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forensische Psychologie

Die forensische Psychologie ist ein Teilgebiet der Rechtspsychologie und wendet psychologische Theorien, Methoden und Erkenntnisse im Rahmen von Gerichtsverfahren an. Psychologen sind auch als Gutachter bei Gericht tätig, erstellen z.B. Gutachten für Familiengerichte, also zum Sorge- und Umgangsrecht bei Scheidungs- oder Misshandlungsfällen bzw. Familien mit Pflegekindern sowie über die Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit von Zeugenaussagen. Weiterhin begutachten sie im strafrechtlichen Bereich zur Frage der Schuldfähigkeit die Persönlichkeitsstruktur von Straftätern und erstellen Risikoeinschätzungen (Prognosen) über das zu erwartende kriminelle Verhalten von Straftätern.

Das Gutachten in der Forensik

Die Anforderungen an psychiatrische oder psychologische Risikoeinschätzungen in der Forensik sind wesentlich gestiegen, denn es genügt nicht mehr, Chancen und Risiken für ein künftiges Legalverhalten bestmöglich zu erfassen, denn Risikoeinschätzung ist Voraussetzung für das Risikomanagement, Risikomanagement notwendige Folge einer Risikoeinschätzung. Prognosen sagen voraus, was geschehen wird, ihre Richtigkeit erweist sich, wenn das eintrifft, was vorausgesagt wurde, Risikoeinschätzungen hingegen dienen dazu aufzuzeigen, was sich ändern muss, damit eine Gefahr nicht zur Realität wird, sondern abgewendet werden kann. Sie sind Voraussetzungen für ein optimales oder zumindest adäquates Risikomanagement. Ihre Richtigkeit erweist sich also dann, wenn die Gefahr, die befürchtet wurde, vermieden oder verhindert wurde.

Psychiatrisch-psychologische Gutachten sind bekanntlich durchaus fehleranfällig, vor allem, wenn sie eine Prognose stellen sollen, doch nicht allein die wissenschaftliche Expertise entscheidet über die Qualität, sondern qualifizierte Prognostiker sind nach Ansicht von Nedopil et al. (2021) intelligent, haben ein Verständnis für Zahlen und können analytisch denken. Sie sind neugierig und offen für neue Erfahrungen, haben Freude daran, mentale Herausforderungen zu meistern, sind in der Lage zum Perspektivwechsel und fähig zur Meinungsänderung, wenn neue Informationen dies erfordern. Schließlich können sie unterschiedliche Perspektiven und Denkmöglichkeiten zusammenfassen. Sie arbeiten sorgfältig und reflektiert und können ihre Arbeitsschritte begründen, und sie achten darauf, dass sie ihr automatisches Schlussfolgern in Schach halten.
Gute Prognostiker sind aktiv aufgeschlossen und verhalten sich wie ein System, das stets verbesserungsbedürftig ist, d.h., sie streben ständig nach einer Verbesserung ihrer Fähigkeiten und sind der Überzeugung, dass man sich verbessern muss und kann. Sie wissen, dass prognostische Entscheidungen immer mit Unsicherheiten verbunden sind; sie sind daher vorsichtig und bescheiden, da ihnen auch die Komplexität der möglichen realen Entwicklungen bewusst ist. Sie gehen davon aus, dass nichts vorherbestimmt ist und das meiste sich in mehrere Richtungen entwickeln kann. Deterministisches Denken ist für Gutachter unangebracht und kennen die möglichen kognitiven und emotionalen Fehlschlüsse.

Literatur

Nedopil, N., Endrass, J., Rossegger, A. & Wolf, Th. (2021). Prognose – Risikoeinschätzung in Forensischer Psychiatrie und Psychologie. Ein Handbuch für die Praxis. Pabst.



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