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Social Media


Als Social Media werden Blogs, Mikroblogs und Social Networks wie Twitter und Facebook, aber auch Bookmark-Communities wie Diggs oder delicio.us, Bilder- und Video-Communities wie Flickr und Youtube bezeichnet, die über digitale Netzwerke den interaktiven Austausch von Menschen ermöglichen. Sie bieten  NutzerInnen haben in diesen Social Media die Möglichkeit, Themen selbst zu erstellen, zu kommentieren und zu diskutieren, und produzieren dabei user generated content, der vor allem der Werbeindustrie immer neue Zugangsmöglichkeiten zu den dort versammelten UserInnen gestatten. Sie tragen auch dazu bei, dass  Informationen und Nachrichten im Internet schnelle Verbreitung  finden, wobei die Relevanz und Bedeutung von Social Media zwar steigt, aber auf Grund des Massenphänomens immer fragwürdiger wird. Durch den hohen Vernetzungsgrad verbreiten sich Neuheiten in  kurzer Zeit und werden in Folge auch durch klassische Medien aufgegriffen. So hat sich etwa der klassische Pressebereich zu sogenannten Social Media Newsrooms gewandelt, in denen allerlei PR- und Social-Media Aktivitäten zusammenfließen.

Die Attraktivität der sozialen Medien von YouTube, Instagram, Snapchat, Facebook, Netflix etc. hat mit der großen Anzahl an PsychologInnen und Werbefachleuten zu tun, denn solche Angebote sind nicht nur außerordentlich attraktiv, sondern sie sind ausschließlich darauf ausgerichtet, die UserInnen mit allen möglichen psychologischen Tricks möglichst lange auf ihrer Plattform zu halten bzw. sie immer wieder auf diese zu bringen. Sie wissen mehr über die psychische Gestimmtheit ihrer UserInnen als diese selbst und können deshalb bei ihnen ein maximales Suchtpotential entwickeln, was übrigens auch für die älteren Generationen gilt, die genauso Opfer der digitalen Revolution werden wie die Jungen. Zahlreiche Apps wie WhatsApp, Instagram oder TikTok, die Aufmerksamkeit erregen sollen, wirken ähnlich auf das menschliche Gehirn wie manche Drogen, die zur Ausschüttung von Dopamin führen, wobei Dopamin bekanntlich nicht nur als Belohnung freigesetzt wird, sondern schon davor in dem Zeitraum, in man aufgrund früherer Erfahrungen eine Belohnung erwartet. Auch Spielautomaten sind so konzipiert, dass sie einige Sekunden lang drehende Räder zeigen, um Dopamin als bloße Reaktion auf Vorfreude auszuschütten, was übrigens auch passiert, wenn das Smartphone vibriert und man, getrieben von der Dopamingier, eine kleine Belohnung in Form einer Nachricht oder einer E-Mail erwartet. App-Entwickler und User-Experience-Designer sind sich dieser neurobiologischen Grundlagen sehr wohl bewusst.

Können Social Media die Psyche beeinträchtigen?

Es existiert übrigens insgesamt sehr wenig Evidenz für einen kausalen Zusammenhang zwischen Social-Media-Nutzung und stark beeinträchtigtem Wohlbefinden, wobei ja einige Untersuchungen ein düsteres Bild von den Auswirkungen der Social-Media-Nutzung gezeichnet haben. Manche Studien haben sogar dramatische Schlussfolgerungen gezogen, etwa dass die Nutzung von Facebook und Co. mit Depressionen und sogar Suiziden in Zusammenhang steht. Allerdings sind die Warnungen über negative psychische Auswirkungen durch digitale Medien stark übertrieben, denn immer ist zu fragen, was ist Ursache, was ist Wirkung? In einer Vergleichsstudie von Stavrova & Denissen (2020), die untersuchten, ob sich die psychische Gesundheit einzelner Menschen über die Jahre abhängig von deren Social-Media-Nutzung eintrübt, kritisieren, dass die meisten Studien Menschen vergleichen, die Facebook und Co. nutzen, mit solchen, die das gar nicht oder viel weniger machen. Dies lässt aber keinen Schluss über Ursache und Wirkung zu. denn es könne ja sein, dass einsame, unglückliche oder introvertierte Menschen einen stärkeren Hang dazu haben, Zeit bei Social Media zu verbringen. Das bedeutet, dass eine depressive Verstimmung nicht Folge von Facebook, sondern ein Faktor ist, der die Nutzung dieses Netzwerks erst besonders attraktiv macht. In ihrer Studie werteten sie die Daten einer repräsentativen Stichprobe von mehr als zehntausend Niederländern aus, wobei sich zeigte, dass ein verändertes Social-Media-Verhalten einzelner Personen keine Auswirkungen auf deren späteres Wohlbefinden hatte. Wer mehr Zeit auf diesen Seiten verbrachte, zeigte später keine wesentlichen Veränderungen in seiner psychischen Gesundheit, sodass der Faktor Nutzungszeit demnach nichts darüber aussagt, wie gut oder schlecht sich jemand in den folgenden Jahren entwickeln wird. Allerdings fanden sich auch keine Hinweise für die These, dass eine beeinträchtigte Psyche Menschen besonders an Social Media fesselt, denn die Daten dazu waren inkonsistent und die beobachteten Effekte sehr gering.

