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Weltwissen – auch Hintergrundwissen, konzeptionelles oder enzyklopädisches Wissen – beschreibt das einem Menschen verfügbare allgemeine Wissen, Kenntnisse und Erfahrungen über Umwelt und Gesellschaf, enthält also die im Gedächtnis gespeicherten Informationen über die Welt, in der er lebt und ohne die er nicht überleben könnte. Das Weltwissen ermöglicht es auch, neue Tatsachen einzuordnen und entsprechend zu handeln, auch wenn detaillierte Informationen noch fehlen und man sich etwa in deiner neuen Umgebung zurecht finden muss. Zum Weltwissen gehören zum Beispiel Hintergrundwissen und enzyklopädisches Wissen.

In der Psychologie wird das Weltwissen eines Menschen unter dem Aspekt des semantischen Gedächtnisses betrachtet, das in semantischen Netzwerken organisiert ist. Das semantische Gedächtnis umfasst dabei das gesamte Faktenwissen, das ein Mensch im Laufe seines Lebens anhäuft, also gemeinhin sein Allgemeinwissen. Im semantischen Gedächtnis werden die grundlegenden Bedeutungen von Wörtern, Begriffen und deren Zusammenhänge in abstrakter Form gespeichert. Man geht inzwischen davon aus, dass die Speicherung solcher Gedächtnisinhalte auf der Basis von verbalen und visuellen Codes erfolgt. Dabei werden eher sensorische Informationen und konkrete Sätze als Bilder gespeichert, während abstrakte Sätze eher verbal codiert werden. Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren haben gezeigt, dass das Niveau des Allgemeinwissens eng mit der strukturellen Vernetzung des Gehirns verknüpft ist, und zwar unabhängig von Alter oder Geschlecht. Diese funktionelle Verschaltung des Gehirns fördert nicht nur das Lernen und Merken neuer Informationen, sondern erleichtert offenbar auch ihr späteres Abrufen. Man nimmt an, dass einzelne Wissensinhalte in Form von Teilinformationen über das gesamte Gehirn verstreut abgespeichert sind, und um die Informationen, die in unterschiedlichen Gehirnarealen abgelegt sind, zusammenzufügen und einen Wissensinhalt erfolgreich abzurufen, ist eine effiziente Vernetzung des Gehirns unabdingbar.

Damit Menschen sich in der Welt zurechtfinden, ordnen sie die Informationen in Konzepte ein, doch war bisher jedoch unklar, wie das Gehirn diese abruft, wenn man die Objekte nicht direkt sehen, hören oder fühlen kann, sondern allein ihre Bezeichnung fällt. Konzepte wie Telefon bestehen vor allem aus sichtbaren Merkmalen, also Form und Farbe, sowie Geräuschen, etwa Klingeln, wozu noch Handlungen kommen, also wie man ein Telefon benutzen kann. Dieses Konzept Telefon entsteht im Gehirn aber nicht nur, wenn man ein Telefon konkret vor sich hat, sondern auch, wenn etwa in einem Gespräch lediglich das Wort fällt oder man das Wort Telefon in einem Buch liest, sodass das Gehirn ebenfalls das Konzept Telefon abrufen kann. Dabei werden im Gehirn dieselben Regionen aktiv, wie wenn man ein Telefon tatsächlich sehen, hören oder benutzen kann. Solches konzeptuelle Wissen ist zentral für die Kognitionen, wobei Forschungen darauf hindeuten, dass an der konzeptuellen Verarbeitung sowohl modalitätsspezifische perzeptuell-motorische Areale als auch multimodale Konvergenzzonen beteiligt sind, denn Studien zeigten, dass sowohl modalitätsspezifische als auch multimodale Regionen auf Klang- und Handlungsmerkmale von Konzepten in einer aufgabenabhängigen Weise reagieren. Kuhnke, Kiefer & Hartwigsen (2021) fanden nun heraus, dass die funktionelle Kopplung zwischen multimodalen und modalitätsspezifischen Arealen stark von der Aufgabe abhängt, also sowohl einen Top-down- als auch einen Bottom-up-Informationsfluss beinhaltet und konzeptuell gesteuertes Verhalten vorhersagt. Untersucht hat man solche Zusammenhänge mithilfe verschiedener Wort-Aufgaben, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lösen sollten, während sie im funktionellen Magnetresonanztomographen lagen. Hier sollten sie entscheiden, ob sie das genannte Objekt stark mit Geräuschen oder Handlungen verbinden. Dazu zeigten man ihnen Wörter aus vier Kategorien: Objekte, die man mit Geräuschen und Handlungen assoziiert (Gitarre), Objekte, die man mit Geräuschen, aber nicht mit Handlungen assoziiert (Propeller), Objekte, die man nicht mit Geräuschen, aber mit Handlungen assoziiert (Serviette), und schließlich Objekte, die man weder mit Geräuschen noch mit Handlungen verbindet (Satellit).

Bemerkenswert ist, dass man dabei auch eine Kopplung zwischen verschiedenen modalitätsspezifischen Arealen und zwischen verschiedenen multimodalen Arealen fand, was nahelegt, dass die funktionelle Kopplung im konzeptuellen System umfangreich, reziprok, aufgabenabhängig und verhaltensrelevant ist. Es gibt demnach neben Merkmalen, die auf Sinneseindrücken und Handlungen basieren, also noch weitere Kriterien, anhand derer Menschen Begriffe verstehen und einordnen, was sich im Versuch bei der Unterscheidung zeigte, ob es sich um echte oder erfundene Wörter handelt, denn hier wurde eine Areal (anteriore Temporallappen) aktiv, das weder für Handlungen noch für Geräusche zuständig ist. Dieses Areal scheint daher Konzepte wie abstrakt oder amodal zu verarbeiten, und das völlig losgelöst von Sinneseindrücken.

Daraus ergibt sich ein hierarchisches Modell, wie konzeptuelles Weltwissen im menschlichen Gehirn repräsentiert ist. Demnach werden Informationen von einer Hierarchieebene an die nächste weitergegeben und gleichzeitig bei jedem Schritt abstrakter, wobei auf der untersten Ebene die modalitätsspezifischen Areale liegen, die einzelne Sinneseindrücke oder Handlungen verarbeiten, die dann ihre Informationen an multimodale Regionen übertragen, die mehrere verknüpfte Wahrnehmungen gleichzeitig verarbeiten können, also etwa Geräusche und Handlungen. Auf der höchsten Ebene arbeiten dann amodale Areale, die von Sinneseindrücken losgelöste Merkmale repräsentieren, wobei je abstrakter dabei ein Merkmal ist, desto höher das Level, auf dem es verarbeitet wird, und desto weiter ist es von eigentlichen Sinneseindrücken entfernt.


Auch in der Robotik spielt Weltwissen ebenfalls eine wichtige Rolle, da Rechner trotz ihrer Überlegenheit in der Informationsverarbeitung viele Aufgaben allein deshalb nicht lösen können, weil sie nicht selbst über ausreichendes Weltwissen verfügen.

Literatur

Kuhnke, Philipp, Kiefer, Markus & Hartwigsen, Gesa (2021). Task-Dependent Functional and Effective Connectivity during Conceptual Processing. Cerebral Cortex, doi:10.1093/cercor/bhab026.
Stangl, W. (2011). Stichwort: ’semantisches Gedächtnis‘. Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik.
WWW: https://lexikon.stangl.eu/3128/semantisches-gedachtnis (11-05-04)