Arachnophobie

Arachnophobie ist die Angst vor Spinnentieren. Spinnen gehören im übrigen bei Phobikern zu den meist gefürchteten Tieren, wobei nicht eindeutig geklärt ist, warum gerade Spinnen so extreme Reaktionen bei manchen Menschen hervorrufen. Am häufigsten sind Phobien vor Tieren, die der menschlichen Silhouette am wenigsten ähnlich sind, und das ist bei Spinnentieren der Fall. Man vermutet auch, dass es nicht daran liegt, dass Phobiker Angst vor einem Spinnenbiss haben, sondern es liegt eher am Bewegungsmuster der Tiere.

In einer Studie untersuchten Gerdes & Alpers (2013) jeweils zwanzig Menschen mit und ohne Spinnenphobie mittels der Methode der binokularen Rivalität, bei der über ein Stereoskop jeweils auf das linke und das rechte Auge zwei unterschiedliche Bilder projiziert werden. Im Experiment war es das Bild einer Spinne oder einer Blume gepaart mit dem neutralen Bild einer geometrischen Form. Diese Methode beruht darauf, dass es Menschen nicht möglich ist, dauerhaft zwei verschiedene Bilder gleichzeitig wahrzunehmen, sodass sie in einem Wettstreit stehen, wobei das Gehirn zu Gunsten eines Bildes entscheidet, ohne dass man darauf bewusst Einfluss nehmen kann.  Menschen mit Angst nahmen das Bild der Spinne früher, länger und damit dominanter wahr als nicht phobische Probanden. Offensichtlich geht dieser Unterschied auf die emotionale Bedeutung der Spinnen für die Phobiker zurück, denn im Gehirn, wo entschieden wird, welches Bild Einzug in die bewusste Wahrnehmung erhält, spielen Emotionen wie Angst eine große Rolle, sodass das Spinnenbild sich bei Menschen mit einer Phobie früher und häufiger im Wahrnehmungswettstreit gegen das neutrale Bild durchsetzt.

Arachnophobiker schätzen übrigens die Körpergröße von Spinnen falsch ein, was auf eine verzerrte Wahrnehmung hindeutet. In einem Versuch von Shiban et al. (2016) zeigte sich, dass die Arachnophobiker die Tiere deutlich größer einschätzen als eine Vergleichsgruppe. Nach einer Expositionstherapie verringerte sich die Verzerrung der Größeneinschätzung im Verlauf der Expositionsbehandlung deutlich, und nach der Therapie konnten keine Unterschiede zu der Vergleichsgruppe mehr nachgewiesen werden.

Rakison & Derringer (2008) zeigten fünf Monate alten Kleinkindern eine Reihe von schematischen Figuren, die einer Spinne mehr oder weniger ähnlich sahen, und maßen dabei die Fixierungsdauer. Auch in diesem Fall zeigte sich, dass das Spinnenbild die längste Aufmerksamkeitsdauer hatte. Man vermutet nicht zuletzt auch deshalb, dass die Spinnenphobie keine allein durch Erziehung erworbene Angst darstellt, sondern dass diese Art von Tieren in der menschlichen Wahrnehmung ein angeborenes Alarmsystem auslösen.

Bei einer Expositionstherapie werden Betroffene unter kontrollierten und möglichst entspannten Bedingungen wiederholt mit dem angstauslösenden Objekt konfrontiert. Ziel ist es, einen Lernprozess in Gang zu setzen, der den Betroffenen verdeutlicht, dass der Auslöser ihrer Angst objektiv betrachtet harmlos ist.

Literatur
Gerdes, Antje B. M.  & Alpers, Georg W.  (2013). You See What You Fear: Spiders Gain Preferential Access to Conscious Perception in Spider-Phobic Patients. Journal of Experimental Psychopathology, 4, 1-15.
Rakison, D. H. & Derringer, J. (2008). Do infants possess an evolved spider-detection mechanism? Cognition, 107, 381–393.
Youssef Shiban, Martina B. Fruth, Paul Pauli, Max Kinateder, Jonas Reichenberger & Andreas Mühlberger (2016). Treatment effect on biases in size estimation in spider phobia. Biological Psychology, doi:10.1016/j.biopsycho.2016.03.005.





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