Die Hufeisentheorie, das Hufeisenschema oder auch  Hufeisenmodell, wird in der Einstellungstheorie bzw. Extremismustheorie zur Veranschaulichung von einander entgegengesetzten Positionen herangezogen, denn es stellt die Ausprägung etwa politischer oder weltanschaulicher Ansichten nicht als Gerade mit einander entgegengesetzten und weit entfernten Endpunkten dar, sondern als hufeisenförmig, also als unvollständigen Kreis mit einander naheliegenden Endpunkten. Je extremer solche Ansichten manchmal auch sind, desto stärker auch die Gewissheit, mit der diese Ansichten vertreten werden, wodurch es letztlich zu einer strukturellen Annäherung der Positionen kommen kann. Von Karl Popper ist dieser Hang zur Gewissheit übrigens als fundamentale Komponente des Totalitarismus beschrieben worden, denn wer die eigene Weltanschauung mit absoluter Sicherheit für den einzigen Weg in eine glückliche Zukunft hält, kann damit abscheuliche Taten rechtfertigen und den Gegner als böse sowie niederträchtig abstempeln oder gleich vernichten.

So können mit diesem Modell strukturelle Ähnlichkeiten bzw. die Nähe von Links- und Rechtsextremismus dargestellt werden, womit zum Ausdruck gebracht werden soll, dass extremistische Haltungen eigentlich entgegengesetzter politischer Lager einander oft näher sind, als zu Positionen der moderaten Ausprägungen ihres jeweiligen Feldes. Zusätzlich ziehen radikale Strömungen Menschen an, die sich in ihren psychischen Merkmalen ähneln, sich in ihrem Dogmatismus gleichen, wodurch sie sich in ihrer Selbstgewissheit, ihrer Irrationalität und ihrem starren Denken annähern.



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