Child Behavior Checklist (CBCL)

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Die Child Behavior Checklist (CBCL) stellt eines der weltweit am häufigsten eingesetzten klinischen Beurteilungsinstrumente zur standardisierten Erfassung von Verhaltensauffälligkeiten, emotionalen Problemen und sozialen Kompetenzen bei Kindern und Jugendlichen dar. Entwickelt wurde das Verfahren ursprünglich von Thomas M. Achenbach an der University of Vermont im Rahmen des Achenbach System of Empirically Based Assessment (ASEBA). Das Besondere an diesem System ist der empirische Ansatz, bei dem Verhaltensmuster nicht rein theoretisch abgeleitet, sondern durch statistische Analysen (Faktorenanalysen) an großen klinischen Stichproben identifiziert wurden.

In der klinischen Praxis und Forschung existiert eine weit verbreitete und validierte deutsche Version, die unter dem Titel „Elternfragebogen über das Verhalten von Kindern und Jugendlichen“ bekannt ist. Die deutsche Bearbeitung und Normierung wurde maßgeblich von der Arbeitsgruppe Kinder-, Jugend- und Familiendiagnostik (KJFD) vorangetrieben. Es liegen verschiedene Versionen für unterschiedliche Altersgruppen vor: die CBCL/1½-5 für Kleinkinder und die CBCL/6-18 für das Schulalter. Ergänzt wird die Elternsicht häufig durch den Lehrerfragebogen (TRF – Teacher’s Report Form) und den Jugendfragebogen zur Selbstauskunft (YSR – Youth Self-Report), um eine umfassende Multiperspektivität zu gewährleisten.

Der Fragebogen besteht im Kern aus zwei Teilen: einem Kompetenzteil, der sportliche Aktivitäten, Hobbys, soziale Kontakte und schulische Leistungen abfragt, und einem Problemteil. Der Problemteil umfasst in der Version für 6- bis 18-Jährige 112 Items (plus ein offenes Item), die auf einer dreistufigen Skala (0 = nicht zutreffend, 1 = etwas oder manchmal zutreffend, 2 = genau oder häufig zutreffend) bewertet werden. Diese Items lassen sich acht syndromgeleiteten Skalen zuordnen, die wiederum zu den Übergruppen „Internalisierend“ (Rückzug, körperliche Beschwerden, Angst/Depressivität), „Externalisierend“ (regelwidriges Verhalten, aggressives Verhalten) und einer gemischten Gruppe (soziale Probleme, Denkprobleme, Aufmerksamkeitsprobleme) zusammengefasst werden.

Konkrete Beispiele für Items aus der deutschen Fassung sind Aussagen wie: „Kann nicht lange stillsitzen, ist unruhig oder überaktiv“, „Zerstört Sachen, die anderen gehören“, „Ist unglücklich, traurig oder deprimiert“ oder „Hat Albträume“. Die Auswertung erfolgt durch die Umwandlung der Rohwerte in standardisierte T-Werte, die einen Vergleich mit einer repräsentativen Normstichprobe ermöglichen. Dabei wird unterschieden, ob sich das Kind im unauffälligen, im Grenzbereich oder im klinisch auffälligen Bereich befindet. Ein wesentlicher Vorteil der CBCL ist ihre hohe Reliabilität und Validität sowie die Verfügbarkeit von interkulturellen Vergleichsdaten, da das Instrument in über 100 Sprachen übersetzt wurde. In Deutschland wird das Verfahren routinemäßig in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, in Erziehungsberatungsstellen und in der pädiatrischen Diagnostik eingesetzt, um Behandlungsbedarf zu ermitteln oder Therapieerfolge im Verlauf zu dokumentieren.

Literatur

Achenbach, T. M., & Rescorla, L. A. (2001). Manual for the ASEBA school-age forms & profiles. University of Vermont, Research Center for Children, Youth, & Families.
Arbeitsgruppe Kinder-, Jugend- und Familiendiagnostik (KJFD). (2016). Elternfragebogen über das Verhalten von Kindern und Jugendlichen (CBCL/6-18): Deutsche Fassung. (Herausgegeben von M. Döpfner, J. Plück & H.-C. Steinhausen). Hogrefe.
Döpfner, M., Plück, J., & Kinnen, C. (2014). CBCL/1½-5, TRF/1½-5, C-TRF: Elternfragebogen über das Verhalten von Kleinkindern, Lehrerfragebogen über das Verhalten von Kleinkindern. Deutsche Fassung. Hogrefe.
Merten, R. (2005). Die Child Behavior Checklist (CBCL) – Ein Instrument zur Erfassung von Verhaltensauffälligkeiten im Kindes- und Jugendalter. Zeitschrift für Pädagogische Psychologie, 19(3), 185–190.


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