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inzidentelles Lernen


Inzidentelles Lernen (incidental learning) bzw. informelles Lernen ist die Bezeichnung für ein beiläufiges Lernen, bei dem neben den einzuprägenden Inhalten auch noch andere Inhalte aufgefasst und behalten werden, ohne dass hierfür eine entsprechende Lerninstruktion erfolgte.  Lernprozesse finden bekanntlich nur zu einem kleinen Teil in Bildungseinrichtungen statt, denn Menschen lernen am Arbeitsplatz, zu Hause und in anderen Communities, d.h., im Austausch mit Familie, Freunden, Nachbarn und sonstigen Menschen, zu denen eine soziale Beziehung besteht, beim gemeinschaftlichen Sport, im Verein und beim organisierten zivilgesellschaftlichem Engagement.

Inzidentelle Bildung bezeichnet hingegen ein Lernen, dem auf beiden Seiten keine pädagogische Absicht zugrunde liegt. In letzter Zeit wird dieses Lernen auch im Rahmen der Diskussion um lebenslanges Lernen verwendet. Evident ist diese Lernform etwa bei der betrieblichen Meister-Schüler-Lehre innerhalb der dualen beruflichen Ausbildung. Nicht-intendiertes Lernen ergibt sich “en passant”, ist also nicht das eigentliche Ziel des Handelns einer Person.

Den Gegensatz zum inzidentellen Lernen bildet das intentionale Lernen. Über inzidentelles Lernen selbst gibt es eine Vielzahl experimenteller Befunde, die zum einen aussagen, dass Lernen zwar ohne Absicht erfolgen kann, dass diese Lernsituation aber im Vergleich mit einer absichtsvollen oder instruierten weniger effektiv ist. John Dewey hat als erster den Begriff des informellen Lernens gebraucht und beschrieb es als natürliches Lernen und stellte es explizit dem schulischen Lernen gegenüber. Diese Sichtweise prägte lange die Diskussion, bis das informelle Lernen auch im Kontext der Erwachsenenbildung und der beruflichen Weiterbildung entdeckt wurde. In diesen Bereichen ist das Lernen stärker mit in die Arbeits- und Lebenszusammenhänge eingebunden, so dass weitere Merkmale, wie das Erreichen eines Abschlusses, mit in eine Beschreibung aufgenommen wurden. Mit der zunehmenden Auflösung der Grenzen zwischen Arbeiten und Lernen, aber auch zwischen Arbeit und Freizeit, wurde es immer schwieriger die Grenzen zwischen formellem und informellem Lernen zu ziehen.

In der Pädagogik wird dieses Lernen unter dem Begriff des informellen Lernens in Abgrenzung zum formalen bzw. nonformalen Lernen an Schulen, Universitäten eher peripher diskutiert. Dabei macht laut Unesco das informelle Lernen außerhalb von Bildungsinstitutionen 70 Prozent aller menschlichen Lernprozesse aus. Das informelle Lernen umfasst somit alle jene Lernprozesse, die im täglichen Leben stattfinden, also nicht nur das Lernen im Rahmen familialer Kommunikation, sondern auch das Lernen am Arbeitsplatz, das Lernen im Rahmen von Multimediaanwendungen oder dem Internet, das autodidaktisches Lernen aus Büchern, über Befragungen usw. Der Begriff “informal education” wurde früher vielfach mit informellem und nonformal organisiertem Lernen gleichgesetzt, wobei informelles Lernen heute auch synonym mit “open learning” verwendet wird.

Nicht-formelle Bildung, heute überwiegend als nonformale Bildung bezeichnet, ist alles Lernen außerhalb von Schulen, bei dem sowohl die Quelle von Informationen als auch die jeweils Lernenden mit dem Lernprozess eine Absicht verbinden. Informelle Bildung liegt dann vor, wenn entweder die Informationsquelle oder aber die Lernenden die Absicht haben, einen Lernprozess zu organisieren. Sie unterscheidet sich von nicht formeller Bildung dadurch, dass in diesem Falle nur einer der beiden Teile – lehrendes bzw. lernendes Sysem – einen Lernprozess intendiert.
Verwandt mit dem inzidentellen Lernen ist das Prinzip der Serendipität (serendipity), gelegentlich auch Serendipity-Prinzip oder Serendipitätsprinzip, das eine zufällige Beobachtung von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem bezeichnet, das sich als neue und überraschende Entdeckung erweist.