Die politische Macht der sozialen Medien

Das Internet enthält im Wesentlichen computervermittelte Kommunikationen und schafft durch Interaktivitäten zwischen AkteurInnen und Techniken aktive Rückmelde- und Eingriffsmöglichkeiten. Social Media bezeichnen dabei die zunehmende digitale Vernetzung über soziale Online-Netzwerke, Blogs oder Microblogs wie Facebook. Twitter, Emails, Wikis, Foren sowie Multimedia-Sharing-Plattformen wie YouTube oder TikTok, die das als interaktive Kommunikationsinstrumente das Social Web – auch als Web 2.0 bezeichnet – konstituieren. Das wichtigste Merkmal des Social Web besteht darin, dass die NutzerInnen durch selbst generierte Inhalte (user-generated content) aktiv in die Gestaltung der angebotenen Informationen eingreifen können, wodurch die Unterscheidung zwischen Produzierenden und NutzerInnen unscharf wird. Digital vernetzte Interaktionen zwischen Menschen und Interaktivitäten zwischen Menschen und Techniken stehen im Social Web im Mittelpunkt. Technologischer Fortschritt, wie ihn etwa internetfähige Smartphones oder Tablets verkörpern, beschleunigt die Verbreitung dieser Form digitaler Vernetzung. Das Social Web sowie das Internet sind dabei immer in einen spezifischen sozialen Kontext eingebettet, wobei Social Media dabei nur eine neue Form technikvermittelter und ortsunabhängiger Interaktion darstellen. Sie entsprechen in gewissem Sinne der etwa am Beginn des Buchdrucks entstandenen Möglichkeit, rasch über gedruckte Flugblätter Informationen zu verbreiten, wobei allerdings die partizipativen Möglichkeiten öußerst begrenzt waren.

So entstehen im Social Web Gemeinschaften, die nur durch die gemeinsame Medieninteraktion ermöglicht werden, und neue soziale Praktiken, wie die des Selbstinszenierens, der im Sich-selbst-Googlen liegenden permanenten Selbstkontrolle, aber auch in neuen Praktiken des Kritisierens, des Lesens, des Flirtens, des Verabredens, der Informationssammlung, der politischen Partizipation oder neue Kommunikationsroutinen, die durch technische Artefakte wie Smartphones oder Tablets über Zeit und Ort hinaus wirken. Neue Normen der Interaktion, wie der Umgang mit permanent eintreffenden Nachrichten oder ständige mobile Interaktionen mittels Smartphone müssen aber noch ausgehandelt werden. Social Media fungieren dabei als mögliche technische Träger für Gegenöffentlichkeiten, wie etwa WikiLeaks, und benötigen Schlüsselsituationen, um alternative gesellschaftliche Praktiken hervorzurufen. So können Widerstandskulturen mittels des Social Web auch Herrschaftsstrukturen fundamental in Frage stellen, und eine Art der Demokratie von unten entfalten. So können Social Media mit ihren interaktiven und vernetzten Plattformen ein medial alternatives Werkzeug für Freiräume und Gegenöffentlichkeiten anbieten, das als sozio-technische Innovation Machtverhältnisse langfristig verändern kann.

Siehe dazu Web 2.0

Literatur

Mattausch, B. (2011). Social Web: Macht durch FreiRaum. FreiRäume, 1, 18-29.
Stavrova, O. & Denissen, J. (2020). Does Using Social Media Jeopardize Well-Being? The Importance of Separating Within- From Between-Person Effects. Social Psychological and Personality Science, doi:10.1177/1948550620944304.
https://www.sueddeutsche.de/wissen/instagram-facebook-depressiv-soziale-medien-1.4990505 (20-08-05)
Faissal Sharif, Berliner Neuro-Wissenschaftler in der Berliner Zeitung vom 11. September 2020.


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