Magersucht

1. Definition
„Ist die krankhafte Folge einer unzureichenden Ernährung mit starkem Untergewicht. Störungen der Nahrungsaufnahme sind i.d.R Appetitstörungen infolge organ. und psych. Erkrankungen (z.B. chron. Infekte, Krebserkrankungen, Depressionen). Das Unterhautfettgewebe ist weitgehend verschwunden. Am häufigsten ist die Anorexia nervosa, eine durch Angst vor Übergewicht, gestörtem Körperschema und Krankheitsverleugnung gekennzeichnete Essstörung, die zu extremer Gewichtsabnahme führt; tritt v.a. bei Mädchen während der Pubertät auf. Die Ursachen liegen in sozikulturellen, familiären und genetisch-biolog. Faktoren. Weitere Merkmale der M. sind Erbrechen, Missbrauch von Abführmitteln, Appetitzüglern oder Entwässerungstabletten. Der Wunsch abzumagern wird zwanghaft, auch wenn schwere körperl. Beeinträchtigungen drohen und sogar Todesgefahr besteht. Zu den körperl. Folgeschäden gehören das Absinken des Stoffwechsels, des Pulses, des Blutdrucks und der Körpertemperatur. Im weitern Verlauf kommen Müdigkeit, Frieren und Verstopfung hinzu. Trockene Haut und brüchige Haare zeigen die hormonellen Veränderungen an, die sich auch im Ausbleiben der Menstruation äußern. Übergänge zur Bulima nervosa (Bulimie) sind nicht selten. Die Behandlung umfasst die Loslösung vom Elternhaus (stationäre Behandlung), kontrollierte Ernährung (z.T. künstlich), Psychotherapie und Psychopharmakagaben“ (o.A., 1998, S. 18).

2. Definition
„Fettschwund m. Untergewicht; Urs.: neben exogenen (Unterernährung Resorptionsstörungen, Appetitlosigkeit; s. Anorexie) auch endogene Faktoren, u.a. konstitutionelle (Asthenie) u. psychogene Faktoren (Anorexia* nervosa, psychogene Essstörungen*) sowie endokrine Erkr. (u.a. Hypophysenvorderlappeninsuffizienz, Addision-Krankheit, Hyperthyreose)“ (Pschyrembel, 1990, S. 1008).

3. Definition
„Anorexia nervosa (Magersucht): Die Magersucht ist in den Industrieländern die häufigste Form der Mangelernährung. Die Nahrungsaufnahme wird trotzt vorhandenen Angebotes verweigert. Es handelt sich um eine Krankheit auf dem Grenzgebiet zwischen Innerer Medizin, Psychiatrie und Psychosomatik. Diese psychosomatische Krankheit beginnt als „Entwicklungskrise“ meist während der Pubertät als „Pubertätsmagersucht“ und nur selten nach dem 30. Lebensjahr. Gründe sind Probleme mit der sexuellen Reife, Abwehr der weiblichen Geschlechtsrolle, unbegründete Angst vor „Dickwerden“, Verleugnung des krankhaft niedrigen Gewichtes (verzerrtes Körperbild). Die Anorexie ist oft von psychiatrischen Zeichen (Persönlichkeitsstörungen, Angstzustände, Leistungszwang, Depressionen) begleitet. Zusätzlich können gesellschaftsbedingte Einflüsse („Schlankheitswahn“) eine Rolle spielen“ (Gerlach, Wagner & Wirth, 2006, S. 153).

4. Definition
„Anorexia nervosa (Magersucht, Pubertätsmagersucht): Essstörung mit absichtlichem, möglicherweise lebensbedrohlichem Gewichtsverlust unter 85 % des zu erwartenden Gewichtes. Dabei Körperschemastörung mit tief verwurzelter Gewissheit, zu dick zu sein, oder Angst, zu dick zu werden. Tritt überwiegend bei Mädchen auf (hier Häufigkeit etwa 1-2 %) mit einem Altersgipfel bei etwa 14-15 Jahren“ (Menche, Goedeckemeyer & Grunst, 2004, S. 1361).

5. Definition
Eine Abmagerung ist immer dann zu erwarten, wenn die Nahrungszufuhr geringer ist, als es dem tatsächlichen Bedarf des Körpers entspricht. Im Laufe der Zeit kommt es dann zu weiteren Störungen, vor allem der inneren Sekretion. Eine krankhafte Magersucht, bei der das tatsächliche Gewicht min. 20 % unter dem Sollgewicht liegt, ist meist durch Störungen der inneren Sekretion bedingt. Weiterhin kann es im Verlauf von Infektionskrankheiten oder anderen zehrenden Erkrankungen wie Tuberkulose, Krebs usw. zu einer Magersucht kommen, wobei u. a. auch die Giftwirkung der Krankheitserreger eine erhebliche Rolle spielt. Liegt eine Unterernähung vor, so zeigen sich auch Störungen der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit, die zu einer allgemeinen Entkräftung führen. Durch das Schwinden der Fettpolster des Unterhautzellgewebes und im übrigen Körper lässt die Glätte und Spannung der Haut nach. Sie wird trocken, faltig und rau und zeigt eine graugelbliche Verfärbung. Meist tritt besonders häufiger Harndrang auf. Es kommt schließlich zu psychischen Veränderungen, zu Reizbarkeit oder Stumpfheit, zu Gedächtnisschwäche oder Verminderung der Konzentrationsfähigkeit. (vgl. o.A., 1968, S. 302).

Psychotherapie bei Magersucht

Eine Studie hat verschiedene Formen der Psychotherapie bei Magersucht verglichen, wobei über zweihundert erkrankte Frauen drei Gruppen zugeteilt wurden: In der ersten erhielten sie eine intensive Betreuung, wobei der Hausarzt einen Psychotherapeuten aussuchte, in der zweiten unterzogen sich die Frauen einer kognitive Verhaltenstherapie und lernten dabei Techniken, um ihr Essverhalten zu kontrollieren, und in der dritten gingen die Frauen in einer Form von Psychoanalyse den Konflikten und emotionalen Auslösern der Magersucht auf den Grund. Die Therapien dauerten jeweils zehn Monate, wobei in allen Gruppen die Magersüchtigen langsam aber stetig an Gewicht zulegten. In allen drei Therapievarianten setzte sich die Erholung nach Therapieende fort, doch der Vorteil der kognitiven wie der tiefenanalytischen Methoden war, dass die Frauen sich ambulant behandeln lassen konnten. Nicht bei allen StudienteilnehmerInnen ließ sich jedoch eine nachhaltige Wirkung feststellen, denn ein Viertel von ihnen litt auch noch ein Jahr nach Ende der Therapie an einer ausgeprägten Magersucht.

Verwendete Literatur
Gerlach, U., Wagner, H. & Wirth, W. (2006). Innere Medizin für Pflegeberufe. Stuttgart: Verlag Georg Thieme.
Menche, N., Goedeckemeyer, S. & Grunst, S. (2004). Pflege Heute. München: Verlag Urban & Fischer.
Ohne Autor (1998). Brockhaus. Die Enzyklopädie. Band 14 MAE-MOB. Leipzig: Verlag Brockhaus.
Ohne Autor (1999). Moderner Ärztlicher Ratgeber. Wiesbaden: Verlag Orion-Verlags GmbH.
Pschyrembel, W. (1990). Klinisches Wörterbuch. Berlin: Verlag De Gruyter.





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