Interessenten ohne Ökostrom auf 8,0 Prozent mit Ökostrom. Hinzu kommt, dass die Voreinstellung vor allem jene Menschen beeinflusst, die keine starke Vorliebe haben. Wer dagegen genau weiß, was er will, für den ist so ein Standard nicht mehr ganz so relevant.

Nach Burmester (2016) kann der Nudging-Ansatz auch auf Veränderungsprozesse in Organisationen angewendet werden, indem durch Nudges wirksame Interventionen gesetzt werden, die das Verhalten von MitarbeiterInnen allmählich verändern. Dabei kann die Wirksamkeit von Nudges dadurch erhöht werden, indem man die Informationen einfach und leicht nachvollziehbar darstellt, Aufmerksamkeit erregt und den Prozess für die Betroffenen attraktiv macht. Dabei kann man das erwünschte Verhalten am Beispiel anderer hervorheben und sollte Beziehungen immer mitdenken. Schließlich sollte ein Nudge eine direkte und unmittelbare Handlung ermöglichen. Am besten ist es natürlich, wenn Nudges gemeinsam mit den Beteiligten des Veränderungsprozesses erarbeitet werden, denn das erhöht die Motivation, etwas zu verändern.

Link: http://nudges.org/

Literatur

Burmester, H. (2016). Stupser für die innovative Organisation. Wie Nudging die Organisationsentwicklung bereichern kann. OrganisationsEntwicklung, 16, 59-65.
Ebeling, Felix & Lotz, Sebastian (2015). Domestic uptake of green energy promoted by opt-out tariffs. Nature Climate Change. http://dx.doi.org/10.1038/nclimate2681.
Halpern, D. (2015). Inside the Nudge Unit: How small changes can make a big difference. London: Allen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Nudge (10-09-21)





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  1. One Response to “nudge”

  2. Das Gefaellt mir Button Plugin waere eine tolle Erweiterung. Oder ist mir der Button entgangen?

    By Alain on Aug 24, 2011

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