Tiergestützte Pädagogik

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Unter tiergestützter Pädagogik versteht man einen pädagogischen Ansatz, bei dem Tiere bewusst und zielgerichtet in Bildungs- und Erziehungsprozesse einbezogen werden. Es handelt sich um eine strukturierte Intervention, die in verschiedenen Bereichen wie Gesundheitswesen, Pädagogik und Sozialarbeit eingesetzt wird. Tiergestützte Pädagogik nutzt die natürliche Affinität zwischen Mensch und Tier, um pädagogische Ziele zu erreichen und die ganzheitliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu fördern, wobei Tiere dabei als „Co-Pädagogen“ eingesetzt werden, um Kinder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu fördern und ihnen beim Erwerb verschiedener Fähigkeiten und Fertigkeiten zu helfen. Tiergestützte Pädagogik ist daher ganz allgemein eine pädagogische Methode, die den Einsatz von Tieren in der Bildungsarbeit umfasst. Tiergestützte Pädagogik stellt in unterschiedlichen Kontexten eine Bereicherung und Unterstützung der professionellen pädagogischen Arbeit in der Kinderbetreuung dar, denn die Einbeziehung von Tieren bietet vor allem diesen die Möglichkeit, in der Entwicklung und Entfaltung ihrer Kompetenzen zusätzliche Unterstützung zu erhalten. Die Methode basiert auf der Erkenntnis, dass Tiere auf Menschen generell eine positive Wirkung haben können, insbesondere aber auf Kinder und Jugendliche. Durch den Umgang mit Tieren sollen aber nicht nur pädagogische Ziele wie Sozialkompetenz, Empathie, Verantwortungsbewusstsein und Selbstwertgefühl gefördert werden, sondern auch therapeutische Ziele erreicht werden, wie etwa Stressabbau, Angstbewältigung oder Förderung der Motorik. Siehe dazu auch Naturtherapie. Besonders wirksam kann die tiergestützte Pädagogik bei Menschen mit Behinderungen, verhaltensauffälligen oder traumatisierten Kindern und Jugendlichen sein, wobei in diesen Fällen der Ansatz eine besondere Chance bietet, um positive Veränderungen und Entwicklungen zu fördern.

Die tiergestützte Pädagogik bezeichnet demnach die bewusste und zielgerichtete Einbeziehung von Tieren in pädagogische Prozesse. Sie wird systematisch als Untergruppe der naturgestützten Interventionen eingeordnet, welche sich zusätzlich in pflanzengestützte (z. B. Gartenarbeit) und landschaftsgestützte Interventionen (Nutzung von Wald, Bergen oder Parks) unterteilen lassen (Roos Steiger, 2024). Da die tiergestützte Pädagogik bisher über keine eigene, isolierte theoretische Fundierung verfügt, wird sie stets im Kontext der jeweiligen Fachdisziplin – etwa der Sozialen Arbeit oder der Frühpädagogik – betrachtet und angewandt.

Die Durchführung erfolgt entweder durch pädagogische Fachkräfte mit einer entsprechenden therapeutischen oder pädagogischen Zusatzausbildung oder durch Praktiker:innen ohne spezifische Weiterbildung im Rahmen allgemeiner naturgestützter Aktivitäten. Die Einsatzgebiete sind dabei breit gefächert: Sie reichen von der alltäglichen Begegnung im Kindergarten bis hin zu gezielten Maßnahmen der Prävention oder der therapeutischen Behandlung. Die Wirkmechanismen basieren primär auf der direkten Interaktion zwischen Mensch und Tier. Die positiven Effekte dieser Interaktion sind vielfältig und gut dokumentiert. Auf der psychologischen Ebene trägt der Tierkontakt maßgeblich zum Abbau von Stress und zur Steigerung des allgemeinen Wohlbefindens bei. Zudem fördern Tiere die emotionale Öffnung sowie die Bindungs- und Interaktionsfähigkeit der Teilnehmenden. Im sozialen Bereich werden insbesondere die Empathie und das Verantwortungsbewusstsein gestärkt. Darüber hinaus unterstützt die tiergestützte Pädagogik die mentale Gesundheit und schult die sensomotorischen Fähigkeiten sowie die körperliche Sensibilität (Julius et al., 2014; Otterstedt, 2017).

Der Einsatz von Tieren in einer Kinderbetreuungseinrichtung ist immer ein pädagogisches Bildungsangebot und muss daher wie jedes andere pädagogische Bildungsangebot durch pädagogisches Fachwissen, basierend auf geltenden Rechtsvorschriften, untermauert sein. Die Entscheidung, ob ein tierpädagogisches Angebot in einer Kinderbetreuungseinrichtung ein gesetzt wird, erfordert daher im Vorfeld zahlreiche Überlegungen und Fragestellungen: Was ist die Motivation, ein tierpädagogisches Betreuungsangebot zu setzen? Was erwartet man sich durch den Einsatz von Tieren und ist die Erwartungshaltung realistisch? Werden die Kinder, die Eltern und das Personal das Angebot annehmen? Hinzu kommen fachliche und persönliche Voraussetzungen: Liegen die erforderlichen Ausbildungen wie etwa ein Hundeführschein vor? Sind alle gesetzlichen Grundlagen betreffend Tierhaltung bekannt? Wie ist das Krisenmanagement, wenn das Tier ein Kind verletzt oder ein Kind zeitverzögert allergisch reagiert? Wer übernimmt die Versorgung des Tieres am Wochenende und in den Ferienzeiten? Wer trägt die Kosten für das Futter bzw. für die erforderlichen tierärztlichen Untersuchungen?

