Demenz

Kurzdefinition
Als Demenz bezeichnet man alle Erkrankungsbilder, die mit einem Verlust der geistigen Funktionen wie Denken, Erinnern, Orientieren einhergehen. Die häufigste Form der Demenzerkrankungen ist die Alzheimer-Demenz. Die ersten Symptome sind meist Vergesslichkeit und zeitliche Orientierungsschwierigkeiten. Der Verlauf einer Demenzerkrankung ist durch drei Stadien gekennzeichnet: Während des ersten Stadiums verlieren die Betroffenen die Fähigkeit, neue Informationen zu erfassen und komplizierte Alltagsaufgaben zu bewältigen, finden sich jedoch mit diesen Einschränkungen in ihrer vertrauten Umgebung noch alleine zurecht. Im zweiten Stadium kommt es zu massiven Problemen bei täglichen Verrichtungen, wie zum Beispiel beim Waschen und Anziehen, bekannte Personen werden nicht mehr erkannt, Wahnvorstellungen treten auf. Im letzten Stadium einer Demenz verlieren die Betroffenen ihre Sprachfähigkeit und werden inkontinent sowie bettlägerig.

Demenz (lat. für „ohne Geist“ bzw. „ohne Verstand“ sein) bedeutet ein typisches Muster von geistigen Leistungseinschränkungen und Verhaltensänderungen. Die Demenz gehört zu den häufigsten Erkrankungen des Alters und ist ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungen, vor allem der alters- oder krankheitsbedingte Verlust einmal besessener Fähigkeiten und damit auch der Intelligenz. Gemeinsame Kennzeichen sind allen der Verlust der intellektuellen Funktionen wie Denken, Erinnern und Verknüpfen von Denkinhalten. Der Begriff der „Demenz“ leitet sich vom lateinischen „dementia“ ab, was soviel wie „Ohne Geist“ oder „Unvernunft“ bedeutet. Diese Veränderungen haben zur Folge, dass Menschen mit Demenz ihre alltäglichen Aufgaben nicht mehr bewältigen können.

Ein hohes Lebensalter stellt den wichtigsten Risikofaktor für eine Demenzerkrankung dar, denn während nur rund zwei Prozent aller 60 bis 70jährigen an Demenz leiden, ist es bei den 90 bis 95jährigen schon ein Drittel. Aber auch Faktoren wie eine genetische Veranlagung, der Lebensstil, bestimmte Medikamente, Verletzungen im Kopfbereich sowie Entzündungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken. 110.000 bis 130.000 Menschen leiden in Österreich unter Demenz, bis 2050 werden etwa 16 Millionen Menschen  in Europa von Demenz betroffen sein. Weltweit arbeiten WissenschaftlerInnen an Therapien gegen Alzheimer, doch bisher gibt es dafür jedoch noch keine Heilung, manche Medikamente und Behandlungen können den Verlauf aber etwas verlangsamen.

In einer neueren Untersuchung an dreißigtausend älteren Amerikanern, die im Rahmen einer Schlaganfallstudie gesammelt worden waren, wählte man an die fünfhundert Teilnehmer aus, die Gedächtnisprobleme hatten und verglichen sie mit etwa gleich viel Menschen ohne kognitive Probleme. Es zeigte sich dabei, dass Menschen mit Blutgruppe AB eine stärkere Tendenz zeigen, im Alter an Demenz zu erkranken als Menschen anderer Blutgruppen, wobei das Risiko in der Stichprobe um 82 Prozent höher war. Über das Risikopotential von anderen Blutgruppen ließ sich nichts sagen, handelt es sich bei AB doch um eine eher seltene Blutgruppe, die bei rund fünf Prozent der Bevölkerung zu finden ist. Dass es Zusammenhänge zwischen den Blutgruppe und dem Risiko bestimmter Krankheiten gibt, gilt als wissenschaftlich erwiesen, denn so konnte bereits nachgewiesen werden, dass Menschen mit Blutgruppe Null ein geringeres Risiko für Gefäßerkrankungen und Schlaganfall haben. Man vermutet, dass die Blutgerinnungsfaktoren eine Rolle dabei spielen, ob das Gedächtnis im Alter nachlässt, wobei bei den Probanden der Blutgruppe AB eine höhere Konzentration einiger Blutgerinnungsfaktoren vorlag. Allerdings spielen noch andere Faktoren wie Bluthochdruck, hoher Cholesterinspiegel und Diabetes bei der Beeinträchtigung des Gedächtnisses eine Rolle.

