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Soziokratie ist eine Organisationsform, mit der Organisationen verschiedener Größe, von der Familie über Unternehmen und NGOs bis hin zum Staat, konsequent Selbstorganisation umzusetzen versuchen. Durch ihre Prinzipien wird sichergestellt, dass ein Ignorieren von Spannungen strukturell vermieden wird und im Sinne von gemeinsamen Zielen nachgesteuert wird. Die Mitglieder einer Organisation entwickeln Mitverantwortung kollektiver Intelligenz sowohl für den Erfolg der Organisation als Ganzes als auch für jeden Einzelnen.

Ein Beispiel ist die Form der Soziokratie, die von Gerard Endenburg (1994) in Holland entwickelt und in seinem eigenen Unternehmen angewandt wurde. Das Prinzip bestand darin, eine Organisation zu schaffen, in der Führungskräfte und Mitarbeiter partnerschaftlich und effektiv zusammenarbeiten, d. h., in dieser Form der Soziokratie wird der bestehenden linearen Struktur eine Kreis- Struktur hinzugefügt. Auf jeder Ebene des Unternehmens treffen sich regelmäßig alle 4-6 Wochen Führungskräfte, Delegierte der nächstunteren Kreise sowie die Mitarbeiter und legen die Rahmenbedingungen für die gemeinsame Arbeit fest. Diese Entscheidungen werden im Konsens getroffen,d. h., keines der Mitglieder des Kreises äußert ein „Nein“ gegen diese Entscheidung, also keinen schwerwiegenden und argumentierten Einwand. Der Beschluss liegt im persönlichen Toleranzbereich im Hinblick auf das gemeinsame Ziel und kann von jedem mitgetragen werden. Es gibt in der Soziokratie folgende Grundprinzipien:

  • Der Konsens regiert die Beschlussfassung.
  • Die Organisation wird in Kreisen aufgebaut, die innerhalb ihrer Grenzen autonom ihre Grundsatzentscheidungen treffen.
  • Zwischen den Kreisen gibt es eine doppelte Verknüpfung, d.h., jeweils zwei Personen nehmen an beiden Kreissitzungen teil.
  • In den Kreisen werden die Personen für die Funktionen und Aufgaben im Konsens nach offener Diskussion gewählt.

Endenburgs Modell hat zwei wesentliche Wurzeln, die Beschlussfassung bei den Quäkern und die Erkenntnisse der Kybernetik. Endenburgs Modell der Soziokratie beschäftigt sich letztlich mit der Frage, wie Macht oder Herrschaft gesteuert werden kann auf der Basis von Gleichwertigkeit und gemeinsamen Zielen. Er sieht eine Organisation als eine Gemeinschaft von Menschen, die versuchen, eine gemeinsame Vision der Gesellschaft bzw. Umgebung zu verwirklichen und gemeinsam bestimmte Ziele zu erreichen.

In den Niederlanden und in Deutschland gibt es einige soziokratisch organisierte Schulen, wobei die Prinzipien der Soziokratie vorwiegend auf die Lehrerschaft und die Elternschaft angewendet werden.

Literatur

Endenburg, Gerard (1994). Soziokratie. Königsweg zwischen Diktatur und Demokratie? (S. 135-148). In Fuchs, Jürgen (Hrsg), Das biokybernetische Modell. Unternehmen als Organismen. Wiesbaden: Gabler.
https://de.wikipedia.org/wiki/Soziokratie (21-11-17)



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