Post-Holiday-Syndrom

Das Post-Holiday-Syndrom, auch bekannt als Post-Vacation Blues oder Post-Urlaubsdepression, beschreibt jene Stimmungslage, die Menschen nach der Rückkehr von einem Urlaub oder nach Feiertagen erleben können und durch verschiedene negative Gefühle wie Traurigkeit, Einsamkeit, Leere und Erschöpfung gekennzeichnet ist. Obwohl Urlaub und Feiertage oft den Stress und die körperliche Belastung reduzieren und die Stimmung verbessern, halten solche positiven Effekte nicht immer an, wenn man nach Hause zurückkehrt, wobei ein Bewusstsein für dieses Phänomen und der Einsatz von Bewältigungsstrategien helfen können, diesen Übergang zu erleichtern (s. u.).

Das Post-Holiday-Syndrom bezeichnet demnach ein psychophysiologisches Phänomen, das häufig nach der Rückkehr aus Urlaubs- oder Ferienzeiten auftritt und sich durch Symptome wie Antriebslosigkeit, Gereiztheit, depressive Verstimmung, Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafprobleme und körperliche Erschöpfung äußern kann. Betroffene berichten dabei oft von einer subjektiv empfundenen Diskrepanz zwischen der erholsamen Freizeit- oder Urlaubsphase und den Anforderungen des Alltags- und Berufslebens. Das Syndrom gilt nicht als eigenständige klinische Diagnose, sondern wird eher als vorübergehender Anpassungs- oder Stresszustand beschrieben, der im Zusammenhang mit der Re-Integration in gewohnte Routinen steht. In der wissenschaftlichen Literatur wird angenommen, dass die Ursachen sowohl in psychologischen als auch in physiologischen Prozessen liegen. Zum einen führt der abrupte Wechsel von Entspannung und Autonomie im Urlaub zu einer Konfrontation mit strukturierten Pflichten, Zeitdruck und sozialer Verantwortung, die das subjektive Belastungserleben steigern. Zum anderen spielen möglicherweise Veränderungen im zirkadianen Rhythmus, Schlaf-Wach-Muster sowie neuroendokrine Stressreaktionen eine Rolle. Studien legen nahe, dass Personen, die bereits vor dem Urlaub unter hoher Arbeitsbelastung litten oder während der Freizeit unrealistisch hohe Erwartungen an Erholung und Glück setzten, besonders anfällig für das Syndrom sind. Der Verlauf ist in der Regel selbstlimitierend:

Die Symptome klingen nach einigen Tagen bis maximal zwei Wochen ab, sobald der Körper und die Psyche sich an den Alltag angepasst haben. Präventiv können Strategien wie ein sanfter Übergang in die Arbeit durch kurze Wochen, bewusste Pausen, Bewegung, Schlafhygiene und realistische Erwartungen an den Urlaub hilfreich sein. Auch die Förderung von Resilienz und Stressbewältigungskompetenzen kann das Risiko mindern. Das Post-Holiday-Syndrom wird in der öffentlichen Wahrnehmung oft als „Ferienblues“ oder „Back-to-Work-Blues“ bezeichnet und findet zunehmend Beachtung in arbeits- und gesundheitspsychologischen Kontexten, insbesondere im Hinblick auf Burn-out-Prävention und Work-Life-Balance.

Diese Gefühle treten typischerweise dann auf, wenn man von der intensiven und oft freudigen Zeit der Ferien oder des Urlaubs in den Alltag zurückkehrt, wobei solche Gefühle verständlich sind und sogar als Zeichen einer gesunden psychologischen Funktionsweise betrachtet werden können, denn sie spiegeln bei vielen Betroffenen den Unterschied zwischen der speziellen Zeit in einem Urlaub und dem Alltag wider. Das Post-Holiday-Syndrom ist in den meisten Fällen vorübergehend und unterscheidet sich deutlich von einer klinischen Depression, auschwenn die Symptome ähnlich sein können. Das Phänomen erstreckt sich in der Regel auf einen Zeitraum von zwei bis sechs Wochen, wobei in diesem Zeitraum die positiven Erholungs-Effekte des Urlaubs auf Wohlbefinden, Arbeitsleistung und Arbeitsmotivation verschwinden. Erst wenn solche Gefühle anhaltend oder besonders intensiv auftreten, ist es empfehlenswert, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Nach Ansicht von Experten fallen Laune und Wohlbefinden nach den freien Tagen wieder auf das Vorurlaubsniveau, darunter aber in den meisten Fällen kaum. Es gibt verschiedene Strategien, um mit dem Post-Holiday-Syndrom umzugehen wie etwa eine bewusste Vorbereitung auf die Rückkehr zum Alltag, eine nur allmähliche Wiederaufnahme der Routinen des Alltags, die bewusste Pflege positiver Erinnerungen an den Urlaub oder die Feiertage und die Planung von kleinen Belohnungen im Alltag. Eine empfehlenswerte Strategie ist es, einige Tage zwischen die Rückkehr aus dem Urlaub und den Arbeitsbeginn zu legen, etwa um in Ruhe auszupacken und die Wäsche zu waschen. Wenn es organisierbar ist, hilft es auch, die Arbeit mit einer kurzen Woche zu beginnen, denn wer mitten in einer Woche zurück ins Büro und an die Arbeitsstelle kommt, hat das nächste Wochenende bald vor sich und schon ist die erste Woche überstanden.

Studien von Mitshell et al. (1997) zeigen übrigens auch, dass die Erwartungen der Menschen an persönliche Ereignisse positiver sind als die tatsächlichen Erfahrungen während des Ereignisses selbst, und dass die anschließende Erinnerung an dieses Ereignis positiver ist als die tatsächliche Erfahrung. Dieses Phänomen einer rosaroten Sichtweise geht mit einer Zunahme negativer Gedanken während des Ereignisses einher, die durch Ablenkung, Enttäuschung und eine weniger positive Sichtweise des Selbst verursacht zu sein scheinen. Diese Effekte sind jedoch nur von kurzer Dauer und innerhalb weniger Tage nach dem Ereignis bewerten die Personen das Ereignis wesentlich positiver.

Hinweis: Es handelt sich dabei eher um einen populärwissenschaftlichen Begriff, dem aber bekannte psychische Phänomene zu Grunde liegen.

Literatur

Fritz, C., & Sonnentag, S. (2006). Recovery, health, and job performance: Effects of weekend experiences. Journal of Occupational Health Psychology, 11(3), 187–199.
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Kühnel, J., & Sonnentag, S. (2011). How long do you benefit from vacation? A closer look at the fade-out of vacation effects. Journal of Organizational Behavior, 32(1), 125–143.
Mitchell, Terence R., Thompson, Leigh, Peterson, Erika & Cronk, Randy (1997). Temporal Adjustments in the Evaluation of Events: The “Rosy View”. Journal of Experimental Social Psychology, 33, 421-448.
Schneider, E., Liwinski, T., Imfeld, L., Lang, U. E., & Brühl, A. B. (2023). Who is afraid of Christmas? The effect of Christmas and Easter holidays on psychiatric hospitalizations and emergencies—Systematic review and single center experience from 2012 to 2021. Frontiers in Psychiatry, doi:10.3389/fpsyt.2022.1049935.
Sonnentag, S., & Fritz, C. (2007). The recovery experience questionnaire: Development and validation of a measure for assessing recuperation and unwinding from work. Journal of Occupational Health Psychology, 12(3), 204–221.
Westman, M., & Etzion, D. (2001). The impact of vacation and job stress on burnout and absenteeism. Psychology & Health, 16(5), 595–606.


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