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Operative Psychologie

Die Operative Psychologie war von 1965 bis 1990 ein spezielles Forschungs- und Lehrfach an der Juristischen Hochschule des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR, das sich mit den Erscheinungen, Bedingungen, Gesetzmäßigkeiten und des psychischen Erlebens und der psychischen Steuerung des Verhaltens und der Handlungen der Menschen in der politisch-operativen Arbeit beschäftigte. Dabei stand dieses Studienfach unter strenger Geheimhaltung.

Die Überlegung, psychologische Methoden für die Staatssicherheit zu nutzen, war in den 1970er Jahren in der Hochschule der Staatssicherheit in Potsdam-Golm entstanden. Das Ziel war, mit psychologischen Methoden Erkenntnisse über die Gedanken und Gefühle von Systemfeinden zu erhalten, um diese in irgendeiner Weise zu beeinflussen, zu überwachen oder zu entlarven und zu zersetzen.

Bis heute sind viele Fragen hinsichtlich der Aktivitäten und der praktischen Wirksamkeit des damals gewonnen operativ-psychologischen Wissens weitgehend unbeantwortet. Auch inwieweit andere Universitäten dabei eine Rolle spielten, ist noch nicht abschließend T-Shirt, wobei die akademische Psychologie in der DDR keinen geklärt leichten Stand hatte, denn sie ist eine Wissenschaft des individuellen Verhaltens und Erlebens von Menschen, aber das Individuum stand in der sozialistischen Gesellschaft jedoch nicht im Vordergrund. Die Staatsform konzentrierte sich auf das Kollektiv, auf Gruppen und die Gesellschaft und es gab Erwartungen, die an psychologische Institute formuliert wurden, etwa wie man psychologisches Wissen aktiv in die Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft einbringen sollte.

In dieser Studienrichtung wurden hierbei vor allem Grundkenntnisse der Psychologie vermittelt, wobei Untersuchungsergebnisse zu Gefühlen, Bedürfnissen und Beziehungen von Menschen, aber auch Erkenntnisse der Gruppenanalyse und zwischenmenschlicher Phänomene wie Vertrauen, Bindungen und Leitung für Zersetzungsmaßnahmen nutzbar gemacht werden sollten. Die auf diese Weise gewonnenen Erkenntnisse sollten darüber hinaus zur gezielten Anwerbung und Stabilisierung von Mitarbeitern als auch zur systematischen Zersetzung politischer Gegner des Regimes genutzt werden. Psychologische Erkenntnisse sollten helfen, die Psyche des Feindes genauer zu erkennen und zu beeinflussen, um Erkenntnisse über Gedanken oder Gefühle, typische Verhaltensweisen und psychische Eigenschaften des Gegners, die wertvolle Hinweise für seine Entlarvung und Liquidierung, Beeinflussung, Zersetzung und Überwachung liefern, zu erhalten.

Auch während Verhören fanden Methoden der Operativen Psychologie zur Stimulierung der Aussagebereitschaft von Personen in der Untersuchungsarbeit Anwendung, wobei etwa Geräusche und Lichteffekte zur Erzeugung von Schlaflosigkeit, Angstzuständen oder Desorientierungen eingesetzt wurde. Vor allem in der Endphase der DDR wurde versucht, Oppositionsgruppen zu diskreditieren, indem man etwa einem Pfarrer Weinflaschen vor die Tür stellte, um zu suggerieren, er sei Alkoholiker, oder man hat das Gerücht gestreut, jemand sei Mitarbeiter der Staatssicherheit, damit sich andere von ihr abwenden. Auch wurden Gegenstände in Wohnungen verändert, falsche Liebesbriefe an Ehepartner geschickt usw. (siehe dazu Gaslighting). Bei den Opfern von Zersetzungsmaßnahmen auf Grundlage der operativen Psychologie lassen sich bis heute psychosomatische Erkrankungen und posttraumatische Belastungsstörungen feststellen.

Allerdings konnte man den selbst gestellten wissenschaftlichen Anspruch nicht erfüllen, denn außer vagen Aussagen und allgemeinpsychologischen Statements brachte die Operative Psychologie keine eigenen wissenschaftlichen Leistungen hervor. Alle wichtigen Kriterien für wissenschaftlich-psychologisches Arbeiten, wie empirische Untersuchungen, theoretischer Unterbau, mögliche Falsifizierbarkeit von Hypothesen, Offenheit und Wertfreiheit wurden kaum erfüllt.

Literatur

https://de.wikipedia.org/wiki/Operative_Psychologie (18-12-17)
https://www.campus-halensis.de/artikel/psychologie-im-dienst-der-stasi/ (20-03-11)



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