Übrigens kann ein hoher Östrogenspiegel das durch eine vorhandene Diabetes bereits höhere Risiko einer Beeinträchtigung der kognitiven Funktion bei älteren Frauen steigern, sodass es sich um zwei unabhängige Risikofaktoren handelt, die sich gegenseitig potenzieren. Studien haben gezeigt, dass ein Typ-2-Diabetes die Entwicklung einer Demenz bei älteren Menschen begünstigt, wobei Östrogen an der Regulierung des Glukosestoffwechsels im Gehirn beteiligt ist, sodass eine Östrogentherapie die kognitive Funktion von Diabetikern zusätzlich negativ beeinflusst.

Jüngst hat man untersucht (Walker et al., 2015), welche Folgen die Feinstaubbelastung auf das Gehirn hat, indem man bei über 60-Jährigen, die in unterschiedlicher Entfernung von großen Straßen lebten und damit verschieden hoher Belastung mit Feinstaub von 2,5 Mikrometern Größe ausgesetzt waren, mit Gehirnscans das Volumen einzelner Hirnareale bestimmte und nach Indizien für Blutgerinsel und kleine Hirninfarkte suchte. Es zeigte sich. dass Menschen, die höheren Feinstaubbelastungen ausgesetzt waren, im Durchschnitt ein geringeres Hirnvolumen hatten, Anzeichen für eine erhöhte Schrumpfung der Gehirnmasse und mehr sogenannte stille Hirninfarkte zeigten, also kleine Schlaganfälle, die von den Betroffenen nicht gemerkt werden. Für jeden Anstieg der Feinstaubbelastung um zwei Mikrogramm pro Kubikmeter Luft hatten die Probanden ein 46 Prozent höheres Risiko für stille Schlaganfälle, wobei ihr Gehirnvolumen dem eines ein Jahr älteren Menschen entsprach, d. h., je höher die Belastung war, desto älter war demnach das Gehirn der Teilnehmer. Zwar ist unklar, über welche Mechanismen der Feinstaub auf das Gehirn wirkt, aber man vermutet, dass die winzigen Partikel, die sich in der Lunge ablagern, eine systemische, d. h., sich auf den gesamten Körper auswirkende Entzündung auslösen könnten.

Die exakte Diagnose von Demenz ist daher schwierig, denn Demenzen können verschiedene Ursachen haben, wobei neben der bekannten und häufig vorkommenden Alzheimer-Demenz es auch Demenzerkrankungen gibt, die auf anderen degenerativen Ursachen beruhen, aber auch auf Durchblutungsstörungen im Gehirn oder Stoffwechselstörungen zurückzuführen sind, manchmal auch medikamentöse Ursachen haben. Zudem können Gedächtnisstörungen im Zuge psychischer Erkrankungen wie Depressionen auftreten. Daher ist die Unterscheidung, ob es sich um eine echte Demenz oder Gedächtnisstörungen mit anderen Ursachen handelt, wichtig, denn nur so kann die richtige Therapie angeboten werden. So kann etwa mittels der Positronenemissionstromografie durch den Nachweis  von Amyloiden im Gehirn nachgewiesen werden, dass es sich um eine Alzheimer-Demenz handelt. In der Anamnese der Demenz werden daher auch die psychosoziale und sozioökonomische Situation, frühere somatische und psychiatrische Erkrankungen, Familienkrankheiten, eventuelle Medikation, das Verhalten im Alltag, Veränderungen der mentalen Funktionen, der Persönlichkeit, der Interessen usw. erfragt. Damit soll das prämorbide intellektuelle Niveau des Betroffenen abgeschätzt werden, um festzustellen, in welchem Ausmaß er durch die festgestellten Hirnleistungsstörungen in den Alltagsaktivitäten beeinträchtigt ist.  Von großer Bedeutung ist auch ein Gespräch mit einer nahen Bezugsperson, aus dem fremdanamnestische Informationen uum Zwecke der Abklärung gewonnen werden können.

Die Demenzerkrankungen lassen sich in Gruppen einteilen.

