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Strukturalismus


Der Strukturalismus ist ein Sammelbegriff für zahlreiche interdisziplinäre Methoden und Forschungsprogramme, die Strukturen und Beziehungsgefüge in den weitgehend unbewusst funktionierenden Mechanismen kultureller Symbolsysteme untersuchen. Strukturalismus bezeichnet dabei zunächst jene Phase innerhalb der Geistes- und Sozialwissenschaften in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts, in denen ausgehend von einem in Frankreich entstandenes Ensemble von Theorien und Forschungen formuliert wird, deren wesentliche Gemeinsamkeit im Rückgriff auf die Sprachtheorie von Ferdinand de Saussure besteht, insbesondere in der synchronischen Analyse von Sprachen.

Ende der fünfziger Jahre versuchten zahlreiche Wissenschaftler im Umfeld des französischen Strukturalismus mit Hilfe einer semiotischen Analyse eine Alternativen zum einer auf die Sozialstruktur fixierten Sozialwissenschaft zu formulieren. Ausdrücklich forderten Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen wie Claude Lévi-Strauss, Jacques Lacan, Roland Barthes, Louis Althusser und vor allem Michel Foucault die Anerkennung des Symbolischen als eigener Wirklichkeitsbereich und die sukzessive Ausdehnung strukturalistischer Analyseverfahren auf alle möglichen Kulturphänomene, wobei es vor allem um den Bruchs mit dem damals vorherrschenden und marxistisch geprägten Ökonomismus ging, da den industriekapitalistischen Gesellschaften mit ökonomistischen Denkmodellen offenkundig nicht beizukommen war. Vor allem erkannte man in den industriell produzierten Zeichenwelten in den neuen Medien eine Ausübung von subtiler Macht, die nicht so sehr unterdrückte, sondern eher verlockte und sogar produktiv wirkte, indem sie die Träume und Wünsche der Menschen bediente, diese einfing und ins Verwertbare umlenkte, soziale Widersprüche nivellierte und nicht zuletzt die narzisstische Illusion einer individuellen Einzigartigkeit förderte. Diese Macht hatte sich vor allem in der populären Kultur eingerichtet, jenem Konglomerat aus Genres, Medien, Mythen und Bildern, aus Musik, Kleidung, Filmen und Ideologien, das sich den Vorstellungen der Menschen einprägte, ihre Wirklichkeitswahrnehmung bestimmte und auch dadurch sozial wirksam wurde, indem es zur Konstruktion von Gemeinschaften, von Zugehörigkeit und Gleichheit, aber auch von Differenz und Ungleichheit beitrug.

Der Strukturalismus innerhalb der Psychologie war eine Strömung im Anschluss an Wundt und Titchener, die im Gegensatz zum Funktionalismus nach dem “Ist” und nicht nach dem “Wozu” fragt und betont, psychische Einheiten seien in besonderer Art miteinander verbundene strukturierte Elemente. Demnach sei das menschliche Verhalten nicht als isolierte Erscheinung, sondern immer vor dem Hintergrund eines systematischen Zusammenhangs zu betrachten, der seine Struktur bestimmt. Der Strukturalismus behauptet daher einen logischen Vorrang des Ganzen gegenüber den Teilen und versucht, einen internen Zusammenhang von Phänomenen als Struktur zu fassen. Allgemeines Kennzeichen strukturalistischer Arbeitsrichtungen ist somit, dass menschliche Äußerungen und Verhaltensweisen nicht als isolierte Einzelerscheinungen betrachtet werden können, sondern auf dem Hintergrund eines systematischen Zusammenhangs, der ihre Struktur bestimmt.

Daneben ist der Strukturalismus  eine vor allem in den USA vorherrschende psychologische Richtung, die im Unterschied zur gleichzeitig aufkommenden Schule des Funktionalismus die elementare Struktur der menschlichen Seele mittels Introspektion (Selbstbeobachtung) erforschen wollte. Die Untersuchungsmethode der Wahl im Strukturalismus war daher die Introspektion, d. h., die Aufklärung der Tatbestände durch Nachdenken. Diese der Philosophie entlehnte Methode wurde jedoch nicht in ihrer Reinform benutzt, sondern durch einfache Experimente mit menschlichen Subjekten erweitert. Die Introspektion diente dann zum Erklären der experimentellen Beobachtungen.

Literatur

Alkemeyer, T. (2000). Zeichen, Körper und Bewegung. Aufführungen von Gesellschaft im Sport. Habilitationsschrift. Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie der Freien Universität Berlin.
Bierwisch, M. (1966). Strukturalismus: Geschichte, Probleme und Methoden. Frankfurt: Suhrkamp.


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