Myokine

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Myokine – von griechisch mys „Muskel“ und kinetos „Bewegung“ -bezeichnen eine Gruppe von hormonähnlichen Botenstoffen, die von der Skelettmuskulatur bei Kontraktion, also während körperlicher Aktivität produziert und in den Blutkreislauf abgegeben werden. In der Psychologie und den Neurowissenschaften haben diese Proteine in den letzten Jahren eine zentrale Bedeutung erlangt, da sie die fundamentale Verbindung zwischen körperlicher Fitness und mentaler Gesundheit erklären können.

Lange Zeit wurde die Muskulatur primär als Bewegungsapparat betrachtet, doch durch die Entdeckung der Myokine versteht man diese heute mehr als das größte endokrine Organ des menschlichen Körpers, das über chemische Signale direkt mit dem Gehirn kommuniziert. Ein prominentes Beispiel ist das Myokin Irisin, das während eines Trainings gebildet wird, die Blut-Hirn-Schranke überwinden kann und im Gehirn die Ausschüttung des neurotrophen Faktors BDNF (Brain-Derived Neurotrophic Factor) anregt. Dieser Stoff wirkt wie „Dünger“ für Nervenzellen, indem er das neuronale Wachstum fördert, die Synapsenbildung unterstützt und bestehende Strukturen schützt. Besonders der Hippocampus, das Zentrum für Lernen und Gedächtnis, profitiert von diesem Mechanismus, wobei Studien belegen, dass regelmäßiges Ausdauertraining dessen Volumen vergrößern und so die kognitive Reserve stärken kann.

Myokine Muskel Hormone

Über die reine Leistungssteigerung hinaus spielen Myokine auch eine entscheidende Rolle bei der Prävention und Behandlung psychischer Störungen sowie neurodegenerativer Erkrankungen. So konnte nachgewiesen werden, dass Sport depressive Symptome lindert, indem Myokine entzündungshemmende Prozesse im Gehirn einleiten und dabei helfen, stressbedingte Neurotoxine wie Kynurenin)zu neutralisieren, bevor sie die Gehirnfunktion beeinträchtigen können. Damit stimulieren sie Signalwege, die denen moderner Antidepressiva ähneln, jedoch auf natürlicher Basis.

Auch in der Forschung zu Alzheimer und Parkinson gelten Myokine als Hoffnungsträger, da sie protektive Effekte gegen den geistigen Verfall ausüben könnten. Während die Medizin derzeit untersucht, ob diese Botenstoffe künftig in Form von Medikamenten (Exercise Mimetics) Menschen helfen können, die körperlich nicht zu Sport in der Lage sind, bleibt die natürliche Bewegung aufgrund des komplexen Zusammenspiels verschiedener Myokine und physiologischer Rückkopplungen die effektivste Methode zur Förderung der neuronalen Gesundheit.

Literatur

Duzel, E., van Praag, H., & Sendtner, M. (2016). Can physical exercise promote adult hippocampal neurogenesis in humans? eLife, 5, doi:10.7554/eLife.15036
Pedersen, B. K. (2019). The physiology of optimizing health with a focus on exercise as medicine. Annual Review of Physiology, 81, 607-627.
Severinsen, M. C. K., & Pedersen, B. K. (2020). Muscle–organ crosstalk: The emerging roles of myokines. Endocrine Reviews, 41(4), 594-609.
Wrann, C. D., White, J. P., Salogiannnis, J., Laznik-Bogoslavski, D., Wu, J., Ma, D., Lin, J. D., Greenberg, M. E., & Spiegelman, B. M. (2013). Exercise induces hippocampal BDNF through a PGC-1α/FNDC5 pathway. Cell Metabolism, 18(5), 649-659.


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