  • Alzheimer-Krankheit (Morbus Alzheimer), bei der vor allem Nervenzellen des Gehirns absterben Sie ist die häufigste Form der Demenz mit ca. 60 Prozent.
  • Vaskuläre Demenz – Durchblutungsstörungen des Gehirns oder Multiinfarkt-Demenz, die zu einer Unterversorgung der Gehirnzellen und dann zu deren Absterben führen, Lewy-Körperchen-Demenz, die Pick-Krankheit (Frontotemporale Demenz), Parkinson, Creutzfeldt-Jakob-Krankheit, Chorea-Huntington. Hauptursachen hierfür sind Schlaganfälle Diabetes, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Infektionen des Gehirns.
  • Hirnschädigungen durch Medikamente, besonders durch Schlaf – und Beruhigungsmittel und bei starkem Alkoholkonsum.
  • Mangelerscheinungen wie Vitamin-B12-Mangel, Schilddrüsen-Fehlfunktion, Austrocknung und schwere Depressionen können demenzähnliche Symptome hervorrufen, diese verschwinden jedoch bei Behandlung des Auslösers.

Die verschiedenen Demenzarten treten in unterschiedlichen Lebensaltern auf, denn so ist die Alzheimer-Demenz bei unter 65-jährigen um etwa die Hälfte geringer, als bei den über 65-jährigen, die vaskuläre Demenz ist nahezu gleich häufig. Andere Demenzenformen sind bei den Älteren etwas öfter vertreten, dafür fehlt die Alkoholdemenz praktisch völlig.

Neben einer Verhaltenstherapie, die Erkrankten die Orientierung im Alltagsleben erleichter soll, wird Demenz meist medikamentös behandelt, wobei  owohl Acetylcholinesterase Hemmer als auch NMDA Antagonisten zum Einsatz kommen.

Craik et al. berichten 2010 im Fachmagazin „Neurology“, dass das Sprechen mehrerer Sprachen bestimmte Bereiche im Gehirn fördert, die durch dieses Training den geistigen Verfall, der mit Demenz einhergeht, länger erfolgreich kompensieren können. Zwischen 2007 und 2009 wurden dabei insgesamt 211 Patienten beobachtet, bei denen einige Jahre zuvor eine mögliche Alzheimer-Erkrankung diagnostiziert worden war. Zwar sind bei einer Demenzgefährdung die Hirnschäden bei den Menschen, die zwei- oder mehrsprachig sind, im Alter zwar durchaus vorhanden, doch kommen diese aber erst später zum Tragen als bei demenzgefährdeten Personen, die nur in einer Sprache kommunizieren. Zweisprachigkeit scheint Menschen mit Routinen auszustatten, die Demenzsymptome wie Gedächtnisverlust, Verwirrtheit und Schwierigkeiten beim Problemlösen ausgleichen können. Bei den Zweisprachigen traten die ersten Symptome fünf Jahre später auf als bei den Einsprachigen, obwohl alle anderen Merkmale wie Bildungsgrad oder Erwerbsbiografie ähnlich waren. In einer weiteren Untersuchung (Perani et al., 2017) zeigte sich ebenfalls, dass Zweisprachigkeit, also die aktive Nutzung zweier Sprachen, das Gehirn auf doppelte Weise vor der Demenz schützt und das Auftreten von Alzheimer zumindest hinauszögert. Und zwar dauert es bei Zweisprachigen im Schnitt fünf Jahre länger, bis Symptome der Demenz spürbar werden. Als Ursache der positiven Wirkung vermutet man, dass Zweisprachige mehr graue und weiße Hirnsubstanz besitzen und dass deren Hirnareale stärker funktionell verknüpft sind, was es dem Gehirn erleichtert, Verluste von Gehirnzellen zu kompensieren. Der schützende Effekt fällt dabei umso stärker aus, je intensiver die Betroffenen auch im Alter noch die zweite Sprache nutzen.

