Neuroleptika sind Medikamente, die dämpfend und beruhigend wirken, aber gleichzeitig zu einer gewissen Gleichgültigkeit gegenüber der Umwelt führen. Bei Neuroleptika (auch Nervendämpfungsmittel oder Antipsychotika) handelt es sich also um eine auf die Psyche einwirkende Gruppe von Medikamenten, die psychotrop Neuroleptika wirken, d.h., sie wirken direkt auf den Hirnstoffwechsel ein und verändern die Übertragung von elektrischen Reizen im Gehirn.

Daher werden Neuroleptika vor allem bei Psychosen eingesetzt, also Gemütserkrankungen mit krankhaften Erregungszuständen, bei denen die Betroffenen den Bezug zur Realität verloren haben. Besonders Schizophrenien, Wahnvorstellungen (Halluzinationen) und ängstliche Erregtheit werden mit Neuroleptika behandelt, wobei Neuroleptika nur eine Säule der Behandlung neben Psychotherapie und Verhaltenstherapie darstellen. Der Einsatz von neuroleptischen Medikamenten ist Standard bei der Behandlung der meisten akuten Psychosen. Seit Einführung der Neuroleptika Anfang der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts ist der Anteil an stationär behandelten Menschen mit psychotischen Symptomen aus dem schizophrenen Formenkreis signifikant gesunken.

Auch Demenzkranke werden häufig mit Neuroleptika ruhiggestellt, um die Situation zu entschärfen und die Belastungen für Angehörige zu minimieren. Diese Medikamente dämpfen die Betroffenen, wobei heute etwa ein Drittel aller Menschen mit Alzheimer-Demenz Neuroleptika bekommen, etwa zehn Prozent bekommen zusätzlich Schlafmittel und Beruhigungsmittel, wobei es im stationären Bereich sogar an die fünfzig Prozent sein können, die Neuroleptika bekommen, um einen geordneten Ablauf zu gewährleisten. Das deutet allerdings darauf hin, dass es hier um die Ruhigstellung geht, aber nicht um eine Therapie. Seit einiger Zeit weiß man, dass solche Arzneimittel bei Menschen mit Alzheimer-Demenz mehr schaden als nutzen können, denn die längere Einnahme führt dazu, dass Demenzpatienten daurch ein erhöhtes Risiko haben, früher zu sterben als gleichaltrige Menschen, die keine Demenz haben. Neuroleptika erzeugen Dyskinesien – parkinsonartiger Syndrome wie z. B. Zitterbewegungen und Unruhe. Die immer noch weit verbreitete Verordnung dieser Mittel bei dementen Menschen ist daher langfristig keine akzeptable Strategie, sodass es sinnvoller ist, auf Präventionsstrategien zu setzen, also in Bewegung, Ernährung und ein gutes soziales Umfeld, denn zu den Risikofaktoren für Demenz zählen Bewegungsmangel, jahrelange Schlafstörungen, wiederholte Kopfverletzungen, auch solche leichter Art, Rauchen, hoher Blutdruck, Übergewicht und Diabetes. Durch einen gesunden, aktiven Lebensstil kann man daher das Demenzrisiko verringern, ebenso durch frühzeitiges Gedächtnistraining, durch das zumindest das Fortschreiten der Demenz damit verlangsamt werden kann.

Nebenwirkungen

Die Sterblichkeit schizophrener Patienten, also einer Zielgruppe für diese Medikamentengruppe, ist nach Erhebungen allerdings doppelt bis dreifach so hoch wie die der Allgemeinbevölkerung. Diese hat im Gegensatz zu Nichterkrankten in den letzten drei Jahrzehnten nicht ab-, sondern zugenommen, wobei von Experten ursächlich neben der hohen Suizidrate auch metabolische Nebenwirkungen der neuroleptischen Therapie wie Gewichtszunahme und Diabetes mellitus angenommen werden. Diese befürchten, dass die Sterblichkeit schizophrener Patienten weiter steigt, weil immer häufiger atypische Neuroleptika verordnet werden.

Literatur

arznei-telegramm 2009; 40: 22-3.
WWW: http://www.arznei-telegramm.de/html/2009_02/0902022_02.html (09-12-12)


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