Arktophilie ist ein in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts kreierter Fachterminus für die Liebe zu den Teddybären– bzw. Bären überhaupt – zusammengesetzt aus Arktos (griechisch: der Bär) und –philie (Wortendung, die in Zusammensetzungen Liebe und Leidenschaft bezeichnet). Die Liebhaber von Teddybären werden Arktophile genannt, das Eigenschaftswort ist arktophil. Meist werden damit Sammler und Liebhaber von Teddybären gemeint, wobei häufig eine Spezialisierung auf eine bestimmte Spezies erfolgt. Es wird in diversen Ratgebern empfohlen, etwa nur Eisbären oder Braunbären, Miniaturen oder limitierte Ausgaben zeitgenössischer Hersteller zu sammeln, oder antike Bären wie Steiff-Bären.

Die Arktophilie wird von manchen Psychologen fälschlicherweise den Paraphilien zugeordnet, was durch die fehlende sexuelle Komponente der Zuneigung aber eine Fehleinschätzung darstellt. Vielmehr handelt es sich um eine durch frühkindliche Bindung bzw. Prägung nachhaltig ausgeprägte Form der Beziehung zwischen einem Menschen und einem stofflichen Liebesobjekt, die auf Grund mannigfacher weiteren Lebensumstände und -ereignisse perpetuiert bzw. gefestigt wird, und in der Regel bis zum Lebensende Bestand hat.

Neben der frühkindlichen Prägung spielt aus psychologischer Sicht auch der Umstand eine Rolle, dass Teddybären und auch andere Kuscheltiere, daneben auch Puppen und für Kinder wichtige Objekte für die Bindungsentwicklung notwendige Übergangsobjekte darstellen. Übergangsobjekte helfen Kindern beim ersten Abgrenzungs- und Ablöseprozess von den Eltern, die es dem Kind erlauben, den Übergang von der ersten frühkindlichen Beziehung zur Mutter zu reiferen Beziehungen zu vollziehen. Solche Objekt helfen Kindern auch Trennungsängste leichter zu ertragen, spenden Trost und geben Halt, wenn die Eltern schimpfen oder etwas nicht erlauben. Viele Kinder sprechen dabei mit ihrem Kuscheltier, erzählen ihm von ihren Sorgen und Plänen, denn es steht dann stellvertretend für eine feste, sichere Bindung, einen Freund, der immer da ist, der beschützt, zuhört und nie verurteilt. Später in Krisensituationen findet nicht selten eine Regression statt, sodass diese Übergangsobjekte wieder hervorgeholt werden, um ihre Funktion für den Betreffenden erneut zu erlangen.

Im englischen Wiktionary findet sich nur der Hinweis „arctophily – the hobby of collecting Teddy bears“, in der deutschen Wikipedia-Version findet sich der Terminus nicht bzw. wurde von bärenfeindlichen Redakteuren einfach gestrichen. Im französischen Wikipedia heißt es: „L’arctophilie est l’art de collectionner les ours en peluche“. Und weiter „Il existe différentes associations d’arctophiles, en Europe, la plus importantes est Les Amis de Gueule de Miel, qui organise chaque année son salon de l’ours en peluche à Paris.“

Übrigens: „ARCTOPHIL is a valid Scrabble word“.

In der Regensburger Bärenbörse vom 26. September 2010 findet sich der 12. Arctophilenalarm:
„Es ist wieder soweit. Die Arctophilen fallen in Regensburg ein. Vor einem Jahr fand die letzte größere Invasion dieser Spezies Mensch statt und heute kommen Sie wieder. Für den „Unwissenden“, die Arctophilen sind nichts anderes als Menschen die sich in Teddybären verliebt haben. Sie sammeln alte und neue, gesunde und abgeliebte. Viele gehören auch einer Unterart der Arctophilen an. Das sind diejenigen die sich Ihre Lieblinge nach eigenen Vorstellungen oder Vorlagen selber machen. Aber alle haben nur ein Ziel: alles mögliche für Ihre Liebhaberei zu finden. Genau dazu haben Sie am 26.09.2010 Gelegenheit.

Im Pfarrsaal Herz Jesu findet nun schon zum elften Mal die Regensburger Bärenbörse statt. Sie beginnt um 11 Uhr und endet um 17 Uhr. Der Eintritt beträgt für Erwachsene € 2,00 und ist für Kinder kostenlos. Es werden Aussteller aus ganz Bayern kommen die Ihre neuesten Kreationen vorstellen und auch Zubehör mitbringen werden. Mit dabei ist wieder Anna Dazumal und neu Frau Schramm Sigrid. Nicht nur Bären gibt es hier zu sehen und zu kaufen, sondern allerlei Material zum Selbermachen. Verschiedenen Mohaire, dazu Gelenke, Glasaugen und Werkzeug zum Teddymachen sind erhältlich. Alle diejenige die schon Bären zuhause haben gehen aber auch nicht leer aus. Es gibt genügend Zubehör das der Welt von Welt so brauchen kann, angefangen von Kleidung und Taschen, über Dreiräder und Roller bis zu Möbeln für seine kleine Bärenwohnung.“


Anne-Catherine Simon schrieb 2012 in der Presse vom Tod des Teddy-Mythos, denn Teddybären unter dem Christbaum werden ihrer Beobachtung nach imme weniger, wobei ihre größten Fans nicht die Kinder von heute sind sondern Erwachsene. Sie berichtet von den vielen Teddys, die Soldaten in die Weltkriege mitnahmen und zum Teil in der Uniform mit sich trugen: „Berühmt wurde das „Teddy-Girl“ von Colonel Bob Henderson, Berater des britischen Feldmarschalls Montgomery. Es folgte dem „Herrli“ bis in den „D-Day“. Beide überlebten.“

Die Augen der Teddybären haben Kindern seit mehr als hundert Jahren die wichtigste aller Botschaften vermittelt: „Teddy liebt dich!“ Am Ende des 20. Jahrhunderts ließ die englische Tageszeitung „The Mirror“ über das Spielzeug des Jahrhunderts abstimmen; der Teddybär gewann haushoch etwa vor Monopoly, Lego oder Barbie. Heute ist bedauerlicherweise der Bär längst nicht mehr der Kinder liebstes Kuscheltier. Allerdings hat der Bär gegenüber den meiten anderen Kuscheltieren viele Stärken, denn er ist dick und knuddelig, hat den schon bei Babys beliebten runden Kopf, verhältnismäßig menschenähnliche Statur, er ist „unisex“ und lässt sich trotzdem hinsetzen wie eine Puppe

Literatur

http://www.regensburger-baerenboerse.de/ (11-02-02)
http://en.wiktionary.org/wiki/arctophile (12-02-21)
http://fr.wikipedia.org/wiki/Arctophilie (11-02-10)
Die Presse vom 15.12.2012


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