Eifersucht

Eifersucht beschreibt eine schmerzhafte Emotion, die man bei einer nicht oder nur in ungenügendem Maße erhaltenen Anerkennung, Aufmerksamkeit, Liebe, Respekt oder Zuneigung seitens einer geschätzten Bezugsperson gegenüber einer damit tatsächlich oder vermeintlich stärker begünstigten verspürt. Eifersucht entsteht, wenn der Anspruch auf Zuneigung oder Liebe vermeintlich oder real durch den Partner dadurch in Frage gestellt wird, dass er ebendiese Zuneigung oder Liebe jemand anderem als einem selbst entgegenbringt und dadurch eine starke Verlustangst auslöst.

Der Psychologe Horst Heidbrink von der Fernuniversität Hagen ist der Ansicht, dass Eifersucht durchaus auch etwas Positives birgt, denn sie zeigt schließlich, dass einem eine andere Person wichtig ist. Eifersucht ist ein sehr starkes Gefühl und hat viel mit Selbstwert zu tun, wobei ein Ansprechen der Eifersucht verhindert, dass sich solche Gefühle stauen und sich dann bei einer Kleinigkeit geballt entladen. Je abhängiger ein Mensch von einer bestimmten Beziehung ist, desto stärker ist meist auch die Eifersucht. Immer alles auf sich selbst zu beziehen kann der Motor für ein zerstörerisches Gefühl sein.

Nach Heidbrink ist Eifersucht ein Prozess, der meist in der Kindheit beginnt, denn die ersten Eifersüchteleien gibt es meist zwischen Geschwistern oder in Bezug auf die Eltern. Mit der Zeit sollten man durch diese Beziehungskonstellationen mitbekommen, dass es nichts mit uns zu tun hat, wenn die Schwester allein mit ihren Freunden spielen will oder Mutter und Vater einmal einen Abend zu zweit verbringen wollen. Ein gutes Übungsfeld sind oft Freundschaften zwischen Jugendlichen, die mitunter so eng sind, dass sie den Charakter von Liebesbeziehungen annehmen.

Eifersucht hat nicht nur ihren Ursprung bezüglich eines Verdachts der sexuellen Untreue, denn sie entsteht auch durch das Empfinden einer Vertrautheit zwischen dem Partner und einer dritten Person, die die eifersüchtige Person ausschließt. So kann ein Kind ab einem Alter von sechs Monaten eifersüchtig werden, wenn seine Eltern den Geschwistern mehr Zuwendung geben. Bei erwachsenen Menschen kann Eifersucht etwa auftreten, wenn der Partner mit einem anderen Menschen flirtet oder Vertraulichkeiten austauscht und der Beobachter dies als Gefährdung der eigenen Beziehung wahrnimmt. Während die Eifersucht des Kindes in der Regel verschwindet, wenn es von seinen Eltern ebenfalls die gleiche Zuwendung erfährt, verlangt ein eifersüchtiger Partner meist darüber hinaus nach einer uneingeschränkten, ausschließlich ihm geltenden Aufmerksamkeit.

Vor allem sind Menschen mit geringen Selbstwertgefühl sind anfällig für Eifersucht, denn bei ihnen besteht eher die Tendenz, denn Mittelpunkt ihres Lebens derart auf die Beziehung zu konzentrieren, dass dem anderen kein Platz mehr zum Atmen bleibt. Schlechte Erfahrungen aus vorangegangenen Beziehungen, in denen sie enttäuscht wurden, vertiefen das Gefühl, den Partner kontrollieren zu müssen, um das neuerliche Scheitern einer Beziehung zu verhindern. Menschen, die krankhaft eifersüchtig sind, haben meist nicht gelernt, Nähe zum anderen herzustellen, denn häufig sind es Menschen, die in der Kindheit das Erlebnis von unzuverlässigen Beziehungen erfahren haben, deren Eltern sich getrennt haben oder die nicht viel Zuwendung erhalten haben. Bei diesen beobachtet man häufig die Unfähigkeit das Gefühl der Zusammengehörigkeit zum Partner herzustellen, wobei das Gefühl, durch nichts getrennt werden zu können, extrem Eifersüchtigen fehlt. Manche Eifersüchtige drehen sich mitunter so tief in eine Misstrauensspirale, dass diese schließlich in Gewalt mündet, wobei sich Unsicherheit, Angst, Trauer, Wut bis hin zu Mordgedanken übersteigern können. Das Hauptmordmotiv auf der Welt ist die Kränkung, denn nichts kränkt Menschen so sehr, als wenn ihnen die Liebe entzogen wird. Dahinter steht häufig das Empfinden, dass wenn man das Objekt der Eifersucht nicht besitzen kann, soll es auch kein anderer haben, wobei Männer Eifersucht oft weniger gut ertragen als Frauen.

