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self-fulfilling prophecy


Robert King Merton definierte den Begriff der self-fulfilling prophecy, der selbsterfüllenden Vorhersage, und erklärte mit dieser Theorie eine unbewusst ablaufende Verhaltensänderung bzw. -steuerung, die dazu führt, dass sich eine Erwartung oder Befürchtung tatsächlich erfüllt. Auf diese Art und Weise funktionieren beispielsweise Prophezeiungen von WahrsagerInnen, aber auch die normalen Horoskope, denn die Voraussage, man werde in den nächsten Tagen einen Unfall haben, kann manche Menschen derart verunsichern, dass das eigene Verhalten einen Unfall provoziert.

Im häufig zitierten klassischen Experiment von Rosenthal & Jacobson – nach vorangegangenen Versuchen an Albino-Ratten – täuschte man Lehrern an Grundschulen vor, bei 20 Prozent der Schüler nach einem IQ-Test enormes Entwicklungspotenzial entdeckt zu haben. Fast die Hälfte der zufällig einer der Gruppen zugeteilten Kinder steigerten ihren Intelligenzquotienten um 20 Punkte, ein Fünftel gar um 30 Punkte oder noch mehr, wobei es vor allem schlechtere Schüler waren, die sich verbesserten. Man vermutete, dass die Lehrer sich mehr um sie bemühten,  geduldiger waren und mehr positives Feedback gaben. Spätere Studien konnten diese Ergebnisse allerdings nicht in gleichem Ausmaß bestätigen. Siehe auch der Rosenthal-Effekt.

Gramling et al. (2010) zeigten in einer Studie, dass  Männer, die glaubten, ein geringes Risiko für Herzinfarkte zu haben, in der Folge dreimal seltener Herzinfarkte als andere erlitten, und zwar  unabhängig davon, ob sie tatsächlich genetisch bedingt ein hohes oder niedriges Risiko hatten.

Mothes et al. (2017) haben herausgefunden, dass die eigenen Erwartungen einen starken Einfluss darauf haben, wie anstrengend Sport erlebt wird, wobei das Anstrengungserleben eine wesentliche Rolle spielt, was die Sporttreibenden über sich selbst denken. Die Ergebnisse zeigen im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung, dass die Trainingseinheit für Probanden dann weniger anstrengend ist, wenn sie mit positiven Erwartungen an das Training herangehen, wobei dieser Effekt umso stärker ist, je sportlicher man sich selbst empfindet. Jenen Menschen, die sich als unsportlich einschätzen, nutzen die positiven Erwartungen jedoch nicht, denn sie erleben eine Trainingseinheit trotzdem als anstrengend. Kurz: Es ist nicht gleichgültig, was man über Sport und seine Wirkung denkt, wenn man diesen betreibt!

Merton erwähnte auch schon die selbstzerstörende Prophezeiung (suicidal prophecy), also das Gegenstück der selbsterfüllenden Prophezeiung, die das menschliche Verhalten im Vergleich zu dem Weg, den es ohne die Prophezeiung genommen hätte, auf eine Weise ändert, dass sie sich nicht erfüllt, d. h. die Voraussage zerstört sich selbst. So können Wahlprognosen bewirken, dass ein vorhergesagtes Ergebnis gerade nicht eintritt, weil die Wähler auf diese Vorhersage reagieren und anders wählen, also sie vor der Prophezeiung gewählt hätten.

Historisches: Schon der Ökonom Otto Neurath verwendete bereits 1911 den Begriff der selbsterfüllenden Prophezeiung.

Literatur

Gramling, R., Heffner, K.L., Klein, W.M., Zajac, L.E., Roberts, M. & Eaton, C.B. (2010). Is the association between optimistic cardiovascular risk perceptions and lower rates of cardiovascular disease mortality explained by biomarkers of systemic inflammation or endothelial function? A case-cohort study. BioPsychoSocial medicine. doi:10.1186/1751-0759-4-11.
Mothes, H., Leukel, C., Seelig, H. & Fuchs, R. (2017). Do placebo expectations influence perceived exertion during physical exercise? PLOS ONE, doi:10.1371/journal.pone.0180434.


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