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Bergsucht

    Katharina Hüfner hat mit einem Team in einer Untersuchung gezeigt, dass zu den verhaltensgebundenen bzw. nicht substanzgebundenen Süchten – wie Kaufsucht oder Internetsucht – auch die Bergsucht zu zählen ist. In einer Onlinestudie unter regelmäßigen und Extrembergsteigern hat man bei fast einem Viertel der Teilnehmer Bergsucht festgestellt, wobei diese durch Fragen nach Fokussierung auf Gipfelsiege oder Kickerlebnisse eruiert wurde, also Faktoren wie Sensation Seeking oder die Effekte des Bergsteigens auf die Emotionsregulation erfasst wurden. Es war dabei wichtig gewesen, potenzielle Bergsucht klar von gesunder Bewegung zu trennen, denn bei der Bergsucht geht es definitiv nicht um Sport, Bewegung oder um Gesundheitsaspekte, sondern um das klare Suchtverhalten, möglichst viele Gipfel erreichen zu müssen. Entscheidend für den Suchtcharakter ist, dass das Leben der Bergsüchtigen sehr stark auf das Bergsteigen fokussiert ist, es eine stetige Dosissteigerung braucht und sich auch Entzugssymptome einstellen, wenn kein Berg bestiegen werden kann. Bergsüchtige weisen auch im Falle von Depressionen, mentalem Stress oder Angstsymptomen höhere Werte als Nichtbergsüchtige auf, wobei auch andere Suchterkrankungen wie Alkoholabhängigkeit vermehrt auftraten.

    Kurioses: Der Begriff Bergsucht wurden übrigens im Zusammenhang mit Berufskrankheiten bereits vor hunderten Jahren bemüht, denn 1537 befasste sich Bombastus Paracelsus von Hohenheim mit Abhandlungen über die Bergsucht und versuchte auf ihre Pathogenese, ihr klinisches Bild und ihre Therapie aus damaliger Sicht eine Antwort zu finden. Eine im Bergbau auftretende Lungenerkrankung bürgerte sich ab dem 16. Jahrhundert mit der Bezeichnung Bergkrankheit oder eben Bergsucht ein, und war offenbar durch spezifische Arbeitsbedingungen in den Schächten bedingt, sodass die davon betroffenen Bergleute als bergfertig oder bergsüchtig bezeichnet wurden.

    Literatur

    Jähne, M. (2011). „Alles kommt vom Bergwerk her …“. Ärzteblatt Sachsen, 11, 585-587.
    https://tirol.orf.at/stories/3177187/ (22-10-09)


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