Zum Inhalt springen

mattering

    Das psychologische Konstrukt mattering, also der persönlichen Wichtigkeit, kann das Risiko für Depressionen, Selbstmordgedanken und andere psychische Probleme sehr gut vorhersagen, aber auch die körperliche Widerstandsfähigkeit älterer Menschen. Mattering überschneidet sich mit den Konstrukten Selbstwertgefühl, sozialer Unterstützung und dem Gefühl der Zugehörigkeit, ist aber nicht identisch.

    Besonders beeindruckend ist aus therapeutischer Sicht, dass ein geringes Gefühl der Bedeutsamkeit im Vergleich zu anderen psychologischen Zuständen leichter zu ändern ist, und dass dieses Ziel mit Therapien erreicht werden kann, d. h., die Menschen können allmählich lernen, sich auf eine Art und Weise auf andere Menschen einzulassen, die ihr eigenes Gefühl der Wichtigkeit fördert.

    1981 entwickelte Rosenberg & McCullough eine fünfstufige Wichtigkeitsskala mit Fragen wie „Wie sehr sind andere Menschen von Ihnen abhängig?“ und „Wie sehr würden Sie vermisst werden, wenn Sie weggingen?“ Es hat sich  dabei gezeigt, dass es zentral für das menschliche Wohlbefinden ist, dass Menschen wissen, dass andere an sie denken, gegebenenfalls Rat suchen und sich darum sorgen, was mit ihnen geschieht.

    Der Soziologe R. Jay Turner zeigte 2001 in einer Studie, dass Mattering sich von Selbstwertgefühl, sozialer Unterstützung und anderen Faktoren unterscheidet und daher einen wichtigen Aspekt des Selbstkonzepts umfasst. Die individuelle Wahrnehmung entsteht meist dann, wenn Menschen andere aufsuchen (Bewusstheit), sich für sie einsetzen (Bedeutung) oder wenn sie Hilfe suchen (Vertrauen). Einen adäquaten deutschen Einzelbegriff gibt es dafür nicht, wobei Begriffe wie Selbstwert, Selbstwirksamkeit und Selbstakzeptanz  hier dazugehören. In der Folge wurden zahlreiche Skalen entwickelt, wobei sich zeigte, dass sich Mattering aus drei Komponenten zusammensetzt.

    • Bewusstheit: Schenken Ihnen die Menschen Aufmerksamkeit oder gehen sie an Ihnen vorbei?
    • Wichtigkeit: Haben Sie Menschen, die sich wirklich für Ihr Wohlbefinden interessieren?
    • Vertrauen: Gibt es Menschen, die Sie um Hilfe, Unterstützung oder Rat bitten würden?

    Das Gefühl der Wichtigkeit oder Unwichtigkeit beginnt meist in der Kindheit, wobei die Botschaften, die Eltern an das Kind senden, oft entscheidend sind, ob diese sich irrelevant, unsichtbar und unbedeutend fühlen. Die Bedeutung des Gefühls der Wichtigkeit unterscheidet sich auch nach Geschlecht, wobei Frauen fast durchgängig über ein höheres Maß an Bedeutung in ihren Beziehungen berichten. Sowohl Männer als auch Frauen leiten aus engen Beziehungen ein Gefühl der Wichtigkeit ab, aber Frauen tun dies mehr als Männer aus ihrer Rolle als Eltern und enge Freunde. Das Gefühl der Bedeutung von Männern ergibt sich eher aus ihrem wahrgenommenen Status und ihrer sozialen Klasse innerhalb der Gemeinschaft und durch die Mitgliedschaft in Gruppen.

    Literatur

    Rosenberg, M., & McCullough, B. C. (1981). Mattering: Inferred significance and mental health. Research in Community and Mental Health, 2, 163 – 182.
    https://www.spektrum.de/news/mattering-fuer-andere-menschen-wichtig-sein/2085168 (22-12-12)


    Impressum ::: Datenschutzerklärung ::: Nachricht ::: © Werner Stangl :::

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

    //-->