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Norm – Normen


Unter Normen oder Normwerten versteht man in der empirischen Psychologie, insbesondere in der Testpsychologie, die Gesamtheit der Datenbasis zur Erstellung eines Vergleichsmaßstabs für einen Test. Zur Gewinnung von Testnormen werden dabei große Stichproben (Normen- oder Normierungsstichproben) untersucht und deren Ergebnisse zur Einschätzung von Einzelbefunden herangezogen. Dafür verwendet man in der Regel Normentabellen, die dem Anwender das rasche Auffinden relevanter Informationen ermöglichen, Diese Form der Diagnostik bezeichnet man daher auch als normorientierte Diagnostik, in der die diagnostische Entscheidung  auf Informationen beruht, die sich an empirisch gewonnenen Vergleichsmaßstäben orientieren (vgl. hingegen die kriteriumsorientierte Diagnostik).

Spezielle in der Sozialpsychologie sind Normen allgemein anerkannte Regeln für akzeptiertes bzw. von anderen erwartetes Verhalten, d.h., Normen definieren das in einer Gesellschaft angemessene Verhalten. Normen definieren sich demnach dadurch, dass etwas dann als Norm gilt, wenn es verbindlich festlegt, wie Menschen sein sollen und wie sie sich unter bestimmten Bedingungen zu verhalten haben. Normen zeigen sich daher auch als subjektive Erwartungshaltungen bezogen auf verpflichtendes Verhalten aller, sind jedoch in der Regel konditional, d. h., auf bestimmte Situationen eingeschränkt bzw. bezogen. Prinzipiell beziehen sich Normen auf Verhaltensweisen, können aber auch auf Einstellungen, Wert- und Glaubenshaltungen bezogen sein. Wenn ein Verhalten oder eine Einstellung zur Norm wird, müssen sie allgemein als gültig akzeptiert und von einer Gemeinschaft getragen werden, was sich dann darin äußert, dass normkonformes oder deviantes Verhalten Konsequenzen u. U. sogar in Form von Sanktionen nach sich zieht.

Menschen orientieren sich in ihrem Verhalten einerseits an dem, was wichtige Bezugspersonen von ihnen erwarten, andererseits aber auch daran, was andere vergleichbare Menschen tun. In der Sozialpsychologie unterscheidet man Gruppen-, soziale, gesellschaftliche und kulturelle Normen, wobei sich keine Gruppe, Gesellschaft oder Kultur beschreiben ließe, ohne dabei die jeweiligen Normsysteme zu berücksichtigen. Besonders bedeutsam sind in Bezug auf ein Individuum deskriptiv Normen, die sich auf das beziehen, was die Mehrheit tut bzw. als angemessen betrachtet, wobei das Wissen über das Verhalten von Alters- und Geschlechtsgenossen eine wesentliche Voraussetzung ist.

Normen beschreiben in der Organisationspsychologie auch Erwartungen und Richtlinien, wie sich Mitglieder eines Teams oder einer Organisation typischerweise verhalten sollten, wobei Normen etwa den Dress-Code oder Pausen- und Anwesenheitszeiten von MitarbeiterInnen betreffen können, aber auch bestimmte Anforderungen hinsichtlich der Arbeitsleistung. Die Forschung zeigt, dass solche Normen als Anforderungen bewertet werden und deshalb bei den Betroffenen Stress auslösen können. Allerdings kann das Zugehörigkeitsgefühl zur Institution oder Organisation ähnlich wie ein respektvollen Umgang mit den MitarbeiterInnen als eine Art Stresspuffer zu wirken. Das liegt daran, dass Menschen, die sich stark mit ihrer Organisation identifizieren, deren Normen oftmals als ihre eigenen Standards annehmen, d. h., sie sind somit internal motivierter, diese Normen zu erfüllen, und bewerten diese Normen womöglich weniger als Druck von außen, was dann mit weniger Stress einhergeht.

Siehe dazu soziale Normen.

Literatur

Sieverding, M., Decker, S., & Zimmermann, F. (2010). Information about low participation in cancer screening demotivates other people. Psychological Science, 21,  941-943.
Sieverding, M., Matterne, U., & Ciccarello, L. (2010). What role do social norms play in the context of men’s cancer screening intention and behavior? Application of an extended theory of planned behavior. Health Psychology, 29, 72-81.


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