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Halo-Effekt


Der Halo-Effekt (engl. halo effect; hergeleitet vom Lichteffekt „Halo“, daher auch Hof-Effekt oder Halo-Hof-Effekt) oder Überstrahlungseffekt ist ein Beurteilungsfehler bzw. eine Wahrnehmungsverzerrung. In der Personenwahrnehmung gibt es aber zahlreiche andere Effekte, die die Wahrnehmung einer Person und somit auch die Bewertungen von Eigenschaften oder Merkmalen der Person beeinflussen. Eine dieser Wahrnehmungsverzerrungen ist der Halo-Effekt, der zum Bereich der sozialen Wahrnehmung gehört. Diese kognitive Verzerrung wird manchmal auch als Heiligenschein-Effekt bezeichnet, da im zwischenmenschlichen Kontakt oft ein einziges positives Persönlichkeitsmerkmal die gesamte Person in einem gutem Licht erscheinen lässt. Manche Menschen machen sich das zunutze, indem sie bei neuen Bekanntschaften darauf achten, dass die ersten preisgegebenen Informationen über die eigene Person einen möglichst sympathischen Eindruck vermitteln, denn diese erste eine Eigenschaft dominiert später den Gesamteindruck. Das Gegenüber wird auf Basis dieser spärlichen, aber als positiv erachteten Kenntnisse über die eben kennengelernte Person ein Persönlichkeitsbild konstruieren, bei dem eben jene forcierten Attribute den Gesamteindruck dominieren. Dabei ist auch die Reihenfolge, in der man Informationen über eine Person erhält, entscheidend, denn zuerst erfahrene Merkmale werden stärker gewichtet als nachfolgende – sieh dazu Priming. Handelt es sich dabei noch um ein Merkmal, dass das Gegenüber schätzt, können selbst negative Eigenschaften, von denen die andere Person in der Regel erst nach und nach Kenntnis nimmt, davon überlagert werden. So empfiehlt es sich bei Vorstellungsgesprächen eigene Vorzüge gleich zu Beginn des Gesprächs möglichst unauffällig herausstellen, um weitere Informationen zur eigenen Person im Laufe des Gesprächs mit jenem Heiligenschein zu versehen. Siehe dazu allgemein auch weitere Fehler bei der Beurteilung von Menschen.

Der Begriff wurde im 19. Jahrhundert von Edward Lee Thorndike in die Psychologie eingeführt. Das klassische Experiment wurde schon 1920 von Edward Lee Thorndike beschrieben, der während des Ersten Weltkriegs erforschte, wie in der Armee Vorgesetzte ihre Untergebenen beurteilen. So bat er Offiziere, ihre Soldaten nach solchen Gesichtspunkten zu bewerten: Kondition, Charakter, Führungsqualitäten, Intelligenz und mehr. Ihm fiel dabei auf, dass Soldaten mit hübschem Gesicht und einer guten Körperhaltung in fast allen Bereichen gute Bewertungen erhielten, während Soldaten mit einem weniger einnehmenden Äußeren in fast allen Bereichen schlechter eingeschätzt wurden. Diese Hypothese wurde später vielfach bestätigt, denn so gelten Brillenträger oft als klug, Dicke als gemütlich, Menschen mit zusammengewachsenen Augenbrauen als minderbegabt, schöne Menschen als sympathisch und hässliche als unsympathisch.

Der Halo-Effekt bezeichnet vor allem jene unbewusste Wahrnehmungsverzerrung, die sich bei jeder Begegnung mit anderen Menschen unwillkürlich vollzieht, sei es mit einer bekannten oder unbekannten Person. Dieser Halo-Effekt fließt in den positiven oder negativen Gesamteindruck einer Person bei der Bewertung von Eigenschaften mit ein, sodass man somit auch andere Eigenschaften durchaus positiv beurteilt, obwohl man sie weder aktuell beobachtet hat noch diese schlüssig ableitbar sind. Diese Fehlbeurteilung entsteht somit aus einer allgemein positiven Einschätzung von Eigenschaften einer Person, welche gar nicht beobachtbar sind und über die man keine Informationen besitzt. Gleiches gilt für vermutete negative Merkmale einer Person – z. B. unordentliche Kleidung, ungeschickte Ausdrucksweise -, die ebenfalls auf nicht beobachtete Merkmale generalisiert werden.

