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Anhaltende Trauerstörung

    Trauer ist eine ganz normale Reaktion, die alle Menschen im Lauf ihres Lebens erfahren, denn dabei wird die Bindung zu einer verstorbenen Bezugsperson gewissermaßen neu aufgestellt, was einen hochindividuellen Prozess darstellt. Wenn man bei der Trauer psychotherapeutisch zu früh einschreitet, kann dies übrigens genau das Gegenteil bewirken und den Trauerprozess sogar verlängern. Wenn aber auch nach mehr als sechs Monaten der Tod des oder der Angehörigen den Alltag bestimmt und die eigene Lebensführung signifikant einschränkt, bei dem sich die Hinterbliebenen etwa weiterhin zurückziehen, die Sehnsucht nach der verstorbenen Person täglich als quälend erlebt wird, ihr Zimmer unangetastet bleibt oder über sie so berichtet wird als ob sie immer noch leben würde, spricht man von einer Anhaltenden Trauerstörung.

    Die Grenzen zu einer Depression sind bei der Anhaltenden Trauerstörung teilweise fließend und setzen eine genaue Diagnostik voraus. Wie bei einer Depression sind aber ähnliche Symptome zu finden, wie etwa das Gefühl, keinerlei Freude mehr empfinden zu können und wie betäubt zu sein. Im Unterschied zur Depression sind jedoch Konzentrationsstörungen, Schlaflosigkeit oder gar Suizidgedanken eher untypisch für eine Anhaltende Trauerstörung. Die anhaltende Trauer als psychische Erkrankung ist übrigens nicht auf ältere Menschen beschränkt.

    Dass die Anhaltende Trauerstörung erst vor kurzem als psychische Erkrankung in die Systematik der Weltgesundheitsorganisation aufgenommen wurde, zeigt die Komplexität der Materie, denn es geht nicht darum die Trauer per se zu pathologisieren. Zudem hat die Forschung lange gebraucht, um präzise zwischen einer Depression bzw. einer Postraumatischen Belastungsstörung und anhaltender Trauer differenzieren zu können.

    Betroffene berichten häufig folgende Beschwerden:

    • Intensive Sehnsucht nach der verstorbenen Person
    • Einsamkeit seit dem Todesfall
    • Schwierigkeiten, den Tod zu akzeptieren
    • Gedanken, die ständig um die verstorbene Person kreisen
    • Schuldgefühle oder Selbstvorwürfe
    • Vermeidung aller Erinnerungen, aller Gedanken und aller Gefühle an die verstorbene Person und deren Tod

    Literatur

    https://idw-online.de/de/news778257 (21-10-28)
    https://www.ku.de/trauertherapie (21-10-28)


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