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Der Benjamin-Effekt ist ein Begriff aus der Arbeits- und Organisationspsychologie und beschreibt das Phänomen, dass man Menschen, die jünger sind, generell geringere Kompetenzen zuschreibt als älteren, denn so hält man etwa Menschen, die erst kürzlich in einer Funktion oder in einem Unternehmen tätig sind, für weniger fähig als MitarbeiterInnen, die schon länger beschäftigt sind. Dieser Effekt bei der Beurteilung bleibt auch dann bestehen, auch wenn man sich der tatsächlichen Leistung bewusst ist.

Der Benjamin-Effekt findet sich häufig auch im Zusammenhang mit Bewerbungen in Organisationen. Viele junge Beschäftigte kennen diesen Benjamin-Effekt, denn je kürzer sie im Arbeitsleben und je jünger sie sind, desto kritischer fällt die Beurteilung aus. Eine Beurteilung, die jedoch lediglich auf der Tatsache mangelnder Berufserfahrung und nicht auf den tatsächlich erbrachten Leistungen basiert, wird der Mitarbeiterin oder dem Mitarbeiter gegenüber nicht gerecht.

Der Gegensatz zum Benjamin-Effekt ist das Senioritätsprinzip, wobei bei der Beurteilung von MitarbeiterInnen Alter und Erfahrung mehr als die erbrachten Leistungen zählen. Das hat zur Folge, dass MitarbeiterInnen mit einer hohen Anzahl an Dienst- oder Lebensjahren bei Beförderungen grundsätzlich den Vorzug erhalten, und zwar unabhängig davon, ob und was sie bei ihrer Arbeit leisten oder geleistet haben. Auch hier liegt eine Wahrnehmungsverzerrung vor.

Dieser Benjamin Effekt kann übrigens auch auftreten, wenn Menschen im Vergleich zu ihrem Lebensalter wesentlich jünger wirken.

Der Benjamin-Effekt beschreibt demnach die Unterschätzung eines Menschen in einer Beurteilungssituation aus Status-Gründen und ist gewissermaßen der Gegenspieler des Hierarchie-Effekts. Hier steht allerdings weniger die Hierarchie-Position als vielmehr die Dauer etwa der Unternehmenszugehörigkeit sowie das Alter der betreffenden Person im Mittelpunkt. Jungen Kandidaten, die erst seit relativ kurzer Zeit Teil eines Unternehmens sind, wird dann ungeachtet ihrer tatsächlichen Leistung pauschal weniger zugetraut als älteren, alteingesessenen Mitarbeitern. Dieser Effekt zählt zur Gruppe der Halo-Effekte. Hinzu kommt, je kürzer Menschen auf einem Arbeitsplatz sind und je jünger sie sind, umso strenger werden sie beurteilt. Diese strengere Beurteilung von jüngeren Mitarbeitern trägt mit dazu bei, dass das Senioritätsprinzip („Alter geht vor Leistung“ – oder „jeder ist einmal an der Reihe“) bei Beförderungen eingehalten wird.