Gähnen

    Das Gähnen ist ein bei Tieren und Menschen auftretendes reflexartiges Verhalten, und steht häufig im Zusammenhang mit Müdigkeit. Der Vorgang beginnt mit einem tiefen Atemzug, in dessen Verlauf der Mund weit geöffnet wird und endet mit Schließen des Mundes bei gleichzeitiger Ausatmung. Begleitet wird das Gähnen meist durch ein Zusammenkneifen der Augen, erhöhten Tränenfluss und häufig auch ein Strecken des Körpers. Wer in der Gegenwart anderer gähnt, erweckt oft unfreiwillig einen negativen Eindruck, so dass es verständlich ist, dass man versucht das Gähnen zu unterdrücken (s. u.).

    Dabei ist weder mangelnder Sauerstoff noch schlechte Luft in der Lunge ein Grund für das Gähnen, sondern man geht heute davon aus, dass Gähnen dazu dient, die Temperatur des Gehirns zu regulieren, denn wird der Kopf zu warm, setzt der Körper Kühlmechanismen in Gang, um zur optimalen Temperatur zurückzukehren. Beim Gähnen atmet man kühlere Luft ein, die das Blut und dadurch auch das Gehirn abkühlen soll. Gähnen verändert demnach die Frequenz und die Temperatur des Blutstroms zum Gehirn. Morgendliches und abendliches Gähnen lässt sich dadurch so erklären, dass zu diesen beiden Zeitpunkten die Körpertemperatur am höchsten ist und Gähnen daher dabei hilft, den Übergang vom Wach- zum Schlafzustand bzw. umgekehrt reibungslos zu ermöglichen. Das würde auch erklären, warum Menschen im Sommer etwas mehr gähnen als in kühleren Jahreszeiten. Eine weitere Theorie ist übrigens, dass Gähnen den Druck auf die Ohren vermindern soll, denn neben dem bewusst ausgeführten Druckausgleich durch Zuhalten der Nase zur Unterdrückung ist Gähnen auch ein eher unbewusstes Mittel, um im Flugzeug den Druck, der auf den Ohren bei Start und Landung entsteht, zu verringern.

    Auch wenn der Akt des Gähnens bei allen Menschen sehr ähnlich aussieht, sind die Ursachen dafür oft vielfältig wie die Funktionen. Gähnen selber ist aber eine reflexartige Handlung, die im Gehirn auf mehreren Ebenen koordiniert wird. Das Gähnen, das meist rund fünf bis sechs Sekunden dauert und oft mehrmals hintereinander geschieht, wird durch Veränderungen der Gehirnchemie ausgelöst, und zeigt, dass ein sehr komplexes System dahintersteckt und dass Gähnen vermutlich viele verschiedene Funktionen hat. In einer Studie wurden zwei Gehirnrezeptoren entdeckt, die das Gähnen auslösen und beenden. Die Rezeptoren, die bei der Übermittlung von Informationen eine Rolle spielen, arbeiten mit Dopamin. Morgens ist das Dopamin-Level am höchsten, was erklären könnte, warum Menschen oft nach dem Aufwachen gähnen.

    Die Ansteckungsgefahr beim Gähnen hängt nach Untersuchungen auch von der Erregbarkeit eines Teils der Großhirnrinde ab, und zwar vom Motorcortex, der absichtliche Bewegungen steuert. Ansteckendes Gähnen ist somit ein Echophänomen, wobei Echophänomene auch bei bestimmten Krankheiten wie Epilepsie, Demenz, Autismus oder dem Tourette-Syndrom eine Rolle spielen, denn auch bei diesen Krankheiten wurde ein Zusammenhang mit der Erregbarkeit der Großhirnrinde hergestellt. Man konnte auch zeigen, dass schizophrene Menschen ebenfalls signifikant seltener vom Gähnen anderer angesteckt werden. Es gibt daher auch klinische, neurobiologische und psychologische Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen ansteckendem Gähnen und Empathie. Übrigens sind nach einer Untersuchung Kinder, bevor sie das Schulalter erreichen, weitgehend unempfänglich für ansteckendes Gähnen, denn erst bei Kindern mit vier bis fünf Jahren konnte ansteckendes Gähnen beobachtet werden.

    Übrigens wird der Gähndruck größer, sobald das Gähnen unterdrückt werden soll, denn wenn man Widerstand leistet, versucht einen Drang zu unterdrücken, dann wird dieser erst richtig spürbar.

    Übrigens gähnen bereits Föten ab dem sechsten Monat, d. h., sie bewegen Mund so, wie es Menschen beim Gähnen tun, doch gähnen sie umso seltener, je näher die Geburt rückt.

    Viele Tiere gähnen ebenfalls, wobei Hunde gähnen, um sich zu beruhigen, Katzen zur Begrüßung, Kaninchen nach dem Aufwachen und strecken sich dabei, wobei das Gähnen vermutlich eine Übersprungshandlung darstellt, denn ist das Tier unsicher, versucht es sich damit zu beruhigen, vor allem wenn es nicht weiß, ob es fliehen oder bleiben soll. Wann in der Evolution das Gähnen entstanden ist, lässt sich aber dennoch nicht eindeutig bestimmten. Das Gähnen von Schlagen ist vermutlich eine Fehlinterpretation, denn diese renken dadurch nur ihren Kauapparat wieder ein.

    Anmerkung: Da Gähnen von Menschen oft mit Langeweile oder Desinteresse verbunden wird, gilt es heutzutage als unhöflich, etwa bei einem Konzert, in einem Treffen oder bei einer Feier zu gähnen, sodass man das Gähnen zu verbergen sucht, indem man die Hand vor den Mund hält. Es gibt viele verschiedene Methoden, um zu verhindern, dass man gähnt. So verhindert Kühlung nachweislich den Drang zu gähnen, indem man etwa eine kalte Flasche an den Kopf presst, oder etwas kaltes Wasser auf die Stirn tupft. Auch durch ein Berühren der der Zungenspitze sollte sich der Gähnzwang reduzieren. Auch kann das Kauen von Kaugummi das Gähnen ein wenig einbremsen.

    Literatur

    Stangl, W. (2014). Nonverbale Signale und das Erkennen der Persönlichkeit. [werner stangl]s arbeitsblätter.
    WWW: https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/KOMMUNIKATION/KommNonverbale4.shtml (2014-07-21).

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