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Kopfnote

    Kopfnoten nennt man die Schulnoten, die etwas anderes als die Leistung in den einzelnen Fächern bewerten, also etwa Mitarbeit oder soziales Verhalten. Die Kopfnoten werden im Allgemeinen vom jeweiligen Klassenlehrer auf Basis der Einschätzungen der Fachlehrer erstellt oder aber in der Zeugniskonferenz beschlossen. Sie sind üblicherweise nicht relevant für den Aufstieg in die nächste Klasse. Der Begriff Kopfnote leitet sich aus der Tatsache ab, dass diese Noten oberhalb der restlichen Noten, also im Zeugniskopf, zu finden sind oder waren.

    In Österreich heißt diese Note, von der es nur eine gibt, Betragensnote.

    Eine solche Personenbeurteilung erfordert eine objektive Kompetenz der Lehrkräfte, ansonsten kann es zu einer sozialen Selektion kommen, die eine Benachteiligung leistungsschwa­cher Schüler bedeutet. Die Diagnosekompetenz der Lehrer enthält einige Fehlerquellen für die objektive Beurteilung des Arbeits- und Sozialverhaltens der Schüler, denn die Lehrererwartung beeinflusst deren Urteil, so wie ihre subjektive Einschätzung. Es gibt keine klaren und einheitlichen Beobachtungskategorien, nach dem die Bewertung erfolgen könnte, daher ist es wichtig, ob das Verhalten nach einem individuellen, einem sozialen oder kriteriumsorientierten Bezugssystem eingeschätzt wird und dadurch eine Bewertung transparent werden kann. Die Bewertungen müssen erfasst und protokolliert werden, was für Lehr­kräfte eine zusätzliche Arbeitsbelastung bedeutet.

    Bei „self-fulfilling prophecies“ haben die Lehrer eine bessere Erhaltungswartung von Schülern, bei denen sie im vorhinein annehmen, dass diese besseres Benehmen haben. Im Schulalltag könnte dies zu einer Benachteiligung von sozial schwachen Schülern führen. Die Herkunft des Schülers spielt deshalb auch eine wichtige Rolle bei der Bewertung von Arbeits- und Sozialverhalten. Die Schüler aus bildungsnahen Elternhäuser werden den Schülern aus bildungsfernen Schichten bevorzugt. Das bedeutet, dass bestimmte Verhaltensweisen, die dem Schüler zu Hause und auch in der Schule nicht beigebracht wurden, bewertet werden. Das fehlende Kapital, die fehlende Erwartung der Lehrer und die fehlende Vermittlung der Verhaltensweisen verstärken somit die soziale Selektivität in der Schule.

    Diese Verhaltensdiagnose kann etwa bei einer Anführung auf dem Abschlusszeugnis dazu führen, dass sie als eine Verhaltensprognose missverstanden wird, sodass ein Fehlverhalten als Schüler somit ein Leben lang aufgezeigt werden würde. Es muss daher klar definiert werden, ob es sich bei der Einführung von Kopfnoten um ein Förder- oder ein Selektionsinstrument handelt, denn ohne überzeugende Definition ist eine Ausgestaltung von Kopfnoten nicht möglich. Die hohen Erfordernisse an eine objektive und valide Verhaltensbeurteilung können nur durch eine fundierte Aus-, Fort- und Weiterbildung der Lehrkräfte erfüllt werden.

    Literatur

    Brahm, G. (2006). Kopfnoten in der Schule. Relevante Informationen oder zusätzliche soziale Selektion? Die deutsche Schule, 98, 351-362.
    Stangl, W. (2006, 15. Juli). Kopfnoten in der Schule Relevante Informationen oder zusätzliche soziale Selektion?.
    https://www.stangl.eu/paedagogik/artikel/kopfnoten.shtml


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    Ein Gedanke zu „Kopfnote“

    1. Rote und grüne Tinte bei Korrekturen

      Ewald Hülk, Studiendirektor für die Fächer Französisch und Biologie am Berufskolleg Liebfrauenschule in Geldern, berichtet von seinem Französischlehrer, der oft mit zweierlei Farben korrigierte. Neben roten Markierungen für Fehler nütze er auch grüne Tinte: Anmerkungen wie „guter Gedanke“, „schöner Ausdruck“ oder „gut argumentiert“ machten diese Korrekturen farbiger. Diese Anmerkungen zeigten, dass der Lehrer nicht nur das im Blick hatte, was der Schüler falsch geschrieben hat oder was er besser hätte machen können, sondern er erkannte in jeder Arbeit auch die positiven Aspekte. Und für diesen Lehrer war es selbstverständlich, auch solche Dinge den Schülern mitzuteilen, denn Schüler haben sich über seine grünen Randnotizen meist sehr gefreut. Man sollte daher nicht nur die Schwächen eines Schülers in den Fokus rücken sondern auch seine vorhandenen Stärken. Man sollte daher als Lehrer viel stärker das Positive einer Klassenarbeit und der sonstigen Mitarbeit formulieren und betonen kann, denn eine wertschätzende Bewertung tut gut, baut auf und motiviert.
      Quelle: https://rp-online.de/nrw/staedte/kleve/familie-kreis-kleve/klassenarbeiten-wie-lehrer-ihre-schueler-motivieren-koennen_aid-78460863 (22-10-24)

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