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Body Positivity

    Body Positivity bedeutet, jedem Körper mit Respekt zu begegnen, wobei eine Grundlage dafür die Erkenntnis ist, dass alle Körper gleich wertvoll sind, d. h., von Körperformen kann man nicht auf die Persönlichkeit eines Menschen schließen. Body Positivity wirkt dabei auf zwei Ebenen: der personalen (individuell) und der sozialen (systemisch), wobei diese Wirkebenen ineinander greifen. Persönlich manifestiert sich Body Positivity in erster Linie dadurch, dass man freundlich und bedürfnisorientiert mit seinem eigenen Körper umgeht, ihn genau so akzeptiert, wie er gerade ist, was auch alle seine Veränderungen mit einschließt. Für die Gesellschaft zeigt sich Body Positivity, indem man Menschen aufgrund ihrer Körperform weder besser noch schlechter behandelt, d. h., alle Körper sind gute Körper und alle Menschen sind gleich wertvoll. Man wertet Körper weder auf noch ab (Body Shaming) und diskriminiert Menschen nicht aufgrund ihrer
    körperlicher Merkmale.

    Das Ziel der Body Positivity, die Akzeptanz und Wertschätzung einer Vielfalt von Körpertypen und -größen zu fördern, kann erklären, warum sie eine so große Anziehungskraft hat, denn es gibt Belege dafür, dass solche Botschaften positive Auswirkungen haben können. Studien zeigen, dass Frauen, die sich in den sozialen Medien mit dem Thema Body Positivity auseinandersetzen, eine bessere Stimmung, eine höhere Körperzufriedenheit und ein besseres emotionales Wohlbefinden zeigen.

    Die Wurzeln einer positiven Einstellung zu seinem Körper liegen vermutlich in der frühen Kindheit, wobei alles, was im Lauf der Kindheit über den Körper gesagt wird, beim Kind ankommt, also auch Kritik und negative Urteile. Das Projekt unter Umständen das spätere Bewusstsein von Gesundheit, die Sexualität und die Körperakzeptanz. Im Lauf des ersten Lebensjahres entsteht ein erstes Körperkonzept, das sich durch die Interaktion mit der Umwelt bildet, zuerst vor allem durch die strukturierte und responsive Eltern-Kind-Interaktion. Wickeln, jede Berührung, jeder Laut, jedes Lächeln, aber auch jedes Heben der Augenbrauen kann dabei wichtig sein. Manche Verhaltensweisen der Eltern sind sogar genetisch bedingt, wie das Streicheln vom Scheitel über den Rücken, wobei das Entspannungshormon Oxytocin dieses Verhalten triggert.

    Die Body-Positivity-Bewegung setzt sich für eine positive Einstellung zum eigenen Körper ein. Die am häufigsten untersuchte Facette des positiven Körperbilds ist dabei die Wertschätzung des eigenen Körpers, d. h., ihn zu respektieren und zu akzeptieren. Eine Metaanalyse verschiedener Studien ergab, dass die mangelnde Wertschätzung vor allem mit Essstörungen, aber auch mit Ängsten und Depressionen sowie einem geringeren psychischen Wohlbefinden einhergeht, darunter mit weniger Selbstwertgefühl, Selbstmitgefühl und sexueller Zufriedenheit. Aus diesem Grund sind Bilder von Normschönheiten und dünnen Models in den sozialen Medien zunehmend umstritten, wobei in den sozialen Medien der Trend weg von Diäten und hin zu Workout geht: Fit und stark ist das neue dünn. Das Buzzword Fitspiration steht dabei für Bilder und Videos von muskulösen Menschen, die zum Sport motivieren sollen, aber für das Körperbild ist das nicht besser als dünne Models, wie erste Studien nahelegen. Es zeigt sich, das Fitspiration-Inhalte ebenso negative Effekte wie solche haben, die dünn sein als Ideal darstellen (Stangl, 2022). Viele Studien zeigen, dass sich eine Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper oder große Sorgen in Bezug auf Figur und Gewicht als Risikofaktoren für Essstörungen, körperdysmorphe Störungen und Depressionen erwiesen haben, sodass der Grundgedanke der Bewegung positiv ist, da diese Art des Umgangs besonders in sozialen Medien wie Instagram oder TikTok dazu beitragen kann, ein besseres Gefühl für verschiedene Körperbilder zu erhalten.