Aus Sicht der Evolution hat Eifersucht durchaus einen Grund, denn für die Fortpflanzung war die Beziehung zwischen Mann und Frau überlebensnotwendig. Die Gründe für die Ängste des Mannes sind evolutionär bedingt die vor Kuckuckskindern, denn bleibt ihm die Partnerin sexuell treu, gibt ihm das die Sicherheit, dass er die selbst gezeugten Nachkommen großzieht. Frauen haben das Interesse, den Mann möglichst lange emotional an ihrer Seite zu wissen, weil sie evolutionär gesteuert darauf achten, einen Partner zur Seite zu haben, der ökonomisch dazu beiträgt, die Kinder mit großzuziehen. Manche Experten sind von der evolutionären Hypothese nicht so überzeugt und meinen, dass weniger das Geschlecht für die Art und Weise verantwortlich ist, in der Eifersucht empfunden wird, sondern die Art der angestrebten Beziehung. Menschen, die eher in einer Partnerschaft Nähe suchen, reagieren sensibler auf emotionale Untreue, während Menschen, denen ihre eigene Selbstständigkeit sehr am Herzen liegt, eher die sexuelle Treue wichtig ist.

Auch bei einigen Tieren ist Eifersucht nachgewiesen worden, indem bei einer monogamen lebenden Affenart versucht wurde, die Männchen eifersüchtig zu machen, indem diese durch eine Scheibe beobachten konnten, wie zu ihren Partnerinnen ein anderes Männchen in den Käfig gesetzt wurde. Dabei maß man den Hormonspiegel sowie die Gehirnströme der „verlassenen“ Männchen, wobei sich zeigte, dass Eifersucht die Hirnaktivität in jenen Arealen verstärkte, die mit sozialem Schmerz sowie mit Paarbindung assoziiert werden. Auch die Cortison- und Testosteronwerte stiegen an, die mit Stresserleben oder aggressive Grundhaltungen einhergehen. Bei den eifersüchtigen Affen waren auch die Gehirnregionen für Emotionen und für seelische Schmerz deutlich stärker aktiv.
Eifersucht hat möglicherweise auch gute Seiten für eine Art, denn diese Tiere bleiben offenbar auch deshalb beisammen, weil sie Angst vor der Trennung haben und diesen Schmerz  vermeiden wollen. Vielleicht ist auch dadurch bei manchen Affenarten aber auch dem Menschen die Monogamie überhaupt erst entstanden, da Eifersucht als starke Emotion in einer monogamen Partnerschaft das Gefühl der Bindung verstärkt.

Treue und Untreue: Männer sind grundsätzlich nicht untreuer als Frauen, doch Frauen haben andere Beweggründe fremdzugehen, denn Männer gehen wegen des sexuellen Aspektes fremd, während Frauen auf Grund der fehlenden Aufmerksamkeit ihres Partners fremdgehen. Insgesamt hat das Fremdgehen durch die virtuellen Welten in den letzten Jahren stark zugenommen.

Siehe dazu auch das Othello-Syndrom und den Eifersuchtswahn.

Quellen

https://de.wikipedia.org/wiki/Eifersucht (14-11-21)
http://www.rp-online.de/leben/gesundheit/psychologie/eifersucht-analyse-eines-uebermaechtigen-gefuehls-aid-1.5148404 (15-06-28)



Falls Sie in diesem Beitrag nicht fündig geworden sind, können Sie mit der folgenden Suche weiter recherchieren:


Das Lexikon in Ihren Netzwerken empfehlen:

Werbung



You must be logged in to post a comment.



Diese Seiten sind Bestandteil der Domain www.stangl.eu

© Werner Stangl Linz 2018