Tiergestützte Pädagogik kann in verschiedenen pädagogischen Kontexten eingesetzt werden, wie in Kindergärten, Schulen, Jugendzentren, aber auch in der Therapie von Kindern mit besonderen Bedürfnissen oder in der Arbeit mit älteren Menschen.

Die Tiere, die in der tiergestützten Pädagogik eingesetzt werden, können unterschiedlich sein, je nach pädagogischem Kontext und Zielsetzung. Hunde, Pferde, Kaninchen oder Meerschweinchen sind zum Beispiel häufige Vertreter, aber auch andere Tiere wie Schafe, Ziegen oder Hühner können eingesetzt werden. Tiergestützte Pädagogik ist also eine pädagogische Methode, die Tiere einsetzt, um die Entwicklung von Kindern und Erwachsenen zu fördern, wobei verschiedene Tiere wie Hunde, Pferde, Esel, Kaninchen oder auch exotische Tiere wie Alpakas oder Papageien eingesetzt werden. Die Tiere werden dafür  in speziell entwickelten Programmen eingesetzt, um bestimmte Ziele zu erreichen, wie z.B. die Verbesserung der sozialen Fähigkeiten, der körperlichen und geistigen Gesundheit, der Konzentration und des Selbstbewusstseins. Die Arbeit mit Tieren kann auch dazu beitragen, Stress abzubauen, Ängste zu überwinden und Vertrauen aufzubauen. Tiergestützte Pädagogik wird in verschiedenen Bereichen eingesetzt, wie etwa in Schulen, Kindergärten, Therapieeinrichtungen, Pflegeheimen oder auch im Bereich der Behindertenarbeit. Dabei steht immer das Tier im Mittelpunkt und die Beziehung zwischen Mensch und Tier wird als wichtiger Faktor für den Erfolg der Methode angesehen.

So wird eine pferdgestützte Pädagogik auch gegen Depressionen eingesetzt, denn Pferde sind ausgesprochen feinfühlige Lebewesen, die vielfältige Kommunikation ohne Worte ermöglichen und jede Menge positive Energie schenken. Pferde lösen bei Kindern und Jugendlichen eine hohe Motivation zur Mitarbeit aus und eignen sich hervorragend als Medium in der therapeutischen Arbeit. Die Patientinnen und Patienten arbeiten nicht nur an ihren Ängsten, sie gewinnen mit der Zeit an Selbstvertrauen und ihr Auftreten verändert sich zum Positiven, was sich auch im Verhalten der Tiere bemerkbar macht. Auch die körperliche Konstitution verbessert sich im Umgang mit dem Pferd und somit auch die seelische Verfassung und der mentale Zustand.

So steht tiergestützte Pädagogik mit Eseln und anderen Vierbeinern etwa bei Asino in Magersdorf für Schülerinnen und Schüler der Allgemeinen Sonderschule (ASO) Hollabrunn auf dem Programm. Die Auseinandersetzung mit den Schafen, Eseln und Katzen ist für die Kinder sehr abwechslungsreich und interessant. Die Begegnung machte Spaß und beruhigte die Schüler, sie zeigten sich empathisch und sehr verantwortungsbewusst. Dadurch werden die Kinder in ihrer Entwicklung begleitet, die Ressourcen der Kinder werden gestärkt und ihnen wird Respekt und Achtsamkeit gegenüber Menschen, Tieren und der Natur vermittelt.

Entgegen der häufigen Fokussierung auf Hunde und Pferde („Reittherapie“), umfasst das Spektrum der eingesetzten Lebewesen eine große Diversität. Neben Eseln, Katzen und Meerschweinchen finden auch Nutztiere wie Hühner und Kaninchen sowie Vögel Verwendung. Sogar Kleinstlebewesen wie Bienen, Schmetterlinge oder Regenwürmer werden in pädagogische Konzepte integriert, um Naturerfahrungen und Lernprozesse zu ermöglichen.

Literatur

Julius, H., Beetz, A., Kotrschal, K., Turner, D. C. & Uvnäs-Moberg, K. (2014). Bindung zu Tieren. Psychologische und neurobiologische Grundlagen tiergestützter Interventionen. Hogrefe.
Otterstedt, C. (2017). Tiergestützte Interventionen. Methoden und tiergerechter Einsatz in Therapie, Pädagogik und Förderung. Schattauer.
Roos Steiger, B. (2024). Definitionen und Begriffe. In T. Germann-Tillmann, B. Roos Steiger & R. VroomenMarell (Hrsg.), Naturgestützte Interventionen. Grüne Therapien, naturnahe Aktivitäten, nachhaltige Prävention (S. 43–51). Schattauer.
https://www.wien.gv.at/bildung/kindergarten/kindertagesbetreuung/pdf/lf-tierpaedagogik.pdf (22-12-12)
https://www.ukm.de/aktuelles/pferdgestuetzte-paedagogik-gegen-depression (23-06-13)


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