Der Begriff Border-Collie-Syndrom – auch Border Collie-Wahn oder Border Collie Overdrive – ist ein informeller Begriff, der das Verhalten von Border Collies beschreibt, die durch Überstimulation, falsche Erziehung oder unzureichende Auslastung Probleme entwickeln. Border Collies sind von Natur aus sehr intelligente, energetische und arbeitsfreudige Hunde, die oft eine hohe Bedürfnis nach mentaler und körperlicher Beschäftigung haben. Wenn ihre Anforderungen nicht erfüllt werden, können sie Verhaltensprobleme entwickeln. Zu den typischen Merkmalen, die oft mit dem Border-Collie-Syndrom in Verbindung gebracht werden, gehören:
- Übermäßige Energie und Hyperaktivität: Border Collies, die nicht genügend geistige und körperliche Auslastung bekommen, können unaufhörlich und manchmal nervös wirken.
- Jagen und Ständiges Fokussieren: Ein Border Collie, der unter mangelnder Auslastung leidet, kann anfangen, stundenlang Dinge zu jagen – von Bällen über Autos bis hin zu Lichtreflexen. Manche Hunde zeigen sogar „verrücktes“ Verhalten, das an Obsessivität erinnert.
- Unruhe und Zerstörung: Wenn ein Border Collie nicht genügend Aufgaben hat, kann er anfangen, destruktiv zu werden. Dies könnte das Zerstören von Möbeln, das Graben von Löchern oder das Kauen auf Gegenständen beinhalten.
- Übermäßiges Bellen oder Fixierung: Manche Border Collies entwickeln eine starke Fixierung auf bestimmte Dinge oder Geräusche, was zu exzessivem Bellen oder anderen Verhaltensauffälligkeiten führen kann.
- Angst oder Unsicherheit: In einigen Fällen kann der Mangel an mentaler Stimulation zu Angstzuständen oder sogar zu Phobien führen.
Um das Border-Collie-Syndrom“zu vermeiden, ist es wichtig, den Hund sowohl körperlich als auch geistig zu fördern. Hierzu gehören regelmäßige Spaziergänge, intensive Spiel- und Trainingssessions, sowie die Bereitstellung von Aufgaben, die den Hund fordern – wie z. B. Suchspiele, Agility-Training oder das Erlernen neuer Tricks. In vielen Fällen kann auch eine professionelle Hundetrainerin oder ein Hundetrainer helfen, das Verhalten zu korrigieren, besonders wenn es sich um ausgeprägte Verhaltensprobleme handelt.
Auf den Menschen übertragen – was in zahlreichen Postings in den sozialen Medien aber auch in Printmedien geschieht – beschreibt das Border-Collie-Syndrom demnach jenes psychologische Phänomen, bei dem Menschen ein intensives Bedürfnis nach ständiger Beschäftigung und sozialer Interaktion verspüren, um sich sicher und erfüllt zu fühlen. Obwohl es keine medizinische Diagnose ist, dient es als Metapher für die zunehmende Rastlosigkeit in der modernen Gesellschaft. Man vermutet, dass es bei diesem Verhalten oft weniger um konkrete Erledigungen geht, als vielmehr um die Vermeidung belastender Gefühle wie Unsicherheit oder Einsamkeit. Die Ursachen für dieses Verhalten sind vielfältig und können bis in die Kindheit zurückreichen. Das ständige Beschäftigtsein kann als Ablenkung von unangenehmen Gefühlen dienen, löst jedoch nicht die zugrundeliegenden Probleme und verhindert notwendige Erholungsphasen. Als Gegenmaßnahmen empfehlen sich Achtsamkeitstechniken und Entspannungsübungen wie Meditation, um das Alleinsein als Chance zur Selbstreflexion und Entspannung zu begreifen. Bei stärkeren Ausprägungen des Syndroms kann eine psychotherapeutische Begleitung hilfreich sein, um die Ursachen zu ergründen und einen gesunden Umgang mit den eigenen Emotionen zu entwickeln.
Hinweis: Bei diesem Phänomen bzw. Begriff handelt es sich um ein populärwissenschaftliches Konstrukt, das in Diskussionen, Lifestyle-Magazinen oder in der Ratgeberliteratur herumgeistert, also um keinen genuin wissenschaftlich-psychologisches Fachbegriff. Solche Begriffe werden aber dann hier aufgenommen, wenn sie Beziehungen zu klassischen psychologischen Phänomenen aufweisen bzw. eine gewisse Verbreitung gefunden haben.
Literatur
https://www.brigitte.de/liebe/persoenlichkeit/psychologie–daran-erkennst-du–dass-du-am-border-collie-syndrom-leidest-13908390.html (24-11-27)