1. Definition

Beim inzidentellen Lernen handelt es sich um einen Vorgang, bei dem Informationen nebenbei (unabsichtlich) aufgenommen werden. Das bedeutet, wir lernen viele Inhalte, ohne dass eine Lernabsicht vorliegt. Der Anteil der unabsichtlichen Lernprozesse ist mindestens so groß wie der Anteil jener Lernprozesse, bei denen es eine Lernabsicht gibt (vgl. Fröhlich, 1993, S. 259).

Zum Verständnis ein Beispiel:

„das beiläufige Mitlernen von Begleitumständen, die mit der gewünschten Tätigkeit oder dem Verhaltensziel in keiner direkten Beziehung stehen“ (Fröhlich, 1993, S. 259).

2. Definition

Das wesentlichste Merkmal des inzidentellen Lernens, ist, dass es sich dabei um beiläufiges Lernen handelt. In der Lernphase erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmern Lernmaterial und werden nicht informiert, dass sie später einem Wissenstest unterzogen werden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden plötzlich geprüft. Sie sollen angeben an welche Items sie sich noch erinnern (Gedächtnisexperiment) oder welche Regeln ihnen bekannt sind (Lernexperiment) (vgl. Mazur, 2006, S. 526f).

3. Definition

Viele Lernvorgänge in unserem Leben haben keine Bedeutung, da wir sehr viel nebenbei und unabsichtlich lernen (inzidentelles Lernen). Deshalb meinen viele, dass inzidentelle Lernvorgänge viel öfters passieren als jene Vorgänge, bei denen es eine Lernvorgabe gibt (intentionales Lernen). Obwohl diese Annahme sehr treffend scheint, liefern empirische Studien folgendes Ergebnis: Informationen werden unabhängig davon, ob wir uns absichtlich oder unabsichtlich mit neue Inhalten auseinandersetzen, in unserem Gedächtnissystem verarbeitet (vgl. Hasselhorn & Gold, 2009, S. 51).

4. Definition

„Beim b. (=inzidentellen) L. besteht im Ggs. Zum zielgerichteten (= intentionalen) Lernen keine Lernabsicht der Versuchsperson. Ein b. L. liegt dann vor, wenn keine Instruktion gegeben wurde, das später geprüfte Material zu lernen“ (Merz, 1980, S. 1242f).

5. Definition

Inzidentelles Lernen hat die Bedeutung ohne Absicht zu lernen. Inzidentelles Lernen spielt eine sehr bedeutsame Rolle in unserem Leben, da wir die meiste Zeit inzidentell lernen (unabsichtlich lernen). Forschungen ergeben, dass die Lernabsicht keine Auswirkungen auf den Lernerfolg hat (vgl. Pawlik, 2005, S. 152).

 Literatur

Fröhlich, W. (1993). Inzidentelles Lernen. dtv –Wörterbuch zur Psychologie. Nördlingen:Deutscher Taschenbuch Verlag.
Hasselhorn, M & Gold, A. (2009). Pädagogische Psychologie. Erfolgreiches Lernen und Lehren. Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer.
Mazur, James E. (2006). Lernen und Verhalten. Pearson Studium.
Merton, R. K. & Barber, E. (2004). The Travels and Adventures of Serendipity: A Study in Sociological Semantics and the Sociology of Science. Princeton : Princeton University Press.
Ohne Autor (1980). Inzidentelles Lernen. Lexikon der Psychologie – H-Psychodiagnostik, zweiter Band. Herder Freiburg – Basel – Wien: Verlag Herder KG Freiburg.
Pawlik, Kurt. (2006). Handbuch Psychologie. Wissenschaft. Anwendung. Berufsfelder. Heidelberg: Springer Medizin Verlag.
Stangl, W. (2011). Latentes, implizites, inzidentelles oder informelles Lernen. [werner stangl]s arbeitsblätter.
WWW: https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LERNEN/LatentesLernen.shtml (11-05-27).


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