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Rührung

    Rührung ist eine allgemeine Form der inneren Ergriffenheit und ist eine tendenziell freudige, positive Emotion des Mitfühlens und der Wertschätzung von anderen Menschen, das soziale Kompetenz und ein durch Zuneigung geprägtes Verhältnis zu diesen voraussetzt. Rührung ist daher eine gefühlsmäßige positive Bewegtheit angesichts der Beobachtung eines sozialen Geschehens, von dem eine starke emotionale Ausstrahlung ausgeht. Rührung ist zugleich auch eine Form der emotionalen Selbststimulation ohne Handlungsantrieb, der Menschen dazu verleiten kann, Belastungssituationen zu ertragen, sich zu trösten oder Konflikte zu ignorieren, statt sie tatsächlich durchdenken oder angehen zu müssen.

    Es besteht beim Begriff der Rührung eine enge Verwandtschaft zum Begriff der Sentimentalität, also einer Gemütsverfassung, die einen äußeren Anlass zum Vorwand nimmt, um sich dann in sich selbst hineinzusteigern, manchmal durchaus in Form eines Schwelgens in oft auch wohligen, sehnsüchtigen, romantischen und leidenschaftlichen Gefühlen, aber auch in einer Art Melancholie.

    Das Gefühl der Rührung ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausgeprägt, wobei sie aus der Sicht der Psychologie eine Art Meta-Emotion darstellt, denn sie ist ein Gefühl über ein Gefühl, wobei durch die Meta-Emotion oft ein ursprünglich eher negatives Gefühl positiv bewertet und die Emotion somit anders empfunden wird. So wird etwa das Mit-Erlebnis eines Abschieds oder einer Trennung in einem Film als berührend empfunden, das sehr empathische oder auch emotional intelligenten Menschen zu Tränen rühren kann. Auch kann man vom Glück anderer Menschen gerührt sein, etwa bei einer Hochzeit oder einer gelungenen Rettung, wobei Freudentränen dann ein Anzeichen intensiver Empfindungen und Mitempfindungen darstellen. Menschen, die sich in freudigen Momenten durch negative Reaktionen wie Tränen ausdrücken, können dadurch die Intensität ihrer Emotionen leichter steuern, d. h., Freudentränen dienen dazu, um ein Gleichgewicht einer sonst überwältigenden Emotion wiederherzustellen.

    Rührung ist oft auch ein zentrales Moment eines positiven ästhetischen Erlebens, dass zeigt, dass eine tiefe und verändernde Beziehung zwischen einem Kunstwerk wie etwa einem Musikstück und dem Rezipierenden entstanden ist. Die Psychologie hat dieses Gefühle des Bewegt-, Gerührt- und Erschüttertseins, die seit der Antike im Zentrum von Poetik und Rhetorik stehen, bisher kaum untersucht.

    Rührung ist nach Immanuel Kant eine „Empfindung, wo Annehmlichkeit nur vermittelst augenblicklicher Hemmung und darauf erfolgender stärkerer Ergießung der Lebenskraft gewirkt wird“. Rührung gehört nach Kant aber nicht zur reinen Schönheit, wenn sie auch mit ihr verbunden sein kann. Oft ist ein Gefühl der Rührung auch dem Gefühl des Erhabenen verbunden, wobei es mutige und zärtliche Rührungen gibt, letztere dabei einen Hang zur Empfindelei darstellen.

    Der Begriff Rührung leitet sich vom mittelhoch-deutschen Nomen rüerunge (Bewegung) ab, und bezeichnet eine innerliche Bewegtheit, eine Ergriffenheit, wobei es nach Schmidt-Atzerts & Ströhms (1983) clusteranalytischen Untersuchungen von Emotionsbegriffen im Umfeld von Wörtern wie Bewunderung, Dankbarkeit, Begeisterung, Freude und Stolz zu finden ist, aber auch mit Mitleid und Tränen verbunden ist.

    Literatur

    Schmidt-Atzert, Lothar & Ströhm, Walter (1983). Ein Beitrag zur Taxonomie der Emotionswörter. Psychologische Beiträge, 25, 126-141.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Sentimentalit%C3%A4t (19-11-13)
    https://www.aesthetics.mpg.de/forschung/abteilung-sprache-und-literatur/aesthetische-gefuehle.html (22-11-12)
    https://www.textlog.de/eisler/kant-lexikon/ruehrung (19-12-12)


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