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Strukturalismus


Der Strukturalismus ist ein Sammelbegriff für zahlreiche interdisziplinäre Methoden und Forschungsprogramme, die Strukturen und Beziehungsgefüge in den weitgehend unbewusst funktionierenden Mechanismen kultureller Symbolsysteme untersuchen. Strukturalismus bezeichnet dabei zunächst jene Phase innerhalb der Geistes- und Sozialwissenschaften in den 50er und 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts, in denen ausgehend von einem in Frankreich entstandenes Ensemble von Theorien und Forschungen formuliert wird, deren wesentliche Gemeinsamkeit im Rückgriff auf die Sprachtheorie von Ferdinand de Saussure besteht, insbesondere in der synchronischen Analyse von Sprachen.

Der Strukturalismus innerhalb der Psychologie war eine Strömung im Anschluss an Wundt und Titchener, die im Gegensatz zum Funktionalismus nach dem “Ist” und nicht nach dem “Wozu” fragt und betont, psychische Einheiten seien in besonderer Art miteinander verbundene strukturierte Elemente. Demnach sei das menschliche Verhalten nicht als isolierte Erscheinung, sondern immer vor dem Hintergrund eines systematischen Zusammenhangs zu betrachten, der seine Struktur bestimmt. Der Strukturalismus behauptet daher einen logischen Vorrang des Ganzen gegenüber den Teilen und versucht, einen internen Zusammenhang von Phänomenen als Struktur zu fassen. Allgemeines Kennzeichen strukturalistischer Arbeitsrichtungen ist somit, dass menschliche Äußerungen und Verhaltensweisen nicht als isolierte Einzelerscheinungen betrachtet werden können, sondern auf dem Hintergrund eines systematischen Zusammenhangs, der ihre Struktur bestimmt.

Daneben ist der Strukturalismus  eine vor allem in den USA vorherrschende psychologische Richtung, die im Unterschied zur gleichzeitig aufkommenden Schule des Funktionalismus die elementare Struktur der menschlichen Seele mittels Introspektion (Selbstbeobachtung) erforschen wollte. Die Untersuchungsmethode der Wahl im Strukturalismus war daher die Introspektion, d. h., die Aufklärung der Tatbestände durch Nachdenken. Diese der Philosophie entlehnte Methode wurde jedoch nicht in ihrer Reinform benutzt, sondern durch einfache Experimente mit menschlichen Subjekten erweitert. Die Introspektion diente dann zum Erklären der experimentellen Beobachtungen.

Literatur

Bierwisch, M. (1966). Strukturalismus: Geschichte, Probleme und Methoden. Frankfurt: Suhrkamp.


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