Demenzdiagnostik und Alzheimerdiagnostik

Die Diagnostik in einer Gedächtnisambulanz besteht in der Regel aus mehreren Schritten: In einem Erstgespräch wird sehr detailliert die Art der Beschwerden, sowie die berufliche, private und gesundheitliche Situation erfasst. Mit verschiedenen Tests wird die Gedächtnisleistung geprüft. Verlaufen diese Tests unauffällig, hält man eine weitere Untersuchung durch ein bildgebendes Verfahren für unnötig. Manche Menschen sind in dieser Situation oft sehr aufgeregt, was zu Fehlern führt und dann ist eine Wiederholung zu einem späteren Zeitpunkt sinnvoller. Mit einer Magnetresonanztomographie ist mit einer neunzigprozentigen Wahrscheinlichkeit eine Alzheimer-Erkrankung in einem frühen Stadium zu erkennen. Man hat übrigens die Erfahrung gemacht, dass jene Menschen, die tatsächlich eine Demenz haben, eher bagatellisieren, während diejenigen, die mit großer Sorge aus eigener Initiative kommen, häufig keine Demenz zeigen. Es fällt manchen Menschen offenbar schwer zu akzeptieren, dass mit zunehmendem Alter das Gehirn nicht mehr so leistungsfähig und effizient arbeitet, wobei man zwar genauso wie in jungen Jahren noch vieles lernen kann, doch es dauert in manchen Fällen aber länger und macht mehr Mühe.

Der Syndrom-Kurztest (SKT) etwa ist ein bei der Diagnose eingesetztes Papier- und Bleistift-Testverfahren, um die Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsleistung zu erfassen, wobei er seit etwa dreißig Jahren in nahezu unveränderter Form, vor allem im Bereich Alzheimer- und Demenzdiagnostik im Einsatz ist. Der Syndrom-Kurztest wurde von Hellmut Erzigkeit 2001 entwickelt und hat sich als einer der weltweit am häufigsten eingesetzten Tests für das Demenz-Screening etabliert. Aufgrund seines spielerischen Charakters und der Durchführungsdauer von nur etwa fünfzehn Minuten erfreut sich der Syndrom-Kurztest trotz seiner Komplexität hoher Akzeptanz und wird vom ProbandInnen gerne bearbeitet. Das Verfahren besteht aus neun Untertests, die einem Zeitlimit unterliegen, wobei die ProbandInnen Gegenstände benennen und wiedererkennen oder Zahlen lesen und ordnen müssen. Für die Auswertung werden die in den Untertests ermittelten Punktwerte unter Berücksichtigung von Alter und Intelligenzniveau in Normwerte umgerechnet.

Interessant ist auch der Uhrentest, bei dem man dem Betroffenen eine Uhr zeichnen lässt. Während der äußere Kreis, also der Rahmen der Uhr, noch relativ rund ist, gibt es bei den Ziffern schon Einbrüche, auch die Reihenfolge stimmt nicht mehr und oft fehlen die Zeiger.

Umgang mit Demenz

Der Verlust des Verstandes ist eine der größten Ängste des Menschen, sodass schon der Umgang mit dem Thema und erst mit Betroffenen von Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen für viele eine Belastung darstellt. Dabei ist es wichtig, dass man einer/m Demenzerkrankten erlaubt, so zu sein, wie sie/er ist, d. h., man muss die Betroffenen in ihren gewählten Rollen unterstützen, deren innere Erlebniswelt berücksichtigen und nicht bloß mit der Realität konfrontieren, was von Erkrankten oft als Provokation erlebt wird und eine Stresssituation erzeugt. Für die Betroffenen hingegen ist es günstig, wenn man den alten Lebensstolz wie Erfolge im Beruf oder in der Familie vor allem auf emotionaler Ebene anspricht, denn der Ausdruck von Gefühlen ist in der Regel eine Stärke der Betroffenen. Vor allem Angehörige können auch im fortgeschrittenen Stadium der Demenz die Erkrankten noch auf emotionaler Ebene erreichen, da diese Verknüpfung nicht von der Krankheit beeinflusst wird. die verschiedenen Sinnessysteme der Demenzkranken miteinander zu verknüpfen“, erklärte Wichelhaus. Vor allem wenn man bei den Betroffenen mehrere Sinne zusammenbringt, unterstützt man das Gedächtnis, wobei zu einer Verknüpfung von auditiver, visueller und taktiler Sinneswahrnehmung in der Regel noch der emotionale Aspekt hinzukommt. Für alle Erkrankten ist es sehr wichtig, positive Erlebnisse zu haben, da sie diese besser im Gedächtnis verankern können. Demenz muss außerdem zugleich als normaler Alterungsprozess akzeptiert und nicht bloß als Krankheitsbild gewertet werden. Nicht selten reagieren Demenzkranke aggressiv, wobei Angst, Wut, Unruhe, Enttäuschung und Nervosität die häufigsten Ursachen sind. Vor allem dann,  wenn demente Menschen realisieren, dass sie einfache Verrichtungen nicht mehr selbst erledigen können, kann das zu aggressivem Verhalten führen, aber auch, wenn sie sich von Angehörigen unverstanden und unter Druck gesetzt fühlen. Bei den meisten Demenzkranken bleibt es bei verbalen Wutausbrüchen, doch wenn die Betroffenen ihre Impulse aber nicht mehr steuern können, führt die Aggression manchmal auch zu körperlicher Gewalt.

