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Wiederholungsstrategie

Wiederholungsstrategien beim Lernen tragen der Tatsache Rechnung, dass neue Informationen wieder aus dem Arbeitsspeicher verdrängt werden, wenn sie nicht aktiv erinnert werden. Die Wiederholung der neu gelernten Informationen dient der Festigung, dem Behalten des neuen Wissens und zur Verankerung im Langzeitgedächtnis. Dies geschieht durch mehrfaches Wiederholen bzw. Einprägen des Lehrstoffes. Zu den Wiederholungsstrategien gehören neben den bekannten Mnemotechniken auch das wiederholte Durcharbeiten des neu gelernten Stoffes bzw. der eigenen Aufzeichnungen, das Auswendiglernen von Schlüsselbegriffen o.ä. Eine Wiederholungsstrategie wendet beispielsweise derjenige an, der eine Telefonnummer immer wieder innerlich hersagt, um sie nicht zu vergessen.

Allerdings je mehr Zeit vergeht, desto weniger erinnert sich der Mensch an das, was in ihrem Gedächtnis abgespeichert wurde, sdoch ein selektiver Abruf kann dieses zeitabhängige Vergessen bekanntlich aber unterbrechen und die Erinnerung nicht nur an die abgerufenen, sondern wie neuere Untersuchunge zeigen, auch an die nicht abgerufenen Informationen verbessern. Bäuml & Trißl (2022) untersuchten in mehreren Experimenten das zeitabhängige Vergessen von kodierten Informationen direkt nach dem Lernen und nach einem zeitversetzten selektiven Abruf. Studierende lernten zunächst eine Liste von 15 Wörtern oder eine kurze Testpassage, wobei die Probanden der Kontrollgruppen einige Zeit anderweitig beschäftigt wurden, bevor sie in einem Gedächtnistest das Gelernte wiedergeben sollten. Die Abstände des Tests zum Lernzeitpunkt variierten dabei je nach Untergruppe. Die übrigen Teilnehmer durchliefen zwischen Lernen und Test ein selektives Abrufen, d. h., sie sahen die Anfangsbuchstaben von zehn der 15 Wörter als Erinnerungshilfe und sollten die Wörter aus dem Gedächtnis ergänzen, wobei diese Aufgabe je nach Untergruppe 30 Minuten bis drei Stunden nach dem Lernen stattfand. Auch bei diesen Probanden folgte dann in unterschiedlichem Abstand der eigentliche Gedächtnistest.

Der selektive Abruf steigerte dabei den Abruf der nicht abgerufenen Informationen bis zu dem Niveau, das direkt nach dem Lernen beobachtet wurde. Interessanterweise führte es auch zu einem Neustart des zeitabhängigen Vergessens, so dass das Vergessen nach dem Abruf nicht mehr vom Vergessen nach dem Lernen zu unterscheiden war und somit ein Reset des Erinnerungsprozesses eingeleitet wurde. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein selektiver Abruf vergessene Erinnerungen wiederbeleben und eine dauerhafte Verbesserung des Abrufs bewirken kann, also Effekte, die wahrscheinlich durch den Abruf von Kontext und eine permanente Aktualisierung des zeitlichen Kontexts vermittelt werden.

Umgesetzt für das praktische Lernen im Alltag bedeutet dies, dass wenn man etwa eine halbe Stunde nach dem Lernen einen Teil der Informationen noch einmal abruft, die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass man sich später auch an die dabei nicht konkret abgerufenen Lerninhalte besser erinnert.

Siehe dazu auch Repetitio est mater studiorum!

Literatur

Bäuml, Karl-Heinz T. & Trißl, Lukas (2022). Selective memory retrieval can revive forgotten memories. Proceedings of the National Academy of Sciences, 119, doi:10.1073/pnas.2114377119.



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