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Traumdeutung


Es lohnt sich, geduldig zu beobachten, was in der Seele im Stillen geschieht, und es geschieht das Meiste und Beste, wenn es nicht von außen und oben hineinreglementiert wird. Ich gestehe es gerne: Ich habe eine solche Hochachtung vor dem, was in der menschlichen Seele geschieht, daß ich mich scheuen würde, das stille Walten der Natur durch täppische Zugriffe zu stören und zu entstellen.
Carl Gustav Jung

 

Die Traumdeutung bzw. Oneirologie (von griech. oneiros, „der Traum“) ist nach Sigmund Freud der Königsweg zum Unbewussten, wobei in den diesbezüglichen tiefenpsychologischen Verfahren versucht wird, die einzelnen Traumbestandteile zu erfahren und zu deuten, um so einen Zugang zu den unbewussten Gefühlen, Wünschen oder Ängsten zu erhalten. Traumdeutung ist somit der Versuch einer Interpretation der im Traum erlebten Bilder, Handlungen und Gefühle. Über die Funktion des Traums besteht in der wissenschaftlichen Traumforschung keine Einigkeit, sodass auch die Bedeutung und Deutung von Trauminhalten umstritten ist. Träume werden wesentlich von Gefühlen angetrieben, d. h., Träume haben etwas zu tun mit der Erinnerung, wobei diese Erinnerung nicht chronologisch funktioniert sondern assoziativ. Erinnerungen laufen daher nicht einfach wie ein Film ab, den man abspielt, sondern Erinnerungen lassen sich eher vergleichen mit einer Datenbank, in der verschiedene Ereignisse und Fakten miteinander verknüpft sind und auf Grund dieser Verknüpfungen abgerufen werden. Wenn Menschen wach sind, dann gibt es einen Teil des Gehirns, den präfrontalen Cortex, der kontrolliert, dass die Gedanken nicht allzu unrealistisch werden. Dieses Areal macht daher ständig Realitätschecks und Checks auf Plausibilität, doch im Schlaf ist der präfrontale Cortex abgeschaltet und dann arbeitet das Gehirn vorwiegend assoziativ.

Die Tiefenpsychologie ist also der Auffassung, dass das Traumgeschehen eine Schlüssel zu den unbewussten Erlebensweisen des Menschen ist, wobei Freud in seinem Werk Die Traumdeutung diese Arbeit auch als Traumanalyse bezeichnet. Auch in der Jungschen oder Analytischen Therapie gilt der Traum als der wichtigste Wegweiser zum Unbewussten. Hier findet die Begegnung mit den Archetypen statt, die durch die Traumbilder zu uns sprechen. Jung etwa unterschied vier Arten von Träumen:

  • Wiederholungsträume sind die nächtliche Aufarbeitung von alltäglichen Problemen und Erfahrungen, die durch eine immer wiederkehrende psychische Situation hervorgerufen werden. Das Unterbewusstsein des Menschen möchte die wiederholende Aufarbeitung dieser speziellen Situation in das Bewusstsein bringen, um sie zu verarbeiten und eine Lösung zu finden, wobei ein Lösungsansatz im Traumgeschehen meist integriert ist, doch liegen die Auslöser für das Problem weit in der eigenen Vergangenheit.
  • Kompensatorische Träume beziehen sich auf das selbstständig agierende Unterbewusste, sie wollen daher eine Gegenwelt des tatsächlichen und damit oft nicht ausgeschöpften Lebensstils in der Realität schaffen.
  • Archetypische Träume bezeichnen allgemeingültige Seelenbilder, in denen das Unterbewusste im Traum auf das Stammhirn zurückgreift, also jenen Gehirnbereich zu, in dem die gesamte Menschheitsentwicklung verankert ist. Träume, die aus diesem kollektiven Unterbewusstsein entstehen, sind in erster Linie Offenbarungen der Stammes- und Menschheitsgeschichte, möglicherweise auch Ausdruck vergessenen Wissens.
  • Präkognitive Träume schließlich bezeichnen hypothetische Wahrnehmungen, für die es bisher keine Nachweise gibt und die durch bekannte sinnliche Wahrnehmungen, Erfahrungen oder Wissensquellen nicht erklärbar sind.

C.G. Jung schrieb dabei den Traumsymbolen eine zentrale Bedeutung im Bereich der Bewusstseinserweiterung zu, denn sie bilden jene psychischen Kraftfelder, die das Bewusstsein erweitern und neue Erlebnismöglichkeiten zugänglich machen. Nach seiner Meinung ist die Symbolsprache in Träumen eine Verdichtung jener Bereiche des menschlichen Denkens, die im Wachzustand durch die Anforderungen des Alltags nicht ins Bewusstsein rücken können. Eine Analyse von Träumen kann daher Unterbewusstes aufdecken, versteckte Probleme entschlüsseln und die gegenwärtige Lebenssituation eines Menschen durchleuchten, um im Anschluss daran Lösungsmöglichkeiten für ihn zu entwickeln.

In der Gestalttherapie werden Träume als existenzielle Botschaften des Träumenden betrachtet. Die psychoanalytische Traumdeutung wird ersetzt durch die szenische Darstellung des Traumes sowie durch Dialoge mit ausgewählten Traumteilen, in denen der Träumer die vorkommenden Personen und Gegenstände als enteignete Teile von sich und seiner Umwelt erforschen, erkennen und integrieren kann.

Bei jeder Traumdeutung ist der erste Schritt die Unterschei­dung zwischen dem manifesten Trauminhalt und dem laten­ten Traumgedanken. Der Trauminhalt darf nicht dazu verführen, ihn sofort interpretieren zu wollen. Es ist wichtig, den dahinter liegenden Traumgedanken zu finden. Dann muss man die Unterscheidung zwischen den Träumen­ vom-Ich-her und Träumen-vom-Es-her beachten. Träume-vom-Ich­-her sind weitgehend bedeutungslos, denn sie sind Tagesreste. Weil sich aber oft ein Inhalt des Unbewussten anhängt, kann er aber immerhin einen ersten Hinweis geben. Träume-vom-Es-her kom­men aus dem Unbewussten, und oft auch aus dem tiefsten Unbewussten, wo die Urbilder aus der Vorzeit bzw. Archetypen liegen. Diese Träu­me bilden den Königsweg ins Unbewusste. Weil aber diese Traumbilder archaisch sind, darf man sie nicht modern deuten, sondern muss etwa auch Märchen und Sagen befragen. Schließlich muss man die drei Strukturen von Träumen beachten: die Verdichtung, die auffordert, nach mehr als nur einer Bedeutung zu suchen, die Verschiebung, die nicht verführen darf, die auftretenden Personen oder Bilder sofort als richtig anzusehen und schließlich die Verkehrung ins Gegen­teil, damit man keine falsche Fährte verfolgt.

Literatur

Ermann, M. (2005). Träume und Träumen: Hundert Jahre “Traumdeutung”. Stuttgart: Kohlhammer.
Hartmann, E. (2000). Dreams and Nightmares: The Origin And Meaning Of Dreams. New York: Basic Books.
Hartmann,E. (2010). The Nature and Functions of Dreaming. Oxford: Oxford University Press.
Hobson, J. A. (1990). Schlaf: Gehirnaktivität im Ruhezustand. Heidelberg: Spektrum.
Hobson, J. A. (2011). Dreaming: A Very Short Introduction. Oxford: Oxford University Press.
Wiegand, M, Spreti, F. & Förstl, H. (2006). Schlaf & Traum: Neurobiologie, Psychologie, Therapie. Stuttgart: Schattauer.


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