Dieser Effekt hängt mit der Neigung von Menschen zusammen, sich bei jeder Begegnung rasch einen Gesamteindruck des Gegenüber zu verschaffen. Auf Grund dieses Eindrucks wählen Menschen dann ihr Verhaltensweisen gegenüber dieser Person, etwa einen passenden Kommunikationsstil. Kommt es nun auf Grund des Halo-Effekts zu einer Fehlbeurteilung, entspricht also die Reaktion der Person nicht den Erwartungen, so hat das zur Folge, dass man durch das Verhalten irritiert werden kann.

Generell werden unbewusst weniger attraktive Personen vermehrt auch als langweilig, unintelligent und erfolglos empfunden, während attraktivere Personen hingegen als deutlich freundlicher, intelligenter, zufriedener und erfolgreicher eingeschätzt werden. als die unattraktiveren. Vor allem Kinder und Jugendliche sind in ihren Urteilen stark vom Halo-Effekt beeinflusst, sodass sie diese etwa auf Grund ihres äußeren Erscheinungsbildes oft als Vorbilder ansehen. Der Halo-Effekt spielt eine bedeutende Rolle auch bei der Entstehung von Vorurteilen.

Attraktiven Menschen werden übrigens auch Kompetenzen zugeschrieben, die mit der Attraktivität überhaupt nichts zu tun haben, sodass positive Persönlichkeitsmerkmale wie Offenheit oder auch Humor hervorstechen können, was dann andere Stärken und Schwächen überstrahlt und zu einer Wirklichkeitsverzerrung führt. Im Berufsalltag können Äußerlichkeiten von Menschen auch zur Hürde werden, etwa bei der Beurteilung der Leistung, bei Beförderungen, die nicht auf der Arbeitsleistung basieren oder bei Konflikten.

Akustische vs visuelle Personenwahrnehmung

Das Einordnen von Menschen in soziale Kategorien, ein Prozess der sozialen bzw. Personenwahrnehmung, etwa nach ethnischer Zugehörigkeit, passiert spontan und hilft den Menschen, die komplexe Welt einfacher und damit verständlicher zu machen und so leichter mit Komplexität umgehen zu können. Aus einer solchen Kategorisierung kann bekanntlich auch eine unreflektierte Bewertung über Stereotype werden und zur Diskriminierung von bestimmten Menschen führen. Bisher ist man davon ausgegangen, dass visuelle Eindrücke bei der Kategorisierung fremder Personen Priorität haben. Tamara Rakic et al. (2010) belegen nun in einer Untersuchung die Bedeutung der Sprache für die ethnische Zuordnung, denn mit der Sprache werden nicht nur Informationen übermittelt, sondern die Sprache selbst liefert Informationen über die Person, die spricht. An der Sprache lässt sich einiges über Temperament, Alter oder Gemütszustand ableiten, und wer mit einem Akzent spricht, der verrät meist seine ethnische Herkunft. in der Studie hat man Versuchspersonen Fotos von deutsch und italienisch aussehenden Personen zusammen mit einem schriftlichen Statement der Abgebildeten gezeigt. Anschließend mussten die Versuchspersonen die Aussagen diesen Personen wieder korrekt zuordnen. Im Einklang mit früheren Befunden wurden hierbei Verwechslungsfehler bevorzugt innerhalb der Gruppen der deutsch aussehenden und der italienisch aussehenden Personen gemacht, Aussagen von deutsch aussehenden wurden aber nicht fälschlicherweise italienisch aussehenden zugeordnet (oder umgekehrt). Interessant wurde es jedoch, als Akzente hinzukamen: Nun sprachen deutsch aussehende Personen einmal hochdeutsch und einmal mit italienischem Akzent, ebenso italienisch aussehende Menschen. Dabei zeigte sich, dass sich die Versuchpersonen bei der Kategorisierung nahezu ausschließlich am gesprochenen Akzent orientierten, während das Aussehen – das im ersten Experiment, in Abwesenheit weiterer Information, zur Kategorisierung herangezogen wurde – nun keine Rolle mehr spielte. Dies belegt die große Bedeutung der Sprache als Informationsquelle bei der ethnischen Kategorisierung von Personen und steht im Einklang damit, dass akzentfreie Sprache auch bei der Integration eine entscheidende Rolle spielt.

