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Reporting Bias ist die Verzerrung in der Berichterstattung von Forschungsergebnissen in der Psychologie, der Medizin und anderen angewandten Wissenschaften, und zwar aufgrund der selektiven Offenlegung oder Zurückhaltung von Informationen durch die Beteiligten in Bezug auf das für eine Studie gewählte Thema und die Gestaltung, Durchführung, Analyse oder Verbreitung von Studienmethoden, Ergebnissen oder beidem. Es gibt dabei mehrere Arten von Verzerrungen in der Berichterstattung :

  • Voreingenommenheit bei der Veröffentlichung: Die Veröffentlichung oder Nicht-Veröffentlichung von Forschungsergebnissen, je nach Art und Richtung der Ergebnisse.
  • Verzerrung durch zeitliche Verzögerung: Die schnelle oder verzögerte Veröffentlichung von Forschungsergebnissen, je nach Art und Richtung der Ergebnisse.
  • Verzerrung durch mehrfache oder doppelte Veröffentlichung: Die mehrfache oder einmalige Veröffentlichung von Forschungsergebnissen, je nach Art und Richtung der Ergebnisse.
  • Standortverzerrung: Die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen in Zeitschriften, die je nach Art und Ausrichtung der Ergebnisse unterschiedlich leicht zugänglich sind oder in Standarddatenbanken unterschiedlich gut indexiert sind.
  • Zitationsverzerrung: Die Zitierung oder Nicht-Zitierung von Forschungsergebnissen, je nach Art und Richtung der Ergebnisse.
  • Sprachliche Verzerrung: Die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen in einer bestimmten Sprache, abhängig von der Art und Ausrichtung der Ergebnisse.
  • Verzerrung in der Ergebnisberichterstattung: Die selektive Berichterstattung über einige Ergebnisse, nicht aber über andere, je nach Art und Richtung der Ergebnisse.

Es gibt Für diese Art von Verzierungen zwei Ursachen: die Motivation wie eine Präferenz für bestimmte Ergebnisse und die Mittel wie etwa ein flexibles oder unvollständiges Studiendesign. Diese beiden zusammen stellen eine hinreichende Ursache für das Auftreten von Verzerrungen in der Berichterstattung dar.

In der empirischen Forschung kann es vorkommen, dass Autoren und Autorinnen unerwartete oder unerwünschte Versuchsergebnisse zu wenig berichten und die Ergebnisse auf Stichproben- oder Messfehler zurückführen, während sie den erwarteten oder erwünschten Ergebnissen mehr Vertrauen entgegenbringen, obwohl diese den gleichen Fehlerquellen unterliegen können. In diesem Zusammenhang kann die Voreingenommenheit bei der Berichterstattung schließlich zu einem Status quo führen, bei dem mehrere Forscher dieselben Ergebnisse entdecken und verwerfen und spätere Experimentatoren ihre eigene Voreingenommenheit bei der Berichterstattung damit rechtfertigen, dass frühere Experimentatoren andere Ergebnisse berichtet haben. Auf diese Weise kann jeder Vorfall von Voreingenommenheit in der Berichterstattung künftige Vorfälle wahrscheinlicher machen.

Werden dann derartige Studien und Forschungsergebnisse von politischen Entscheidungsträgern genutzt, um evidenzbasierte Leitlinien für politisches Handeln zu entwickeln und Entscheidungen über die Behandlung oder Prävention von Problemen zu treffen, so werden Entscheidungen und -empfehlungen auf der Grundlage verzerrter Evidenz getroffen.

Beispiel: So wird aufgrund dieses Fehlers etwa die Wirkung der Homöopathie überschätzt, denn es gibt einen hohen Anteil an nicht oder erst im Nachhinein registrierten Homöopathie-Studien, was bedeutet, dass deren Veröffentlichung tendenziell von den Ergebnissen abhängt. Man kann daher davon ausgehen, dass viele Studien nicht publiziert wurden, weil sie nicht das gewünschte Ergebnis gezeigt haben, d. h., publizierte Homöopathie-Studien berichten oft nur die attraktiven Ergebnisse und liefern daher ein verzerrtes Bild der Wirksamkeit von Homöopathie. Dadurch wird der tatsächliche Behandlungseffekt der homöopathischen Mittel überschätzt.

Literatur

Higgins, J.P.T., Thomas, J., Chandler, J., Cumpston, M., Li, T., Page, M.J. & Welch, V.A. (Hrsg) (2019). Cochrane Handbook for Systematic Reviews of Interventions. Chichester: John Wiley & Sons.
https://en.wikipedia.org/wiki/Reporting_bias (21-08-11)



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