Hörsinn

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Im Unterschied zum Sehsinn ist der Hörsinn bereits bei der Geburt sehr gut ausgebildet, wobei das Neugeborene noch ein paar Tage braucht, bis seine Gehörgänge gänzlich frei von Fruchtwasser sind, aber es hört schon ab dem 5. Schwangerschaftsmonat recht gut und nimmt in den ersten Lebensmonaten Geräusche ganz besonders differenziert wahr. Auch die zeitliche Auflösung des Gehörs scheint bereits gut zu funktionieren, denn junge Säuglinge können Phoneme aller Sprachen unterscheiden. Wahrnehmungsvorlieben gibt es insbesondere für melodiös gesprochene Sprache im Frequenzbereich von Frauenstimmen. Dass das akustische Gedächtnis bereits bei der Geburt recht gut funktioniert, wurde experimentell nachgewiesen: Neugeborene erinnern sich an das Lautmuster einer Geschichte, die ihnen während der Schwangerschaft vorgelesen wurde und scheinen zudem eine Vorliebe für die eigene Muttersprache zu haben, was man ebenfalls auf pränatale Einflüsse zurückführt. Die Fähigkeit, Geräusche im Raum zu orten, lässt sich nur schwer überprüfen, weil das Kind abgesehen von der subkortikal über die Colliculi gesteuerten groben Orientierung hin zur Schallquelle durch seine eingeschränkten Sehfähigkeiten und die begrenzte motorische Kopfkontrolle zunächst nicht gut zeigen kann, wo es die Quelle eines Geräusches vermutet.


Übrigens: Rechts hören Menschen ein wenig besser!

Sacchinelli et al. (2017) ließen Probanden im Alter zwischen 19 und 28 Jahren zu einem dichotischem Hörtest antreten, bei dem die Teilnehmer zur selben Zeit auf jedem Ohr unterschiedliche Wörter oder kurze Sätze hörten. Zunächst sollten sie sich jeweils nur auf die Signale auf einem Ohr konzentrieren und diese wiedergeben, bei weiteren Durchgängen mussten sie alle gehörten Begriffe nachzusprechen. Kinder überfordert eine solche Aufgabe, denn sie konnten gleichzeitig gehörte Informationen von beiden Ohren im Gehirn nicht zu einem sinnvollen Ganzen zusammenzuführen. Daher verlassen sich Kinder im Alltag vor allem auf ihr rechtes Ohr, denn was dort ankommt, wird von der linken Gehirnhälfte verarbeitet, die unter anderem für Sprache und Erinnerungsvermögen zuständig ist, und kann daher besser verstanden und gemerkt werden. Bei einem Test mit Erwachsenen zeigte sich, dass dieser Vorteil des rechten Ohres zunächst nicht der Fall zu sein scheint, denn über welches Ohr die Probanden Zahlenwörter oder andere Begriffe hörten, machte keinen Unterschied und sie konnten diese jeweils gleich gut wiedergeben. Das änderte sich jedoch, als man die Anzahl der Begriffe entscheidend erhöhte und damit die individuelle Merkspanne der Teilnehmer überschritt. Nun konnten die Teilnehmer mit dem rechten Ohr diese schwierige Hörsituation um acht Prozent besser bewältigen, wobei manche Probanden mit rechts um bis zu vierzig Prozent besser abschnitten als mit links. Offensichtlich verschwindet der bisher schon vermutete Vorteil des rechten Ohrs ab dem dreizehnten Lebensjahr doch nicht völlig, wobei der kognitive Anspruch der Höraufgabe aber entscheidend sein dürfte.

Literatur

Pauen, S, & Vonderlin, E, (2007). Entwicklungsdiagnostik in den ersten drei Lebensjahren. Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung.
Sacchinelli, D, M., Weaver, A, J. & Wilson, M, (2017). Does the right ear advantage persist in mature auditory systems when cognitive demand for processing increases? Acoustical Society of America, 174th Meeting 2017.


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