Beim Umgang mit dementen Angehörigen müssen Eltern sowohl die Bedürfnisse der Kinder als auch der Großeltern im Blick haben, wofür es viel Fingerspitzengefühl braucht. Wichtig ist es Kindern Demenz zu erklären, wobei man zuerst die Fakten klarstellen sollte, dass es sich um eine Krankheit handelt und man etwas für das Wohlbefinden tun kann. Dabei sollten Eltern auch jüngere Kinder nicht unterschätzen, denn schon im Alter von acht Jahren können sie fachliche Details verstehen. Heike Elisabeth Philipp-Metzen, Gerontologin und Sozialpädagogin an der Fachhochschule Münster, hat vielen Kindern Vorträge zum Thema Demenz gehalten und dabei erklärt, wie Nervenzellen im Gehirn Informationen weitergeben und dass dies bei Demenzkranken nicht immer so gut funktioniert. Ihre bildliche Erklärung erinnert an das Spiel Stille Post: Die Gehirnzellen unterhalten sich, aber nicht alles kommt an, sodass den Kindern klar wird, warum Demenzkranke manchmal verwirrt oder vergesslich sind. Mit diesem Wissen können Kinder besser verarbeiten, dass ihre Verwandten mit Alzheimer ihren Namen vergessen, sodass die Krankheit ihnen keine Angst mehr macht.

Neuere Untersuchungen in einer zehn Jahre andauernden Langzeitstudie zeigen, dass schon ab dem Alter von 45 Jahren das Gedächtnis und die Fähigkeit zu schnellem Erkennen von Zusammenhängen messbar nachzulassen beginnt, wobei in dieser Alterspanne ein überdurchschnittlich starker Abbau auf ein höheres Risiko für Alzheimer und andere Demenzarten in späteren Lebensjahren hindeuten. Wenn man früh erkennt, wann der geistige Abbau beginnt, kann man die Risikofaktoren für spätere dementielle Erkrankungen besser erkennen. In dieser Studie hatte man die geistigen Fähigkeiten von Männern und Frauen im Alter von 45 bis 70 Jahren untersucht, wobei dabei ihr Gedächtnis, das mathematische und verbale Erkennen von Zusammenhängen, Mustern und Regeln und ihr Wortschatz dreimal im Laufe von zehn Jahren geprüft wurde. Die Ergebnisse aller Tests bis auf den Wortschatz zeigten dabei signifikante Verschlechterungen in allen Altersgruppen, und zwar sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen, d. h., je älter die TeilnehmerInnen zu Studienbeginn waren, desto stärker fiel auch der Leistungsabbau innerhalb der zehn Jahre aus. Innerhalb der zehnjährigen Untersuchungsperiode sanken die geistigen Leistungen der 45- bis 49-Jährigen in einigen Tests um durchschnittlich 3,6 Prozent, wobei dieser Abbau zwar geringer als bei den 20 Jahre älteren Studienteilnehmern ausfiel, aber dennoch deutlich messbar war.

Neurowissenschaftler (Kievit et al., 2014) haben jüngst entdeckt, dass bestimmte geistige Fähigkeiten wie etwa die zur Problemlösung oder die zum Umschalten zwischen verschiedenen Aufgaben (verkürzend oft als Multitasking bezeichnet) mit unterschiedlicher Geschwindigkeit nachlassen. Bekanntlich sind exekutive Funktionen mit dem Frontallappen des Gehirns, insbesondere dem präfrontalen Kortex, verbunden, dessen Funktion im Alter relativ schnell beeinträchtigt wird. Bisher hatte man angenommen, dass alle Exekutivfunktionen etwa mit der gleichen Geschwindigkeit abnehmen, doch in einer Studie der geistigen Fähigkeiten von etwa 600 Menschen im Alter zwischen 18 und 88 Jahren zeigte sich, dass sich das Umschalten zwischen verschiedenen Aufgaben und die Fähigkeit zur Problemlösung bei verschiedenen Menschen unterschiedlich schnell verschlechterten, wobei vor allem die Fähigkeit, Probleme zu lösen, eher von Alterung betroffen ist. Offensichtlich ist die Alterung auch von ähnlich erscheinenden kognitiven Fähigkeiten ein weitaus facettenreicherer Prozess, als gemeinhin angenommen wird. Dabei spielen Lebensstilfaktoren wie Bewegung oder geistige Anstrengung eine wichtige Rolle.

