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Anosmie


Mit Anosmie bezeichnet man in der Psychologie das vollständige Fehlen des Geruchssinns bzw. den Verlust des Geruchssinns. Achtzig Prozent der Anosmie-Betroffenen verlieren ihren Geruchssinn im Laufe ihres Lebens, oft durch einen Unfall oder eine missglückte Operation, und trauern ihrem Geruchssinn hinterher, denn anosmischen Menschen geht Lebensqualität verloren. Dadurch, dass Riechende nie bewusst auf ihren Geruchssinn achten, kann man sich gar nicht vorstellen, wie ein Leben ohne Geruchssinn aussieht.

Der Geruchssinn stellt einen der wichtigsten Sinne im alltäglichen Leben und Erleben dar, unter anderem bei der Entdeckung von Gefahren oder bei sozialen Interaktionen mit anderen. Der Verlust des Geruchssinns bedeutet für Betroffene nicht nur eine massive Veränderung ihres sensorischen Lebens, sondern bewirkt auch psychische und soziale Verhaltensänderungen. In Folge eines Verlustes der Riechfunktionen kommt es neben der Beeinträchtigung der Lebensqualität auch zu einer Umstrukturierung im Gehirn und des Mikrobioms, also jener Billionen von Mikroorganismen, die auf unsere Gesundheit und unser Verhalten einwirken.

Das Fehlen der Riechwahrnehmung kann verschiedene Ursachen haben, wobei neben neuronalen Defekten auch Erkrankungen wie Virusinfektionen, chronische Sinusitis, Obstruktion der Riechwege durch Schwellung der Schleimhäute infolge einer Allergie, die Nebenwirkung von Medikamenten, Gehirntumore, Depression sowie Schädel-Hirn-Traumata sein. In manchen Fällen kann eine Anosmie auch im Rahmen einer dissoziativen Störung auftreten und immer häufiger auch als Frühsymptom neurodegenerativer Erkrankungen wie Parkinson auftreten.

Etwa fünf Prozent der Bevölkerung leiden an Anosmie, also dem völligen Verlust der sensorischen Geruchswahrnehmung, und 15 Prozent haben ein teilweise eingeschränkten Riechvermögen, eine Hyposmie. Der Begriff der Hyposmie bezeichnet im Unterschied zur Anosmie einen nur unvollständigen Verlust des Geruchssinns, wobei die Hyposmie meist als Geschmacksstörung wahrgenommen wird, da große Teile des Geschmackserlebens über den Geruchssinn erfolgen. Das Lieblingsessen nicht mehr richtig wahrzunehmen ist aber ein vergleichsweise harmloses Problem, das dennoch viele Menschen belastet. Anosmie hingegen kann nämlich das Leben von Menschen merkbar beeinträchtigen, denn Betroffene riechen etwa nicht, wenn etwas anbrennt oder gar ein Feuer ausbricht. Manche Menschen sind auch durch den mangelnden Geruchssinn so unsicher, dass sie in soziale Isolation geraten, denn sie wissen nicht, ob sie beim Schwitzen unangenehm riechen oder Mundgeruch haben, und ziehen sich aus Scham immer mehr vor anderen zurück.


Kurioses: Der Riechkolben ist die erste Stelle der Geruchsrepräsentation im Gehirn von Säugetieren, und ihre einzigartige Struktur gilt als notwendiges Substrat für die raumzeitliche Geruchskodierung. Weiss et al. (2019) haben entdeckt, dass auch Menschen ohne diese Struktur an der vorderen Basis des Gehirns riechen können, d. h., sie erkennen und unterscheiden Gerüche ebenso gut wie andere Menschen. Rätselhaft ist nur, warum dieses Phänomen besonders beim weiblichen Geschlecht und vor allem unter Linkshänderinnen verbreitet zu sein scheint. Vermutlich wird bei Menschen, die ohne Riechkolben geboren wurden, die Geruchsinformation in einem anderen Areal des Gehirns repräsentiert.

Literatur

Weiss, T., Soroka, T., Gorodisky, L., Shushan, S., Snitz, K., Weissgross, R., Furman-Haran, E., Dhollander, T. & Sobel, N. (2019). Human Olfaction without Apparent Olfactory Bulbs. Neuron, doi:10.1016/j.neuron.2019.10.006.


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