Lüscher-Test

    Eine heile Welt kann immer nur deine eigene Innenwelt sein,
    sofern du dein Ich im Gleichgewicht hältst.
    Max Lüscher

    Nach Ansicht von Max Lüscher ist die Sprache der Seele die Farbe, denn für ihn sind Farben die Muttersprache des Unbewussten. Farben, die man auswählt, etwa bestimmte Lieblingsfarben, geben demnach auch Auskunft über die Befindlichkeit des jeweiligen Menschen und stellen einen Schlüssel für dessen Seele dar. Sein Ansatz war ein Gegenentwurf zur traditionellen Psychologie und deren Erklärungen, wobei die Farbwahrnehmung in allen Kulturen genau gleich und damit objektiv und universell sei. Die subjektive Bewertung (sympathisch, unsympathisch) einer Farbe zeige somit den psychisch-vegetativen Zustand.

    Der Lüscher-Test, ein projektiver Test in zahlreichen Sprachvarianten erhältlich, beschreibt als „Röntgenbild der Psyche“ differenziert unterschiedliche Lebens- und Verhaltensbereiche, z.B. die Krankheitsdisposition, die Leistungs- und Kommunikationsfähigkeit, die Partnerbeziehung, die persönliche Konfliktsituatione und auch deren Lösung. Da die Farbwahlen unbewusst gesteuert werden, zeigen sie den Menschen, wie er wirklich ist, und nicht wie bei einer direkten Befragung oder in einem Fragebogen, wie er sich selber sieht oder gerne gesehen werden möchte.

    Problematisch und umstritten ist bei Farb-Tests die Wahl der Testfarben und die Verallgemeinerung der Testergebnisse. Zu den bekannten bis heute durchgeführten Tests gehört der »Lüscher-Test«, wobei Lüscher davon ausging, dass die physiologische Wahrnehmung von Farben objektiv und universal, die Bevorzugung von Farben jedoch subjektiv ist. Testpersonen müssen in diesem Test ausgewählte Farbkärtchen nach persönlichen Präferenzen sortieren, angefangen von ihrer Lieblingsfarbe bis zu der Farbe, die sie am wenigsten schätzen. Anhand der dargelegten Farbfolge soll sich der seelisch-körperliche Zustand der betreffenden Testperson feststellen lassen, denn nach Erkenntnissen Lüschers wird die Farbwahl unbewusst gesteuert. In seiner ersten Fassung aus den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts arbeitete der Farbdiagnostiker noch mit 73 bunten Farbkärtchen, die er den Testpersonen zur Auswahl vorlegte. Die aktuelle Version stützt sich auf 23 Farben, wobei im Mittelpunkt die vier Farben Grün, Blau, Rot und Gelb stehen, die auf psychologischer Basis in selbstbewusst (autonom) und unbewusst (heteronom) gesteuertes Verhalten gegenüber den Farben weiter unterteilt werden.

    Lüscher hat aus den Bevorzugungen der vier Hauptfarben, auch im Rückgriff auf deren antike Zuordnungen zu den vier Elementen, den »4-Farben-Menschen« mit einem zugeordneten 4-Farben-Selbstwertgefühl und einem 4-Farben-Denktyp abgeleitet: Eine Person mit der Vorzugsfarbe Gelb besitzt demnach die innere Freiheit zur Selbstentfaltung, sie gehört zum rezeptiven Denktyp; zugeordnet ist das Symbolelement Luft. Eine Person mit der Vorzugfarbe Rot besitzt eine Selbst-Erregungsaktivität, die zu Selbstvertrauen führt; sie gehört zum provokativen Denktyp; zugeordnet ist das Element Feuer. Eine Person mit der Vorzugsfarbe Blau zeigt Ruhe und Zufriedenheit, die zur Einordnung führen; sie gehört zum reflexiven Denkertyp; zugeordnet ist das Element Wasser. Eine Person mit der Vorzugsfarbe Grün leitet aus der Selbstfestigkeit und Beharrung eine Selbstachtung ab; sie gehört zum objektiven Denkertyp; zugeordnet ist das Element Erde. Ein Idealtyp würde alle vier Selbstwerte zeigen.

    Das Verhältnis zwischen autonomen und heteronomen Verhalten kann aktiv oder passiv sein, sodass sich entsprechend den Farbtönen jeweils vier Paare ergeben. So ist etwa das heteronome, aktive Blau das Cyan(blau) des Sommerhimmels, es steht für Befreiung und Freiheit; das autonome, aktive Blau ist Ultramarin mit Rotanteilen, das Macht und Autorität widerspiegelt. Das Türkis(blau) ist das autonome, passive Blau aufgrund seines Grünanteils steht es für Lebensqualität; das Blau des mitternächtlichen Himmels vertritt das heteronome, passive Blau und steht für Traumphantasien. Hinzu kommen noch Braun und Violett sowie fünf neutrale Farben. Anhand der Farbwahl aus diesen 23 Farben lässt sich mit Hilfe des »Lüscher-Tests« ein Persönlichkeitsprofil erstellen, das Rückschlüsse auf die Belastbarkeit, sowie die Leistungs- und Kommunikationsfähigkeit der betreffenden Person ermöglichen soll. Dieser Test wird in der ethnologischen Forschung, in der medizinischen Diagnosis und Therapie, in der Gerontologie, bei der Eheberatung und bei der Personalauswahl eingesetzt.

    Link: http://www.luscher-color.ch/ (12-11-21)

    Literatur

    Lüscher, Max (2013). Der 4-Farben-Mensch. Wege zum inneren Gleichgewicht. Ullstein.
    Lüscher, Max (2011). Lüscher-Color-Diagnostik. 1 DVD. Competence Center.
    https://www.spektrum.de/leseprobe/farben-farbpsychologie-und-symbolik/1841071 (21-03-01)


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