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Psychologen bezeichnen jene Gegenstände als Übergangsobjekte, die Kindern beim ersten Abgrenzungs- und Ablöseprozess von den Eltern helfen, wobei es sich meist um ein materielles Objekt wie ein Kuscheltier oder eine Schmusedecke handelt, das es dem Kind erlaubt, den Übergang von der ersten frühkindlichen Beziehung zur Mutter zu reiferen Beziehungen zu vollziehen. Ein Übergangsobjekt ist stets ein vom Säugling oder Kind selbst gewähltes Objekt, das den intermediären Raum zwischen Kleinkind und Mutter einnehmen kann. Es ist meist ein materielles Objekt, etwa ein Kuscheltier oder eine Schmusedecke, das dem Kind erlaubt, den Übergang von der ersten frühkindlichen Beziehung zur Mutter zu reiferen Beziehungen zu vollziehen. Meist tritt dieses Phänomen im Alter von 4–12 Monaten auf. Übergangsobjekte sind Übergangsphänomene wie das Daumenlutschen oder Saugen an Stoffzipfeln, das Zupfen an verschiedenen Körperteilen und ähnliche Verhaltensweisen, wobei die Nutzung eines solchen Übergangsobjektes der Affektregulation bzw. dem Umgang mit negativen Emotionen und der Abwehr von Ängsten dient.

Das Kind nutzt Objekte wie Kuscheltiere, Schmusedecken oder ähnliches ebenfalls zum beruhigenden Saugen, Anknabbern, Zupfen. Aus dieser frühen und ersten Form des selbsttätigen Spieles mit Objekten, die nicht mehr Teil des kindlichen Selbst sind, kann eine große Anhänglichkeit entstehen. Es entwickelt sich eine zärtliche Beziehung des Kindes zu seinem Übergangsobjekt, welche sich auch außerhalb der Mutter-Kind-Beziehung befindet. Mit zunehmendem Alter erkennt das Kind, dass seine Mutter eine eigenständige, nicht zum Selbst des Kindes gehörende Person ist. Dies ist mit Verlustgefühlen verbunden, denn das Kind muss lernen, dass es keine Allmacht über die Mutter besitzt und seine Bedürfnisse nicht immer und sofort von ihr gestillt werden können. Im Gegensatz zur Mutter ist das Übergangsobjekt aber stets verfügbar.

Die Beziehung des Kindes zu seinem Übergangsobjekt ist mit speziellen Eigenschaften, wie etwa Geruch, Form, Material, Farbe oder Größe dieses Objektes verbunden. Um die Beziehung nicht zu gefährden, darf das Übergangsobjekt nicht verändert werden, außer das Kind tut es willentlich selbst. Auf keinen Fall sollte das Übergangsobjekt zur Strafe oder zu Erziehungszwecken absichtlich vorenthalten oder weggenommen werden, denn das kann zu Unsicherheit und Ängsten bis hin zu einem Trauma des Kindes führen.

Ein Übergangsobjekt kann nach Daniel Stern aber auch ein bestimmtes Wort sein, da es weder dem Selbst noch dem bedeutsamen Anderen wirklich angehört, sondern eine Mittelstellung zwischen beiden einnimmt. Besonders die vom Kind selbst erzeugten Klänge und Geräusche können diese Funktion erfüllen.

Die Bedeutung eines weichen, sinnlichen Gegenstands als Bindungsobjekt ist durch die Experimente von Harlow bewiesen, denn dieser fand in Versuchen mit Affenbabys, dass diese eine furchtreduzierende Bindung zu einer Stoffmutter gegenüber einer nahrungsspendenden Drahtmutter bevorzugten, woraus deutlich wird, dass Übergangsobjekte oder eben auch Bindungsobjekte einen bedeutsamen Einfluss auf die Entwicklung einer gesunden Bindungsfähigkeit und eines sozialen Selbst haben.

Dieses Objekt ihrer Wahl hilft dann den Kindern auch dabei, etwa Trennungsängste zu lindern, es tröstet und gibt Halt, wenn der Vater schimpft oder die Mutter etwas nicht erlaubt. Viele Kinder sprechen dabei mit ihrem Lieblingskuscheltier, erzählen ihm von ihren Sorgen und Plänen, denn es steht dann stellvertretend für eine feste, sichere Bindung, einen Freund, der immer da ist, der beschützt, zuhört und nie verurteilt. Übrigens verfallen  nicht zufällig viele Kinder in der gleichen Zeit in die Trotzphase. Übergangsobjekt verlieren später wieder an Bedeutung, da ihnen nach und nach die Besetzungen entzogen werden, jedoch findet in Krisensituationen im Leben häufig eine Regression statt, sodass diese später wieder hervorgeholt werden, um ihre Funktion für den Betreffenden erneut zu erlangen.

Bowlby lehnte übrigens den Ausdruck Übergangsobjekt ab und bezeichnete diese vielmehr als Bindungsobjekt, also als reines Ersatzobjekt, denn er vertritt die Auffassung, dass Kinder sich nicht so häufig an unbelebte Objekte binden, wenn sie weniger von der Mutter getrennt sind und ein enger, lebhafter, körperlicher Austausch zwischen Mutter und Kind stattfindet. Er sieht dies in den Experimenten von Harlow als bewiesen an.

Eine Studie der Uni Ulm zeigte übrigens, dass psychisch Kranke mit Borderline eine enge emotionale Bindung zu ihren Stofftieren aufbauen, d. h., Kuscheltiere könnten Menschen mit Bindungsangst oder Depression bei der Regulation ihrer Emotionen helfen.

Literatur

https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cbergangsobjekt (17-08-16)
Schmiege, Susan (2017). Übergangsobjekte: Wichtige Begleiter der Kinder.
WWW: http://www.kinderfreundliche-sachsen.de/kinderarche-knigge/uebergangsobjekte-wichtige-begleiter-der-kinder.html (17-08-16)
https://arktos.stangl-taller.at/news/ich-bin-kein-uebergangsobjekt/ (22-03-20)



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