Misokinesie – Abneigung gegen bzw. Hass auf Bewegungen – ist ein psychologisches Phänomen, das sich durch eine starke negative affektive oder emotionale Reaktion auf den Anblick kleiner, sich wiederholender Bewegungen anderer Menschen auszeichnet, z. B. wenn jemand mit einer Hand oder einem Fuß zappelt, mit den Fingern schnippt, ständig mit den Haaren oder einem Kugelschreiber spielt oder die Beine nervös hin- und herbewegt. Es kann damit aber auch ein tropfender Wasserhahn gemeint sein, der durch sein Geräusch die Bewegung des Wassers akustisch wahrnehmbar macht.

Menschen, die an Misophonie leiden, reagieren meist sehr extrem, wenn sie bestimmte Körperbewegungen sehen oder auch nur hören. Die Misokinesie äußert sich in Form von Unbehagen, Reizbarkeit und sogar Wut bei kontinuierlichen Körperbewegungen, beim Anblick eines Menschen, die permanent mit den Fingern auf den Tisch trommelt, mit einem Stressball oder einem Kugelschreiber spielt. Es macht Betroffene sehr nervös und Betroffene fühlen sich nicht in der Lage, neben einem Menschen zu arbeiten, die ihre Beine beim Sitzen ständig bewegen. Misokinesie wirkt sich aber sehr unterschiedlich aus, denn manche entwickeln nur ein gewisses Unbehagen, andere entwickeln manifeste Ängste, andere werden sehr nervös oder wütend, wobei sie in der Regel ihre Konzentrationsfähigkeit verlieren, was sich in der Folge auf die Leistung auswirkt.

Jaswal et al. (2021) haben gezeigt, dass Miso­kinesie-Sensitivität kein auf klinische Populationen beschränktes Phänomen ist, sondern eine grundlegende und bisher wohl unterschätzte soziale Herausforderung, die von vielen in der breiteren Allgemein­bevölkerung geteilt wir, zudem stellte man fest, dass Miso­kinesie mit dem Alter zunimmt und ältere Erwachsene von einem breiteren Spektrum von Heraus­forderungen berichteten. Häufig geht Miso­kinesie manchmal Hand in Hand mit Miso­phonie. Eine ausgeprägte Geräuschempfindlichkeit, die durch Kau- oder sogar Atemgeräusche, das Quietschen von Kreide an der Tafel oder andere Geräusche herausgefordert wird, ist auf eine kognitive Störung zurückzuführen, die im anterioren insularen Cortex eine Aktivität auslöst. Dieser Gehirnbereich aktiviert starke Emotionen wie Angst oder Wut, außerdem erhöhen sich das Stressempfinden und die Herzfrequenz und es kommt zu vermehrtem Schwitzen. Man vermutet, dass auch hier die berüchtigten Spiegel­neuronen im Spiel sind, denn diese Neuronen werden aktiviert, wenn man sich bewegt, aber auch, wenn man sieht, wie sich andere bewegen.

Literatur

Jaswal, Sumeet M., De Bleser, Andreas K. F. & Handy, Todd C. (2021). Misokinesia is a sensitivity to seeing others fidget that is prevalent in the general population. Scientific Reports, 11, doi:10.1038/s41598-021-9643.


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