Schon in der Antike war das Krankheitsbild der Demenz bekannt, es wurde jedoch erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts „neu“ entdeckt und als eine Minderung der intellektuellen  Kräfte und der Fähigkeit zu  logischem Denken beschrieben.

Für Angehörige von Demenzerkrankten: Der Umgang mit Demenz.

Siehe auch Digitale Demenz

Empfehlung: Eveline Schedlberger hat zu einer Sendung im MDR vom 30. August 2001 ein umfangreiches Arbeitsblatt zu diesem Thema gestaltet: Demenz und Alzheimer (http://eveline-schedlberger.com/npage/Gesundheit%20DEF/demenz.pdf)

Quellen & Literatur
http://www.mdr.de/hauptsache-gesund/824475.html (10-06-07)
Craik, Fergus I.M., Bialystok, Ellen & Freedman, Morris (2010). Delaying the onset of Alzheimer disease: Bilingualism as a form of cognitive reserve. Neurology, 75, 1726-1729.
Erzigkeit, Hellmut (2001). Kurztest zur Erfassung von Gedächtnis- und Aufmerksamkeitsstörungen: SKT-Manual, Formen A-E. Geromed.
Kievit, R. A., Davis, S. W., Mitchell, D. J., Taylor, J. R., Duncan, J., Cam-CAN, & Henson, R. N. A. (2014). Distinct aspects of frontal lobe structure mediate age-related differences in fluid intelligence and multitasking. Nature Communications, 5, 5658.
Perani, Daniela, Farsad, Mohsen, Ballarini, Tommaso, Lubian, Francesca, Malpetti, Maura, Fracchetti, Alessandro, Magnani, Giuseppe, March, Albert & Abutalebi, Jubin (2017). The impact of bilingualism on brain reserve and metabolic connectivity in Alzheimer’s dementia. Proceedings of the National Academy of Sciences. Doi: 10.1073/pnas.1610909114.
Elissa H. Wilker,  Sarah R. Preis,  Alexa S. Beiser,  Philip A. Wolf,  Rhoda Au,  Itai Kloog,  Wenyuan Li,  Joel Schwartz,  Petros Koutrakis,  Charles DeCarli,  Sudha Seshadri, Murray A. Mittleman (2015). Long-Term Exposure to Fine Particulate Matter, Residential Proximity to Major Roads and Measures of Brain Structure. Stroke, 46, 1161-1166.
Can Your Blood Type Affect Your Memory. WWW: https://www.aan.com/PressRoom/Home/PressRelease/1306 (14-09-10)
http://www.t-online.de/eltern/familie/id_71038430/kindern-demenz-erklaeren-stille-post-in-omas-gehirn-.html (14-09-18)




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Das Lexikon in Ihren Netzwerken empfehlen:

  1. 2 Responses to “Demenz”

  2. Demenz ist der Oberbegriff für rund fünfzig Krankheitsbilder, die mit dem Verlust geistiger Funktionen wie Denken, Erinnern oder Orientierung einhergehen. Neunzig Prozent aller Demenzformen haben eine hirnorganische Ursache (primäre Demenz), in zehn Prozent aller anderen Demenzfälle sind z.B. Stoffwechselkrankheiten, Vergiftungen, hormonelle Störungen, Infektionskrankheiten oder der Missbrauch von Suchtmitteln die Ursache (sekundäre Demenz). Die primären Demenzformen lassen sich wiederum unterteilen in degenerative Demenz wie Alzheimer oder frontotemporale Demenz, vaskuläre Demenz, die mit Gefäßveränderungen und Durchblutungsstörungen einhergeht sowie Mischformen dieser beiden.

    By Medizinische Demenzdefinition on Sep 23, 2015

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  2. Jun 17, 2013: Orientierungsstörung » Definition

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