Zum Inhalt springen

Experience-Sampling Methode

Die Experience Sampling Method – auch Tagebuchmethode oder ökologische Momentaufnahme – ist ein Forschungsverfahren, mit dem aktuelle Zustände von Menschen, d.h., was dieser tut, fühlt und denkt, im alltäglichen Leben untersucht werden können. Diese Methode ist eine intensive Längsschnitt-Forschungsmethode, bei der die Teilnehmer gebeten werden, über ihre Gedanken, Gefühle, Verhaltensweisen bzw. ihr Umfeld bei mehreren Gelegenheiten im Laufe der Zeit zu berichten. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen berichten über ihre Gedanken, Gefühle, Verhaltensweisen bzw. ihr Umfeld im Moment genau dann, nicht später bzw. genau dort und nicht anderswo oder auch kurz danach. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen können ein Tagebuch mit vielen identischen Seiten erhalten, jede Seite kann eine psychometrische Skala, offene Fragen oder irgendetwas anderes enthalten, das dazu dient, ihren Zustand an diesem Ort und zu diesem Zeitpunkt zu beurteilen. Solche Studien können auch vollautomatisch auf tragbaren elektronischen Geräten oder über das Internet durchgeführt werden.

In neuerer Zeit werden Teilnehmende während ihrer täglichen Routinen wiederholt von ihrem Handy aufgefordert, einige Fragen zu ihrem momentanen Befinden zu beantworten, wobei je nach Studienfokus dies etwa momentane Affekte, Gedanken, Gefühle oder Verhalten betreffen kann. Oft wird zusätzlich erfasst, was Teilnehmende gerade tun und in welchem sozialen Kontext sie sich befinden. So erhalten Forschende einen wiederholten Einblick in die momentane Welt der Teilnehmenden, in deren individuelles Erleben in Interaktion mit der sich stets wandelnden Umwelt. Die Variation im jeweiligen Kontext ist hier gewünscht, wird bestmöglich miterfasst und ist damit an sich auch Untersuchungsgegenstand, also im Gegensatz zum Experiment, wo der soziale Kontext und andere Begleitumstände möglichst kontrolliert werden.

Das subjektive Erleben in Echtzeit abzufragen hat verschiedene Vorteile im Vergleich zu anderen Methoden der Selbstauskunft, denn früher nutzte man häufig die Tagebuchmethode, bei der man rückblickend, meist abends, festhielt, wie ein Tag verlaufen war. Doch dieser Prozess des Erinnerns und Abrufens ist oft stark beeinflusst vom momentanen Befinden, etwa vom aktuellen Stresslevel, wie belastet der vergangene Tag oder noch länger zurückliegende Zeiträume eingeschätzt werden. Wiederholte Echtzeit-Abfragen sind also nicht nur genauer, sondern sie zeichnen die Prozesse auch in ihrer zeitlichen Abfolge auf, wodurch Dynamiken über einen Tag hinweg erkennbar werden, statt rückblickend bestenfalls einen Durchschnittswert wiederzugeben. Der realistische bzw. naturalistische Kontext ist der größte Vorzug dieser Methode, denn gerade die Komplexität sozialer Prozesse lässt sich oft nur unzureichend in Experimenten simulieren.

Literatur

Csikszentmihalyi, M. (2014). Validity and Reliability of the Experience-Sampling Method. New York: Springer.
Larson, R. & Csikszentmihalyi, M. (1983). The experience sampling method. New Directions for Methodology of Social and Behavioral Science, 15, 41–56.
https://scilogs.spektrum.de/thinky-brain/vom-labor-ins-echte-leben-den-alltag-vermessen/ (22-05-12)
https://en.wikipedia.org/wiki/Experience_sampling_method (22-05-11)



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.