Geduld

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Geduld ist ein Baum mit bitteren Wurzeln, aber sehr süßen Früchten.
Sprichwort der Bantu

In der Psychologie wird Geduld nicht als passives Abwarten, sondern als eine aktive, kognitive und emotionale Regulationsleistung definiert. Geduld Geduld beschreibt die Fähigkeit, Belohnungen aufzuschieben (Belohnungsaufschub), Frustrationen oder widrige Umstände ohne übermäßige Reizbarkeit zu ertragen und beharrlich auf langfristige Ziele hinzuarbeiten. Ein zentraler theoretischer Pfeiler ist das von Walter Mischel geprägte Konzept des Belohnungsaufschubs, das im berühmten Marshmallow-Test operationalisiert wurde. Hierbei zeigt sich, dass Geduld auf der Fähigkeit zur Selbstregulation basiert: Das Individuum muss den unmittelbaren Impuls, eine sofortige Befriedigung zu wählen, unterdrücken, um ein wertvolleres Ziel in der Zukunft zu erreichen. Ergänzend dazu beschreibt die Theorie der zeitlichen Diskontierung (temporal discounting), wie der subjektive Wert einer Belohnung sinkt, je weiter sie in der Zukunft liegt; geduldige Menschen weisen hierbei eine flachere Kurve auf, messen also zukünftigen Ereignissen eine höhere Stabilität bei.

Ein weiterer wesentlicher Ansatz stammt von Schnitker (2012), die Geduld als ein multidimensionales Persönlichkeitsmerkmal identifizierte, das in drei Facetten unterteilt werden kann: interpersonelle Geduld (Geduld mit schwierigen Mitmenschen), Geduld bei Lebenswidrigkeiten (Umgang mit langfristigen Schicksalsschlägen oder Krankheiten) und Geduld im Alltag (Toleranz gegenüber täglichen Ärgernissen wie Staus oder Warteschlangen).

Psychologisch betrachtet ist Geduld eng mit der Exekutivfunktion des Gehirns verknüpft, insbesondere mit der inhibitorischen Kontrolle im präfrontalen cCortex. Beispiele für Geduld finden sich in der klinischen Psychologie bei langwierigen Genesungsprozessen, in der Pädagogik beim Erlernen komplexer Fähigkeiten oder im sozialen Kontext, wenn Individuen trotz unterschiedlicher Arbeitstempi kooperieren.

Theoretisch wird Geduld zudem oft im Rahmen des transaktionalen Stressmodells von Lazarus verortet, wobei sie als Form des emotionsfokussierten Copings fungiert, indem die Bewertung einer Verzögerung von „bedrohlich“ zu „akzeptabel“ umgedeutet wird. Somit ist Geduld eine Schlüsselkompetenz der Resilienz, da sie die Lücke zwischen einem Bedürfnis und dessen Befriedigung durch kognitive Kontrolle und emotionale Stabilität überbrückt.

Literatur

Baumeister, R. F., & Tierney, J. (2011). Willpower: Rediscovering the greatest human strength. Penguin Press.
Mischel, W., Ebbesen, E. B., & Raskoff Zeiss, A. (1972). Cognitive and attentional mechanisms in delay of gratification. Journal of Personality and Social Psychology, 21(2), 204–218.
Schnitker, S. A. (2012). An examination of patience and well-being. The Journal of Positive Psychology, 7(4), 263–280. [
Schnitker, S. A., & Emmons, R. A. (2007). Patience as a virtue: Religious and psychological perspectives. The Journal of Positive Psychology, 2(3), 175–187.


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