    Body Positivity hat ihre Wurzeln im radikalen Fettaktivismus, der in den späten 1960er Jahren begann. Zusammen mit dem Aktivismus von Frauen aus ethnischen Minderheiten protestierten diese Gruppen gegen strukturelle Vorurteile und Diskriminierung, insbesondere durch die Mode- und Schönheitsindustrie, die davon profitierte, dass Menschen und Gemeinschaften sich unzulänglich fühlten. Im Laufe der Zeit entwickelte sich daraus die Body-Positivity-Bewegung, wobei die Bewegung anfänglich von populären Konten in den sozialen Medien angetrieben wurde, die eng definierte gesellschaftliche Standards für das Aussehen in Frage stellten. Allerdings hat sich die Bewegung von ihren radikalen Wurzeln entfernt, als sie zum Mainstream wurde, vor allem durch Kampagnen von Markenunternehmen wie der Real Beauty-Kampagne von Dove und den Versprechen von Modemagazinen, eine größere Vielfalt an Körpern zu zeigen.

    Das steht auch in einem Zusammenhang damit, dass heute das Aussehen bei Frauen in verschiedenen Kontexten noch immer relevanter ist als bei Männern. Allerdings entdeckt man in Studien bei Kindern und Jugendlichen, dass auch männliche Kinder und Jugendliche mittlerweile in ihrer Körperwahrnehmung sehr beeinflusst sind. Während es bei Frauen ums Schlanksein geht, steht bei diesen allerdings der Muskelaufbau im Vordergrund, doch spielt auch ein durchtrainierter Körper bei Frauen eine immer wichtigere Rolle.

    Heute wenden sich manche von der Body-Positivity-Bewegung und dem damit verbundenen Druck ab und unterstützen stattdessen die Bewegung der Körperneutralität, d. h., anstatt sich auf das physische Erscheinungsbild zu konzentrieren, ist Körperneutralität die Idee, dass man einfach existieren kann, ohne zu viel über seinen Körper nachdenken zu müssen. Auch im Hinblick auf diesen Aspekt könnte Body Neutrality unabhängig vom Geschlecht helfen, ein besseres Selbstverständnis für den eigenen Körper zu finden. Bei der Diskussion um Körperbilder und gängige Schönheitsideale sehen sich einige Influencer der Body-Positivity-Bewegung häufig damit konfrontiert, gesundheitliche Risiken vor allem in Bezug auf Adipositas auszublenden, ein Dilemma, das man seit Jahren aus der Prävention von Essstörungen auf der einen und von Übergewicht auf der anderen Seite kennt. Ziel der Body-Neutrality-Bewegung ist, ein neutrales Verhältnis zum eigenen Körper zu erlangen, d. h., das eigene Selbstwertgefühl sollte nicht so sehr von den Aspekten abhängig gemacht werden, ob man nun schlank ist oder muskulös. Der Fokus sollte eher auf den Aspekt gelenkt werden, wie man sich im eigenen Körper fühlt bzw. welche Bedürfnisse und Funktionen dieser hat. Der Begriff ist derzeit in den Social Media noch wenig präsent, was daran liegen könnte, dass solche neutralen Posts nicht die große Aufmerksamkeit erzeugen, denn Körper, die nicht dem entsprechen, was man tagtäglich sieht, sind in einigen Kontexten einfach spannender, d. h., der Sensationseffekt schwingt mit.


    Hinweis: Bei diesem Phänomen bzw. Begriff handelt es sich um ein populärwissenschaftliches Konstrukt, das in Lifestyle-Magazinen und in der Ratgeberliteratur herumgeistert, also um keinen genuin wissenschaftlich-psychologisches Fachbegriff. Solche Begriffe werden aber dann hier aufgenommen, wenn sie Beziehungen zu klassischen psychologischen Phänomenen aufweisen.


    Literatur

    Kolb, C. (2022). So förderst du ein gesundes Körperbewusstsein bei deinem Kind.
    WWW: https://www.eltern.de/kleinkind/entwicklung/koerperbewusstsein-foerdern–so-hilfst-du-deinem-kind-13411850.html (22-11-09)
    Stangl, W. (2022, 9. Juli). Körperschemastörung. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.

    Körperschemastörung


    Winkler, S. (2022). Body Neutrality – neuer Trend gegen Schönheitswahn im Netz.
    WWW: https://www.welt.de/kmpkt/article238021915/Body-Neutrality-Besser-als-Body-Positivity.html (22-10-09)
    https://marshmallow-maedchen.de/blog/was-ist-body-positivity-definition/ (22-10-09)


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