Der Halo-Effekt wird auch in Erwartungshaltungen über das Verhalten der Mitmenschen wirksam, denn diese bestimmt maßgeblich, ob Menschen miteinander kooperieren. Ursprüngliche Erwartungen, also in der Regel Vorurteile, sind zudem schwer zu revidieren, wobei dies vor allem gilt, wenn es sich um eine negative Vorstellung handelt. Die eigene Erwartung wird dann zusätzlich zur selbsterfüllenden Prophezeiung, denn wer bei seinen Mitmenschen etwa von Egoismus ausgeht, trifft dann tatsächlich häufiger auf unkooperatives Verhalten bei seinen Mitmenschen, und generalisiert diese negativ bewertete Eigenschaft auch auf andere Bereich der Persönlichkeit des Beurteilten. Auch die Wohngegenden, in denen Menschen leben, haben so einen Halo-Effekt, wobei schon kleine Details wie kaputte Scheiben in verlassenen Gebäuden oder Müll auf den Straßen desolate Zustände wie die komplette Verwahrlosung eines Quartiers nach sich ziehen, und als Anzeichen der Verwahrlosung Menschen den Eindruck vermitteln, dass dort die sozialen Normen außer Kraft sind.

Auch Kleider machen Leute

Auch Bekleidung lässt Menschen als fähig oder unfähig erscheinen, wobei Menschen andere Menschen innerhalb eines Bruchteils einer Sekunde auch auf Grund ihrer Kleidung beurteilen, denn wie Oh et al. (2019) in Experimenten gezeigt haben, wird jenen Menschen, die aufgrund ihrer Bekleidung reicher wirken, tendenziell mehr zugetraut. Dabei hatte man untersucht, wie Probanden ein und dieselbe Person abhängig von ihrer Oberbekleidung einschätzen. In mehr als achtzig Prozent der Fälle wurde ein und dasselbe Gesicht als fähiger eingestuft, wenn es auf einen Oberkörper mit reicher wirkender Kleidung montiert war, und zwar sogar dann, wenn ein Bild für nur 129 Millisekunden gezeigt wurde. Auch wenn die ProbandInnen explizit gebeten wurden, nicht auf die Kleidung zu achten, hielten sie mehrheitlich Gesichter mit reicher wirkender Kleidung für fähiger. Diese Effekte stimmen mit jenen Arbeiten überein, die gezeigt hatten, dass Menschen mit niedrigerem ökonomischen Status als weniger fähig empfunden werden, was häufig auch zu sozialer Ausgrenzung mit Nachteilen für die körperliche und psychische Gesundheit führen kann.

Halo-Effekt auch bei Gegenständen wie Lebensmitteln

Der Halo-Effekt wirkt sich aber nicht nur bei der Beurteilung von Menschen aus, sondern auch bei Gegenständen wie Produkten im Supermarkt. Liest man auf dem Etikett etwa das Wort biologisch, natürlich oder zuckerfrei, beurteilt man das Lebensmittel oft auch als gesund und wertvoll. Untersuchungen haben gezeigt, dass viele KonsumentInnen fettreiche Erdäpfelchips oder kalorienreiche Kekse automatisch für fett- und kalorienärmer halten, wenn diese ein Bio-Siegel tragen. Menschen glauben daher auch automatisch, dass ein Diät- oder Light-Produkt gesund ist, obwohl das für diese Lebensmittel überhaupt nicht zutrifft.

Literatur

Oh, Dongwon, Shafir, Eldar & Todorov, Alexander (2019). Economic Status Cues from Clothes Affect Perceived Competence from Faces. Nature Human Behaviour, doi: 10.1038/s41562-019-0782-4.
Rakic, T., Steffens, M.C. & Mummendey, A. (2010). Blinded by the accent! The minor role of looks in ethnic categorization. Journal of Personality and Social Psychology, DOI: 10.1037/a0021522
Thorndike, E. L. (1920). A constant error in psychological rating. Journal of Applied Psychology, 4, 25–29.


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