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Farbpsychologie

Farben können die verschiedensten Reaktionen und Assoziationen in Menschen auslösen, wobei diese Empfindungen nicht nur abhängig von den individuellen Erfahrungen, sondern auch durch Jahrhunderte alte Überlieferungen bestimmt werden. Die Psychologie hat sich eingehend mit der Wirkung von Farben auf einen Betrachter, insbesondere mit der Wirkung der Farben auf den Gemütszustand von Menschen beschäftigt. Dabei gibt es keine allgemeingültigen Regeln, denn zum einen empfinden etwa Asiaten Farben ganz anders als Europäer, zum anderen können sie in verschiedenen Tonstufen unterschiedlich wirken. Auch wenn Farben in verschiedenen Kulturen verschiedene Bedeutungen haben, kann man doch Übereinstimmungen finden. So klassifiziert man Rot als warme Farbe, Blau hingegen wird eher als kalt empfunden, denn als archetypisches Kriterium steht Rot für das Feuer, aber auch für Krieg und Gewalt, während Blau ebenso den Himmel, den Raum und die Ewigkeit symbolisiert. Grün symbolisiert häufig die Fruchtbarkeit und den Frieden, während Gelb mit Neid, Verrat und Feigheit in Verbindung gebracht wird.

Allerdings sollte man Ergebnisse von Farbtests (s. u.) nicht überbewerten, doch die Wirkungen und Assoziationen, die bestimmte Farben auslösen, sind bei vielen Menschen gleich, und zwar unabhängig von Kultur, Alter oder Geschlecht: So gilt etwa Rot als aufmerksamkeitsserregend, Gelb als heiter, Grün als beständig oder Blau als beruhigend. Warme Farben wie Gelb, Orange und Rot regen nachweislich den Appetit an, weshalb sie oft für Lebensmittelverpackungen eingesetzt werden, während das kühle Blau für Frische steht und sich deshalb auf Hygiene- oder Tiefkühlartikeln findet.

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Signalfarbe Rot

Überlegungen zur Evolutionstheorie legen den Schluss nahe, dass vor allem die Farbe Rot für Menschen als ein Signal fungiert und dadurch die Bedeutung eines Objekts anzeigt, doch gab es bisher keinen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass sich diese Signalfunktion der Farbe Rot auch auf das menschliche Gedächtnis und somit die Merkfähigkeit auswirkt. Kuhbandner et al. (2015) führten deshalb mehrere Experimente durch, bei denen Probanden Objekte (Wörter, Gegenstände usw.) in rot, grün, blau und gelb gezeigt wurden, wobei man im Anschluss erfasste, wie gut Versuchspersonen sich an unterschiedliche Objekte und an die jeweilige Farbe des Objekts erinnern konnten. Es zeigte sich, dass die Farbe keinen messbaren Einfluss auf die allgemeine Erinnerung an die bloße Anwesenheit bestimmter Objekte hatte, jedoch beeinflusste die Farbe der Objekte die Erinnerung an die Farbe selbst. Die Fähigkeit, sich die Farbe eines Objekts zu merken, ist offensichtlich von der Farbe selbst abhängig, d. h., man kann sich später relativ gut an die Farbe eines bestimmten Objekts erinnern, wenn dieses rot oder gelb ist. Bei blau ist die Gedächtnisleistung nur mittelmäßig, bei grün sogar vergleichsweise schlecht. Es zeigte sich auch, dass dieser Effekt unabhängig von der Art der Objekte ist und auch unabhängig davon, ob man versucht, sich die Farben bewusst einzuprägen oder man sie nur nebenbei wahrnimmt. Die Experimente zeigten auch, dass die Farbe vor allem Einfluss auf das subjektive Urteilsvermögen hinsichtlich der eigenen Farberinnerungen hat, denn so gaben die Probanden vor allem bei roten Objekten in Bezug auf die Richtigkeit ihrer Farberinnerungen sehr zuverlässige Urteile ab, während sie eher sehr unzuverlässig bei grünen Objekten waren.


Nach Max Lüscher lässt das persönliche Urteil über eine Farbe Rückschlüsse auf die Persönlichkeit des Beurteilenden zu, wofür er 1947 den Lüscher-Farb-Test entwickelte. Nach Ansicht von Max Lüscher ist die Sprache der Seele die Farbe. Seine Farb-Diagnostik wurde immer wieder überarbeitet, modifiziert und verbessert und ermöglicht heute auch Einblicke in die Leistungsfähigkeit und Stressverträglichkeit, das Selbstbild und die Zukunftserwartungen eines Menschen. Erkenntnisse aus diesem Test werden heute nicht nur bei der Personalauswahl sondern auch im Produktdesign, in der Medizin und im Sport eingesetzt. Hinsichtlich der persönlichen Präferenz von Farben stehen diese für folgende Merkmale:

  • Rot: Selbstbewusstsein, Stärke, Vitalität, Leidenschaft, Aktivität, Dynamik, Konkurrenz, Erotik
  • Blau: Zufriedenheit, Ruhe, Ausgeglichenheit, Wohlbehagen, Harmonie, Nachdenklichkeit, Empathie, Bindung
  • Gelb: Entfaltung, Freiheitsstreben, Neugier, Spontaneität, Offenheit, Erwartung, Kreativität, Heiterkeit
  • Grün: Selbstachtung, Würde, Stabilität, Ausdauer, Ehrgefühl, Autorität, Geltungsanspruch, Durchsetzungsvermögen, Autonomie
  • Pink: Einfühlungsvermögen, Sensibilität, Faszination, Charme, Hingabe, Kritiklosigkeit, Geheimniskrämerei
  • Schwarz: Leistungswillen, Unnahbarkeit, Ernst, Intoleranz, Zwang, Rücksichtslosigkeit, Auflehnung
  • Braun: Genuss, Sinnlichkeit, Sanftmut, Wärme, Bequemlichkeit, Einfallslosigkeit
  • Grau: Neutralität, Distanz, Gleichgültigkeit, Bezugslosigkeit, Abschirmung

Literatur

Kuhbandner, C., Spitzer, B., Lichtenfeld, S. & Pekrun, R. (). Differential Binding of Colors to Objects in Memory: Red and Yellow Stick Better Than Blue and Green. Frontiers in Psychology, 6. doi: 10.3389/fpsyg.2015.00231
Lüscher, Max (2013). Der 4-Farben-Mensch. Wege zum inneren Gleichgewicht. Ullstein.
Lüscher, Max (2011). Lüscher-Color-Diagnostik. 1 DVD. Competence Center.

Bildquelle

http://cdn.groovecommerce.com/ (13-02-21)



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